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Der Israelit · 1904-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1904)
Date
1904-12-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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2230 Um nun diese reine, edle Gefühle in den möglichst weitesten Kreisen der Leipziger Judenschaft wachzurufen, fand auch dieses Jahr, am 10. Dezember, eine Chanulafeier der „Talmüd-Thauro-Schule zu Leipzig" statt, und zwar im festlich beleuchteten großen Saale des Central-Theaters. Der allverehrte Rabbiner Dr. E. Carlebach leitete das Fest mit einer Rede ein. in der er die große Bedeutung des Chanukafestes betonte. Reicher Beifall lohnte den Unermüdlichen, der es so geschickt verstanden hat, auch in Leipzig das Judenthum zu kräftigen. Hierauf ging der zweite Akt aus Richard Voß' „Daniel Daniel!" in Szene und erntete in Folge der vorzüglichen Aufführung, die. unter Mitwirkung des Frl. Joh. Adler. Herrn Livschütz, Frl. R. Rapaport. Herrn M. Färber und Frl. Marie Pottasch vor sich ging, reichen Beifall. Hierauf folgte das R. Schott'sche Lustspiel: „Hero und Leander^. Auch in diesem Stücke war die Darstellung durch Herrn Kurt Kroch, Frl. Senta Brenner. Frl. Viktoria Brenner. Herrn Hans Kroch und Frl. Fannv Adler sehr zu loben. Als Nr. 4 des Programms deklamirte Frl. Helene Stern, die die Regie über den ganzen dramatischen Tbeil hatte, unter aufrichtigem Beifall das Gedicht „Die kleine Bersetzerin" von Franz Proschko. Besonders guten Anklang fand auch der Biolinvortrag des Herrn Adolf Schkolnick. Mit einem überaus gut arrangierten Knaben- und Mädchenreigen schloß das offizielle Programm. L. R. Neuer Kurs in der ungarischen Neologie. Budapest. In der am 22. d. M. stattgesundenen Generalversammlung des sechsten israelitischen Gemeindedistrikts wurde der gewesene Reichstagsabgeordnete Moritz Mezei zum Präsidenten des Distrikts und zugleich zum Präsidenten der neologen Landeskanzlei gewählt. Martin Schweiger, der seit 35 Jahren diese Aemter bekleidete, demiffionirte. Man ist sich in den Kreisen der ungarischen Judenheit darüber klar, daß dieser Wechsel nicht nur einen Personen-, sondern auch einen Systemwechsel bedeute. Moritz Mezei ist der Mann der „starken Hand", die ja gegenwärtig in Ungarn auf der Tagesordnung ist. In neologen Kreisen erwartet man von dem neuen Manne, daß er die in zwei Lager gespaltene Judenheit Ungarns einige. Mezei sprach es auch aus, daß er alles Mögliche aufwenden werde, die Orthodoxen zu versöhnen. Aber an eine Beseitigung der zwei Hauptursachen, die vor 35 Jahren zur Spaltung geführt haben, denke er auch heute nicht. Als diese zwei Hauptursachrn hezeichnete er nach einem Berichte des „Pesti Hirlap" die Frage des Rabbinerseminars und den Kultus. Au eine Nachgiebigkeit in diesen zwei Fragen darf nicht ge» dacht werden, sonst aber müsse man bis zur äußersten Grenze gehen, um die Einheit herzustellen. „Und gehst du nicht willig, so brauche ich Gewalt." sagte Herr Mezei weiter. Wenn die Orthodoxen nicht nachgeben sollten, so wird man bei der Regierung dahin wirken, daß sie einen neuen Congreß einberufe und die Beschlüsse des Congresses, ohne Rücksicht auf die Betheiligung der Orthodoxen, zu Gesetzen erhebe. Wir können nun schon heute Herrn Mezei sagen, daß wir seinen Versprechungen nicht trauen und seine Drohungen nicht fürchten. Es wird sich in Ungarn keine Regierung finden, die über die Köpfe der Majorität der Judenhcit Ungarns hinweg Gesetze schaffen sollte, die dieser Judenheit die Lebensadern unterbinden sollten. Wir leben zum Glück nicht in Rußland. Zum Frieden reichen wir aber nicht die Hand, bevor uns nicht Sicherheit gewährt wird, daß der alte Schulchan Aruch als für die Inden verbindlich erklärt wird. Ferner werden wir uns unter gar keinen Umständen dazu verstehen, die Herren, die aus dem Budavester Rabbinerseminar als Rabbiner hervorgehen, anzuerkennen. Herr Mezei scheint sich über die Widerstandsfähigkeit der Orthodoxen in einer Selbsttäuschung zu befinden. Es mag Vieles in unserem Lager verbesserungsbedürftig sein, aber wenn es sich um die Gefährdung der uns gesetzlich gewährleisteten Rechte handelt, da werden wir alle ohne Unterschied für sie einzutreten verstehen. Zum Frieden im Sinne der Herren Mezei und Genossen sind wir nicht zu haben, wir wollen auch den Krieg nicht, wollen ihn die Herren, wollen sie mutbwillig den Streit in das Lager der Judenbeit tragen, so sollen ne ibn haben. Wir fürchten den Kampf nicht, denn wir sind sicher, daß die Herren eine Niederlage erleiden werden, wie sie sich sie schmählicher gar nicht vorstellen können. Kl. vermischtes. bisenstadt. In lehr animirter Weile verlief am 7. d. M. daS Cbanukafesi. welche« der Kismartoni Zsido' Iijak Egyesusete r» Gunsten der Armen veranstaltete. Die Gesang-vortrage unter Leitu"a des Ol'crkanwrs Is. Gold, stein und Mitwirkung des Wiener Kantor Dsialovsk-, die beae'stenrde ungarische Rede des Herrn Lcbrer Jakob Buxbaum, die den Gäben die Bedeutung des Festes zu Grmüte führte, sowie der Vortrag drs Herrn M. Herrmann fanden im rablreich erschienenen Auditorium den lebboften Beifall. Es wurden noch verschiedene GelangSvorträge gehalten, die ebenfalls aroßrn Beifall fanden. Eämmtliche Festtheilnehmer verließen wohlbefriedigt de« Festsaal. Für die Armen wurde ein schönes Reinerträgniß

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