Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1904)
- Date
- 1904-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I 4L. Jchrza»g. M 103 & 104. Kentrak-Hrgan für das orthodore ZudenLHum. Begründet vo» .! Br. Ketymann in IMainp Dorr«erstag, 2 1. Thevet SPSS. 29. Deremder 1904. Da mit dem 1. Januar 1905 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir unS, die ge» _ ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pw 1v04 eingetragen unter Nr. 3932. Neu eintretcnde Abonnenten (Postabonnenteu gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monat« gratis. Rückblick an der Jahreswende. Wenn auch das jüdische Jahr 6664 zu Roschhaschonoh seinen Abschluß gefunden hat, so sind doch in der kurzen Zeit seitdem eine Reihe wichtiger Ereignisse in dem politischen und bürgerlichen Leben der Judenheit vor sich gegangen, so daß es sich verlohnt, auch an der Schwelle des neuen bürgerlichen Jahres 1905 eine Rückschau auf das vergangene Jahr und seine Bedeutung für die Juden auf dem ganzen Erdenrunde zu halten. Für uns deutsche Israeliten hat das Jahr 1904 eine kräftige Entwickelung unserer inneren Angelegenheiten gebracht. Man ist bereits kräftig aw Werk, um ein für alle Mal eine gesetzliche Regelung der Schächtfrage und die Beseitigung der hier und da immer wieder auftauchenden Intoleranz gegen die Schechitah herbeizuführen. Immer wieder finden sich noch städtische Obrigkeiten, die aus falscher Humanität unter der gänzlich unbegründeten Ausrede des Thierschutzes, zumeist aber lediglich von den Antisemiten aufgehetzt, in ihren mit örtlichem Schlachtzwang ausgerüsteten Schlachthäusern das Schächten untersagen und dadurch die gesetzlich gewahrte Glaubensfreiheit illusorisch machen. Detzhalb hat mau sich für die. aussichtsreiche Aktion die Unterstützung aller rechtlich und freiheitlich Denkenden aus allen Parteien, so z..B. auch aus dem Centrum. gesichert, um durch gesetzgeberische Maßregeln für iinmer dieser Willkür einzelner. Magistrate, ein . Ende zu machen jmb unseren um ihr ’' religiöses Gewissen . besorgten .Glaubensgenossen die Ruhe wiederzugeben. Ein weiterer Schritt vorwärts wird geschehen, wenn es möglich sein wird, auch unsere staatsbürgerlichen und auf vollständige Gleichberechtigung gerichteten politischen Bestrebungen gegenüber den Regierungen und den Parlamenten zu verfechten. Das gegen den wahnwitzigen Grafen Pückler tjn letzten Viertel des abgelaufenen Jahres ergangene Verbot, weitere aufhetzende Radaüreden in " Berlin zu halten, zeigt, daß bei energischem Borgehen immerhin etwas zu erreichen ist. Selbst in dem von lonservativen. agrarischen und rückschrittlichen Strömungen beherrschten Preußen ist es immerhin möglich gewesen, sechs jüdische Abgeordnete in den preußischen Landtag zu bringen, die bereits gegen den reaktionären Kurs innerhalb des Justizministeriums energisch Front gemacht haben'und stets gegen die Verletzung unserer Rechte einzutreten bereit sind. Die wahrend der be-r bäuerlichen Erkrankung des Abgeordneten Richter nothwendige parlamentarische Vertretung der freiheitlichen Ideen war während der jetzigen Tagung unserem Glaubensgenossen, Justizrath Kassel, übertragen worden. Gegen den jüngsten Vorstoß der Antisemiten auf dem Gebiete unserer Gleichstellung in Wehrfragen des Landes ist bereits an dieser Stelle energisch Protest eingelegt worden: um so erfreulicher ist es. daß. in .der Frage des verfaffungs- und gesetzwidrigen Ausschlusses .der Juden von Avancement im aktiver. Heere, namentlich von Unteroffizier-.und Offizierstellen m der .Linie und Garde, selbst der Kriegsmimster. von Einem in .seiner Antwort . aufdie wiederholten Eingaben, des Centralvereins erklärt hat, daß. weder gesetzliche noch Perwaktungsbestimmungen Vorhänden.-oaren,.dl^ den