Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 28-29 (9.4.1903)
- Date
- 1903-04-09
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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Offener Brief öes Zchul-Rmmlees in Vhilippopel (Bulgarien) an Len D'räfiöenten Les Jenlral-Romitees der,All!ance Israelito Universelle1 in Davis. P h i n p p o p e l, 4./17. MLrz 1903. Herr Präsident! Seit mehr als zehn Jahren hat man in jeder der sieben Klaffen unserer Mädchenschule 4 bis 6 von den 33 Lehrstunden der Woche dem Unterrichte des Hebräischen gewWmet. Mese 4 Stunden sind nicht genügend, und die Resultate, die man erzielt, sind gleich Null. Beim Beginne des laufenden Schuljahres haben wir die Zahl der dem Hebräischen gewidmeten Lehrstunden vermehren wollen. Sie haben sich entschieden dieser Vermehrung widersetzt, und da wir wissen, daß Sie niemals mit den Gemeinden zu diskutiren belieben, sondern Ihre Befehle ertheilen, und wenn der geringste derselben nicht ausgefiihrt wird, sofort mit der Entzichung der Subvention drohen, und diese Drohung auch auszufiihren pflegen, da wir alles das wissen, haben wir es fiir das Klügste erachtet, die Aenderung für dieses Schuljahr zu unterlassen und das Programm im Status quo ante zu lassen. Den 6. November 1902. d. h. mehr als 2 Monate nach dem Beginne des Schuljahres, haben Sie an die Leiterinnen und Leiter Ihrer Schulen ein Zirkular erlassen, in welchem Sie ein neues Programm für den Unterricht des Hebräischen an den Knabenschulen und an den Mädchenschulen erlassen. Durch dieses Programm delretiren Sie, daß an den Mädchenschulen das Hebraist bloß in den vier oberen Klassen uNd nur in 2 Stunden in der Woche gelehrt werden solle. Gleichzeitig mit dem Eintreffen des Zirkulars kam auch an unsere Mädchenschule der Befehl, das Programm sofort in Anwendung zu bringen. Wir haben uns gleich darauf an Sie mit der flehentlichen Bitte gewendet, eine so große Verminderung im Unterrichte des Hebräischen an den Mädchenschulen nicht zu fordern, und wir haben uns erlaubt. Ihnen das Vorwort Ihres eigenen Zirkulars in Erinnerung zu bringen, welches lautet: „.dieses Programm ist ein Minimum . . . Wir beabsichtigen nicht, das Niveau des Unterrichtes in jenen Schulen herabzusetzen, wo derselbe unser Programm ubertrifft, aber dieses Programm soll das mittlere Maß des Unterrichts des Hebräischen an unseren Schulen festfetzen, insbesondere für jene, wo das Hebräische gegenwärtig nicht mit genügender Sorgfalt betrieben TdttV Sie haben uns geantwortet, daß diese Stelle sich bloß auf die Knabenschulen bezieht, und nicht auf die Mädchenschulen, und daß für diese zwei Stunden in der Woche in vier Jahrgängen das Maximum und das Minimum seien. Wir haben dagegen die Einwendung er- hoben, daß wir zu Beginn des Schuljahres die Frage im Einvernehmen urit Ihnen studierten, und das Programm für das laufende Schuljahr in diesem Einvernehmen festgesetzt und das nöthige. Personal angestellt worden sei, wir haben daran noch mehrere andere Erwägungen angeschlossen, aber sie alle wurden von Ihnen nicht einmal der Beachtung gewürdigt, denn Sie haben ' Ihre Entscheidung aufrecht erhalten und dvrch einen Brief vom 2./15. l. M. hat die Leiterin unserer Schule Ihre Anordnung zu unserer Kenntniß gebracht, den - Unterricht im Hebräischen nach den in Ihrem Zirkulare, gezogenen, engeren Grenzen von diesem Tage an .zu restringieren, und sowohl die übrigen Klassen/ als die Lehrer des Hebräischen unbeschäftigt zu lassen. Wir haben uns dieser Anordnung auf das Lebhafteste widerseht, und da die Schulleiterin bereits die Befehle. zur Einführung dieser Aenderung ertheilt Hai. haben wir uns an sie mit der Bitte gewendet, ihre Anordnungen zu siMren. Da sie es nicht wollte, haben wir uns in der unangenehm^ Läge gesehen, diese SiMrung selbst zu verfiigen. Darauf ist die Frau Direktorin von . der Leitung der Schule zurückgetreten — daS ist ihre Sache. Unsere Sache war es, den regelmäßigen Gang der Schulan'oelegenheiten auch nach dem Rücktritt der' Leiterin zu sichern, was wir dadurch zu erreichen anflrebten,' daß wir die dienstälkeste Lehrerin zur provisorischen Schulleitern ernannten. Das ist die wahrheitsgetreue Schilderung der Vor-j gange Es erübrigt uns nur noch die folgenden Bemerkungen anzufngen: “• 1) Unsere Gemeinde verausgabt ungefähr 26.600 Francs jährlich für unsere Schulen und Sie fubvenkioniren uns bloß, indem Sie den Direktor und die Direktorin besolden, wobei w i r noch an den Direktor 720 Francs jährlich als -Quartiergeld zu bezahlen baben. Würden wir noch 1200 Francs hinzufüäen. so konnten wir unser Personal vervollständigen, und die Schulen würden gewiß nicht so schlecht geleitet werden, wie sie es gegenwärtig sind. Wir können es daher nicht begreifen, wie Sie sich an maßen wollen, unsere Schulen ohne Berücksichtigung der Wünsche der Gemeinde zu'verwalten. ‘ 2) Sie unterdrücken den Unterricht des Hebräischen, nicht weil Sie dieser Unterrichtsstunden bedürfen, um andere Lehrgegenständ'e zu lehren, denn Sie sehen ja an Stelle dieser Unterrichtsstunden nichts anderes