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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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2S D«, l9»4.> onassrö mv Iflfe S!! '- voßmültevHen. Skizze von A. Weiser. lNachdruck verboten. Der Schnellzug brauste ohne Aufenthalt durch die Ebene. Nothglühende Lichter Huschten über den breiten Schicnensirang und an den Fenstern der Konpees flogen wie weiße, unheimliche Gestalten Helle Dampffetzen vorüber. Die Maschine fauchte und stöhnte. Nun ein langer, greller Pfiff. Etwas langsamer bewegte sich der lange Train über die eiserne Riesenbrücke, die den Strom überspannte. ... In einem behaglich durchwärmten Koupee zweiter Klaffe saßen nur zwei Paffagiere. Eine alte, zarte, kleine Frau und ein mittelgroßer, dunkelbärtiger Mann, beide dunkel gekleidet. Sie saßen ruhig beieinander, nur hin und wieder fiel Rede und Gegenrede, aber es war eine beinahe ehrfürchtige Zärtlichkeit, mit welcher der junge Mann bemüht war. es dem Frauchen behaglich und bequem zu machen. Sie standen einander sehr nahe, diese beiden Menschen, wenn es auch auf den ersten Blick nicht so erschien, denn das gleiche Blut rann durch beider Adern; sie waren Glieder einer Familie und eines Volkes. Der junge Mann mit dem Ausdruck der Intelligenz in den noch jugendlichen, frischen Zügen in städtischer, moderner Kleidung, das alte, kleine Frauchen,. dessen Gesicht über und über mit Runzeln und Sorgenfalten bedeckt und dessen mehr dörfliche Kleidung doch gut, wenn auch schlicht und einfach war, beide verriethen die jüdische Abstammung. Die. alte Frau trug über dem Scheitel eine Art Haubenhut, eine schwarz- " seidene, faltenreiche Mantille deckte das dunkle Gewand. Die kleinen, runzlichen Hände hielten krampfhaft ein Strohkörbchen umfaßt. Bei jedem Stoß, den der Wagen erhielt, fuhr sie ängstlich zusammen und spähte durch eine Ritze in das Innere des Korbes, welcher einige Dutzend ganz frische Eier enthielt, für die Schwiegertochter in der Stadt, wo es die doch nicht gab, hatte sie diese mühsam gesammelt. In Gedanken versunken saß sie auf den weichen Polstern, nicht oft im Leben war sie gereist. Sie wußte ganz genau, welche Reisen f: aus der Heimath fortgeführt , sie hatten immer eine ganz besondere Ursache gehabt. Sonst war sie aus dem heimathlichen Städtchen, in welchem sie mit ihrem seligen Manne gelebt selten herousgekommen. Sie hatten immer nur gearbeitet und gearbeitet, um das Leben zu fristen und darüber hinaus kleine Ersparnisse zu zu machen, weniger für sich, denn sie hatten nur geringe Bedürfnisse, als für den Jungen, der sollte^einmal etwas Besseres im Leben werden, es leichter^ im Leben haben. So dachten die beiden alten Leute. < Die ganze Woche hindurch arbeiteten sie unermüdlich. ^Rur wenn der Sabbat nahte, ruhte die Arbeit, das wapder Ruhe- und Freudentag, das war der Wunderbrunnen, aus dem sie neue Kraft und neuen Lebensmuts schöpften, der sie aus den Tiefen und Mühseligkeiten ihres Lebens zur lichten Höhe, zum höchsten und reinsten Genuß führte, an dem sie sich stärkten, körperlich Md seelisch, für die dann folgenden sechs arbeitsreichen, ^schweren Tage. Und sie halten es auch ermöglicht, titn Jungen in die nicht weit entfernte Großstadt zu schicken, wo eS

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