Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 28-29 (9.4.1903)
- Date
- 1903-04-09
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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milienobethäupt die Autorität gewesen, vor der die Söhne und Töchter sich willig gebeugt. „Ja, der Junge mochte wirklich Recht haben," hatte er sich damals vorgetäuscht, „stets noch war der älteste Schwab in die Fußtapfen seines Vaters getreten, und das warm alle tüchttge Kaufleute gewesen seit des Urgroßvaters Zeiten. Ja, das steckte dem Jungen wohl so im Blut!" Und Fred nicht, sondern Georg studirte. Dann brachte er den Jungen, seinen Stolz, selbst in das Haus eines befreundeten Fabrikanten in die Lehre. Hier war er wohl geborgen wie in Abrahams Schoß. Anfangs ließ er sich auch ganz gut an. Aber dann begann ein tolles Leben, das der Frmnd ihm zuerst noch in liebevollster Absicht verheimlichte, da er glaubte, sein eigmer Einfluß sei groß genug, um Fred, dessen Leichtsinn er als vorübergehend und eine Folge des etwas ungebundenen Lebens in der Fremde ansah, .wieder in die rechte Bahnen zu senken. Schließlich aber ein kluger, dringender, schriftlicher Ruf nach des Vaters eigener Autorität. Fred sei in schlechter Gesellschaft, böse Freunde beherrschten ihn. Leopold Schwab reiste in größter Eile, stehenden Fußes. Zwar ... 'der Junge mochte sich wohl ein bischen Vergnügen gönnen, vielleicht etwas mehr als nöthig, aber — der Frmnd sah doch wohl durch getrübte Gläser, mit der Strenge des Alters kritisirend. JugeNd hat keine Tugend! . . . Aber es sah doch bös aus! Er mußte tief in die Tasche greifen, und immer wieder, immer von Neuem. Das lag nicht im Blut bei Frkd. Mochte den Schwabs auch bei manchen Unternehmungen die strahlende Glücksgöttin gelächelt haben, den Grundstein zu dem jetzigen Wohlstand hätte doch weise und. vorsichtige Sparsamkeit gelegt, Sparsamkeit, diese Tugend, die dem viel geschmähten Stamme Juda eigen, und die man so gerne in schlechtem Sinne zu deuten suchte im anderen Lager. Wie hatte Leopold Schwab gebeten, beschworen, gewettert! Alles umsonst! Für eine Zeit lang hälfs, und dann fing das alte Leben wieder an. Alle guten Geister seines Elternhauses schimen ihn verlassen zu haben. Und heute — das war nun das Ende vom Aede. Gut, daß die Mutter es nicht mehr erlebte, diese hochgebildete, gemüthvolle Frau, wie dieser Sohn dem Vater die Pistole auf die Stuft setzte: ..Zahle, oder es gibt ein Unglück." Noch einmal sollte er zahlen, zum letzten Male. Aber Herr Schwab kannte das jetzt, endlich war ihm ein Licht aufgegangen über diesen seinen liebsten, seinen vergötterten Sohn! Bettelarm würde er ihn machen, ausdrücken wie «ne Citrone, wmn er diese verwünschte Schwäche nicht überwänd! Was war denn schließlich verloren, wenn so einer hinginge und.eine einzige, wohlgezielte Kugel.... keine Schande, ein Glück für seine hoch angesehene Familie! Leopold Schwab ging einige Male mit großen 651 Schritten im Zimmer umher, fern Gesicht war geröthet, die Sttrnadern dick geschwollen. Nein, keine. Hilfe mehr für den Unseligen, dem kern Tröpfchen Blut der Schwabs in den Adern rollte, der' das, was eine Reihe von Vorderen geschaffen, muthwrllig in den Staub zerrte. Mochte ihn denn sein Schicksal ereilen, er möchte und konnte es nicht ändern, er beging Lin Unrecht an seinen anderen Kindern. ML in plötzlichem Entschluß langte er zur Feder und warf mit fester Hand einige Worte auf ein Blatt Papier.' Nun, die Adresse eines großen Hotels, hier war er wohl abgestiegm. •' H Herrn Schwab standen die hellen 'Tropfen auf der Stirn, als er den Brief befördert hatte und sich endlich niederließ. Er faß noch eine Stunde, zwei.— wie in Erwartung da. Wähnte er, es fei noch nicht das Ende, noch nicht der letzte Akt dieses Dramas? . . . Da . . eine Stimme, die ihm durch und durch Kn'g,-. . er ath'mete kies auf, er wußte selbst nicht, weßhalb. Und dann die leise Meldung des Dieners: „Der junge Herr wünscht Sie zu sprechen, Herr Schwab." Leopold Schwab stand plötzlich mitten im ZimMer mit heftig arbeitender Brust. In der geöffneten Thür erschien ein junger Mann,' der die Gestalt des Vaters fast um Haupteslänge überragte. Seine Kerdung war von ausgewählter Eleganz, nur die Haltung entbehrte momentan jeder Festigkeit, das tief brünette, bildschöne Gesicht war kreidebleich. Leopold Schwab schloß die Thüre hinter seinem Sohne und drehte dm Schlüssel um. T>ann trat er dicht vor ihn hin, schüttelte ihn an beiden Schultern, als ob er ihn zerbrechen wollte. „Schurke!" rief er ntft dem ganzen Aufgebot seiner machtvollen Stimme, „Du wägst es noch, mir unter die Augen zu treten?" FrLd stand unbeweglich; kein Zug rührte sich in seinem schönen Gesicht. Dann ging .es wie ein Zucken durch die große Gestalt. „Ja, Vater, da bin ich," klang es endlich heiser und ionlos, „das hättest Du Wohl nickt erwartet, daß Dein Sohn ein solch elender Feigling ist! Zu feige noch, um zur rechten Zeit zu sterben, ein verpfuschtes Dasein von sich zu werfen!" Er stöhnte tief auf. Dann kam wieder die Schwäche über Leopold Schwab, als sein Blick so unverwandt an dem Gesicht des Sohnes hing, das dem seiner verstorbenen, geliebten Gattin so auffallend ähnelte. Eine gewaltige Veränderung ging mit ihm vor, seine Züge schmolzen in Weichheit. - .v „Fred, Fred," ächzte er qualvoll. Dieser richtete sich auf, ein Ruck ging durch seine Glieder > . . - «Noch einmal hilf, Vater! Dieses eine Mal! Löse die Wechsel ein!" Seine Stimme klang gedämpft. „Mb mir so diel Geld, daß ich mit dem ersten, besten!, Dampfer hinüberkomme, und nie mehr will ich vor