Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1904)
- Date
- 1904-12-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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2221 vor Gott und ewige Unruhe ist das traurige Loos ihres Lebens. — Aber Gott, der Herr dieses Volkes, läßt sein Bott nicht verkommen. Wie einst in Mizrajim. so legt er nun auch einen Grundstein in Zion, einen kostbaren Eckstein, einen Stein, der bereits die Probe aus seine Echtheit ausgehalten und aus diesem Stein wird einst der Ban. das ragende Gebäude des jüdischen Zukunftstaates. Langsam wird diese Entwicklung vor sich gehen, aber der auf Gott vertraut, wartet ruhig die Entwicklung der Dinge ab, der Gläubige, er eilt nicht vorwärts.' vnv nb p c x c n irn -co mp1 jus jto 15? p-*- -i? Und was ist dieser Grundstein? n *ax ns spr ms bx. Gott spricht zum Hanse Jakobs: «Nicht mehr soll sich Jakob schämen und sein Antlitz nicht in Scham erglühen." Das Haus Jakobs, die jüdische Familie, wird der Eckstein des zukünftigen Baues jüdischer Größe, wie es ja schon einmal Israel begründete. Aus dem Hause Jakobs ward schon einmal das Volk Israel und so wird es auch in Zukunft sein: vpm ’cr Tpnp' irps ttjc vjp rrrsrs 'o bxrar pSic run rps ernp nx. Wenn er seine Kinder sieht, die Mein Händewerk sind, die ich zu meinen Kindern in liebender Strenge und strenger Liebe erzogen, da werden Alle den Heiligen Jakobs, des bescheidenen Kreises, das Gott treu geblieben ist. in Seiner Heiligkeit erkennen, denn sie werden einseben, daß dieser bescheidene Kreis es war. der den Heiligen Jakobs zum Gotte Israels werden ließ. „Die Kommenden schlagen als Jakob Wurzel, er grünt und blüht dann als Israel, füllt die Welt mit der Frucht reifer und reiner Erkenntniß!" Generalversammlung der traditionell-gesetzestreuen Rabbinervereiuiguug. Berlin, 28. Dez. Aus den meisten Gegenden Deutschlands fanden sich die Mitglieder der traditionellgesehestreuen Rabbinervereinigung zur Generalversammlung zusammen. Fast 60 Rabbiner sind bei den Beratungen anwesend, die Dienstag, 27. und Mittwoch. 28. Dez., stattfanden und eine Fülle von Anregungen gaben. Am Nachmittage des zweiten Beratungstages wurden die Beratungen unterbrochen durch einen herrlichen halachischen Vortrag des Rektors Herrn Dr. H o f f m a n n, der fast zwei Stunden lang die Aufmerksamkeit der Mitglieder der Vereinigung fesselte. Auch bei den sonstigen Punkten der Tagesordnung bot sich vielfach Gelegenheit, eingehend und scharfsinnig halachische Fragen zu behandeln. Dienstag Abend folgten die Herren Rabbiner einer Einladung der Adaß Zisroel Gemeinde zum Abendessen. Heute Abend findet ein Vortrag des Herrn Prof. Dr. Berliner über Maimonides im Verein der Hörer, des Rabbinerseminars statt. — Ausführlicher Bericht folgt. Der Krawall-Prozetz. H o m e l, 21. Dez. Unter den Zeugen, die seitens der Dertheidigung der angeklagten Juden namhaft gemacht waren, befanden sich auch mehrere Christen, Leute in angesehener Lebensstellung, die jeden Verdacht irgendwelcher Beeinflussung oder Abhängigkeit ausschließt. Man hörte hier unbefangene, aufrichtige Aussagen zu Gunsten der Juden; ja noch mehr, man bekundete hier offen und klar, in welcher Art und Weise das Material für die Anklage gesammelt wurde, und wie letztere in ihrer jetzigen endgültigen Form entstanden war. Da stellte sich heraus, daß die Hauvtzeugen der Anklage — Polizisten. Soldaten, kleinere Beamte u. s. w. — ihre Aussagen beim Untersuchungsrichter, wo die Vertheidigung nicht Mitwirken darf, in Gegenwart und genau nach Anweisungen ihrer Vorgesetzten machten; daß die die Juden belastenden Zeugen in der Voruntersuchung nur auf Befragen antworten durften, irgend welche auch sachliche Mittheilungen wurden dagegen unterdrückt mit dem Hinweis: „das Alles würden sie in der Hauptverhandlung erzählen können"; daß schließlich auf Veranlassung der Untersuchungsbehörde die mißhandelten und verwundeten Juden zwei bis drei Monate nach den Ereignissen ärztlich-amtlich untersucht wurden, in Folge dessen die Anklage in vielen Fällen lonstatiren konnte, daß Spuren von Schlägen bei den „angeblich" Mißhandelten nur geringe oder überhaupt nicht zu finden waren. Außerdem stellte sich noch heraus, daß jeder mißhandelte bezw. verwundete Jude, der sich bei der Polizei beklagte, in der Regel verhaftet wurde, unter dem Verdachte, am Judenaufstande Theil genommen zu haben. Gestern wurden die Verhandlungen auf Anordnung der Kiewer Gerichtskammer wegen der Mobilisation der Reservisten im Homeler Bezirk bis zum 1si./28. d. M. vertagt. Freudige Ueberraschung erregte die Mittheilung des Vorsitzenden, daß laut Beschluß derselben Äerichtskammer die e.lf.AyZekl.agfest (darunter neun Juden), dieschy/r fünfzehn Monate in Untersuchungshaft sich befinden, auf freien Fuß gefetzt werden. Diese unerwartete Maßregel, die zeigt, daß nach Annahme des Gerichtshofes sogar für diese wichtigste Kategorie der „Verbrecher" die Beweisaufnahme keine belastenden Mom-nte ergeben hat. wurde mit lautem Jubel aller Anwesenden begrüßt. Es spielten sich ergreifende Szenen ab: die christlichen und, die jüdischen Angeklagten umarmten und küßten einander. die Angehörigen weinten laut vor Freude, und selbst die sonst so ernsten Mitglieder des Gerichtshofes waren sichtlich gerührt. vermischtes. Berlin, 18. Dezember. Die Wahlen zur akademischen Lesehalle an der hiesigen Universität, die dieser Tage stättfanden, erbrachten aufs neue den Beweis, daß der Geist in