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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 21)
Language
German
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219» und matt, aber so glücklich, unaussprechlich glücklich. Es war ein Junge, ein prächtiger, kleiner Zunge, mit den großen, dunklen Augen des Vaters. Der neue. - kleine Weltbürger ruhte in ihren Armen, und sie blickte auf ihn mit Augen voller Liebe, mit all der großen, schier Lberv '"'ltigenden Wonne, mit der eine Mutter auf ihr Erstgeborenes blickte. Neben ihreni Lager stand ihr Gatte. Auch er war glücklich, aber sie suhlte mit dem feinen Instinkt des liebenden Weibes, in seinen Augen, in seinem Wesen war etwas, ein unausgxsprrchenes Etwas, ein letzter Rest auf dem Grunde seiner Seele, der das volle Glück nicht aufkommen ließ, sie empfand es wie einen stillen, leisen Vorwurf. Dann ließ tnan die junge Mutter allein, sie sollte den erquickenden Schlummer, der der Erschöpfung folgt, den tiefen, traumlosen Schlaf kosten. Aber sie schlief nicht. Stundenlang lag sie mit geschloffenen Augen wachend da, und durch ihr Gehirn zogen sonderbare, sie tief bewegende Gedanken. Zukunft und Vergangenheit stiegen vor ihrem Geiste auf und versanken. Ihr Junge, da§ war der Mittelpunkt, um den sich naturgemäß alles andere konzentrirte. Dereinst,'wenn er groß sein wird, so groß und gut und stark und. charakterfest wie sein Vater, wird er dann auch noch so ganz ihr gehören, so ganz und gar mit Leib und Seele wie heute! Und plötzlich, sprunghaft. waren ihre Gedanken bei einer andern Mutter, bei der Mutter ihres Mannes. Hatte sie nicht auch ihr Kind einst so gehalten, Hoffnungen gehegt, und vielleicht, vielleicht gedacht, ihr Leben bei ihm zu beschließen! .Und nun 1001" sie vom größten Glücke ihres Kindes ausgeschloffen, einsam, in einer anderen Stadt .... Ohne es positiv zu wissen. fühlte die junge Mutter es plötzlich, mit unumstößlicher Gewißheit brach der Ge danke sich Bahn: Sie selbst trug Schuld daran, sie hatte die alte ftrau nicht mit der Liebe ausgenommen, wie sie es verdient, sie hatte sich durch Aeußerlichkeiten, von der Meinung anderer Menschen beherrschen laffen. Und auch in dem Bestreben, dialte Frau den ietzigea Verbältniffen anzupassen. was ganz überflüssig aewesen. war sie gewiß oft verletzend geworden, ohne sich dessen recht bewußt zu werden. Wenn sie nun selbst ein altes, runzlickes Mütterchen wurde, und das Gleiche pastirte ihr bei ihrem Kinde... Und Plötzlich schlug die junge Mutter die Auoen voll auf und winkte der Wärterin, die jetzt neben ihrem Bette saß. „Bitte, bitte, meinen Mann. aber, schnellt Und als der bei ibr war. ihre Hand in der seinen llnd als der bei ihr war und besorat in ihre glanzenden Auqen blickte, fragte er unwillkürlich: ..Fehlt Dir etwas, Kind?" „Ja. lieber Mann." erwiderte sie da sehr ruhiq. während ihr Herz unruhig klopfte, „etwas fehlt mir. etwas sehr Wichtiges, Großes, Heiliges. Und' Du müßt mir versprechen, es mir zu bringen, wenn eS auch einen Kampf kostet, willst Du?" " ' „Was iss es denn, mein Herz?" lächelte er. Und sie ruft feierlich: „Das Grohmütterchen für unser Kind, Liebster! Es hat ja sonst keins. Bitte, bitte, Versuchs doch! Wer soll mir denn helfen, unfern Jungen zu einem guten, starken und frommen Menschen zu erziehen^ wenn nicht sie? Sie wird nun' gewiß nicht mehr daran denken, fortzugehen. Sie ist'ja hier so nöthig! Siehst Du es denn nicht ein?" u Und er sah es ein. Er fuhr noch selbigen Tages - und holte die Mutier. Er bat sie recht innig in Else's und des Kleinen Namen. Und welches Großmutter- Herz vermöchte da zu widerstehen? : ' Der Ehrentag des ersten Enkels, der achte, der Tag der Beschneidung, er war ein Freudentag für die Großmutter. Da ging sie stolz am Arme des Vaters der jungen Frau, mit dem zusammen sie die ^Gevatterschaft" hatte. Dann saß sie still am- Bette der Schwiegertochter, die Hände der beiden Frauen, aber - guch die Herzen, hatten sich gefunden. Es gab ja; Niemanden ans der ganzen Welt, der das Glück der' jungen Mutier so zu begreifen, zu theilen vermochte, wie dieses Mutterherz, das zugleich das der Groß-. mutter war. Und die alte Frau verlebte noch manches glückliche, ungetrübte Jahr in ihres Sohnes Haus in Freude und Frömmigkeit. Es war nun in Wahrheit ihre Heimath geworoen. Ein Krauskopf nach dem andern hielt seinen Einzug in die Kinderstube, wo Großmütte»chen unumschränkt herrschte, und alle, alle hingen sie wie Kletten an des alten Frauchens Rock und schrieen und jauchzten: „Großmutterchen! Großmütterchen!" —j)reis Räthsel. 3 : 2 rr t 3 1 r n J n Die Buchstaben sind so zu setzen, daß die senkrechten u. wagrechlcu Reibe» Wörter ergeben, u zwar: 1 Eine schöne Frucht,; ' 2 Ein Berg in Palästina, * ’ ■ 3. Ein heftige- Gebühren, und 4. Ein Haudwerkzeug. f~-': gattbau, Raschkow.

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