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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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2190 Köln^ 22. Dez. Es ist zwar im allgemeinen nicht Brauch, daß an dieser Stelle eines Mannes Erwähnung gethan wird. der erst das zwanzigste Lebensjahr erreicht hak Aber wenn irgend einer, so hat Sally Cassel s. A. es verdient, den man vergangenen pen: zur .Trap brachte. Die Fülle seiner geistigen und sittlichen Eigenschaften, die ihn scharf schieden von der Leichtlebigkeit unserer zeitgenössischen Jugend, die echt jüdische, bon wahrer Erkenntniß getragene Lebensanschauung, die die Triebfeder auch der kleinsten seiner Handlungen bildete, heben uns leicht hinweg über die sonst unvermeidliche Nothwendigkeit, unsere Betrachtungen auf das Leichenbegängnitz zu konzentriren. Bietet ja das so inhaltsreiche Leben des nunmehr im py p Weilenden einen solchen Reichthum von Lehren, daß wir in der Thal eine Schändung an der Makellosigkeit seines Charakters ausüben würden,. wollten wir jetzt unsere Gedanken auf dem Todesacker festnageln, statt die kostbaren Früchte seines Wirkens zu unserer Vervollkommnung in uns aufzunehmen. Aus ihn. ifci 2pp' Yrt ra totw konnte man in ’ herrlicher Weise den pwv anwenden: 2ivr •fyn bxicisr tot .OTOK DP D3 77 DP 03 „Der Knabe bmvV wurde immer größer und besser, sowohl im Verkehr mit Gott als mit den Menschen." Alles Leben läßt sich ganz eigentlich unter zwei Kategorien rubriziren, in den Umgang mit Gott und den mit der Menschheit, im Grunde genommen eins, denn der soziale Verkehr auf Erden trägt nur dann die Bürgschaft des Bestandes in sich, wenn er sich von dem Diktate des göttüchen Willens leiten läßt. Und das war ein idealer Zug, der xuv i^oxvv'mi markanter Deutlichkeit aus , seinem innersten Wesen Hervorschimmerte, daß er'die mit Anwendung großen Eifers gewonnenen umfangreichen Kenntnisse stets vor ihrer' Aufnahme in sein Geistesleben von der Brandfackel der. Thora-durchleuchten ließ. - Wohl mancher achtzigjährige Greiswird zu Grabe getragen und dürfte sich 'freuen,'wenn er gleich ihm. dem Jünglinge, vyr den Schopferthron geladen, aussprechen könnte: bp2 'vscm irr« b» w vb* „Ich habe auf die Stimme Gottes, meines Gottes, gehört, gethan, ganz so. wie du mich verpflichtet:" Denn er begnügte sich nicht damit, die Thora in Geist und Gesetz, in Herz und Gemüth, Eingang finden zu-lassen, neinl — Zweifler, die früher noch die Grundpfeiler der Thora auS ihren. Angeln? zu reißen suchten, haben sie heute, mlf seine nachhaltige Einwirkung hin, - -felsenfest in"den' Boden ihrer ,That. eingerammt,... ES würdr^ü-tveit-führen, auch nur annähernd zu scizziren,'in'welcher^ Weise'Sally-^Cässel s>A. bemüht ' war,' sich" den Äde! feinet Persönlichkeit' durch alle Lebenslagen zu erhalten. Mögen Mutter und Geschwisier in dem Bewußtsein einen wirklichen Trost finden, daß sie dem Schöpfer eine reine Seele zuruckgrhen konnten, die sich ausschließlich dem Gottesdienste geweiht hatte. Mögen die eiserne Konsequenz und dtze Opferfreudigkeit des Heimgegangenen, sowie seine Begeisterung für alles Unverfälschte, Gute, und Edle, eine Säule für uns darstellen, an der wir uns zur Gottesnähe emporarbeiten. . " " -:-^-'~s ■ - «k Berölzheim. 12. Dez. Durch den am Aufgang des hl. Chanukafestes, im Alter von 74 Jahren, erfolgten Heimgang des Herrn Leopold E n g e l s. A. von hier, hat mit dessen Familie auch Unsere Kultusg^ meinde einen herben, unersetzlichen Verlust erlitten. 'Die reine Gottesfurcht des Hingeschiedenen, sein gottgefälliges und menschenfreundliches Wirken verdienen es, daß man dem Namen des Verstorbenen auch im „Israelit" ein ehrendes Denkmal setzt. Mit seiner innigen und gewissenhaften Glaubenstreue zierten ihn besonders die schöne Tugend der Barmherzigkeit Tro yS vrw, „Die Dürftigen seien die Kinder deines Hauses -roa crä bz rirr *?2po Tn rrw b»» „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesichte". Diese Gebote der Nächstenliebe erfüllte er in der schönsten Weise. In diesem Sinne'und Geiste erzog er seine Kinder und wirkte in dieser Richtung vorbildlich in seiner Gemeinde. Welch hohes Maß der Liebe er allenthalben genoß, zeigte sich recht deutlich bei seiner Beerdigung. Von nah und fern waren eine . große Zahl von Freunden. Bekannten und Verwandten herbeigeeilt, um dem geliebten Toten den letzten Tribut ihrer Verehrung zu beweisen. Lehrer Rosenbaum von hier sprach vor dem Trauerhause. Auf dem Friedhofe zu Treuchtlingen hielten Sr. Ehrw. Herr Rabb. . Dr. C a h n aus Ansbach, Lehrer H e ß aus Treuchtlingen und namens der Verwandten Lehrer' Freuden b e r g e r. aus Reckendorf Trauerreden/ Sämmtliche Redner schilderten den'ehlen Charakter, die hohen Eigenschaften des Verstorbenen als Jude nnd Mensch. Möge er in den lichten Höhen den Lohn seines frommen und gerechten Lebenswandels ernten. rrssän vermischtes Berlin. Die freisinnige Dolkspartei des Reichstag» scheint sich entschlossen en haben, ihre Anfana Dezember beschlossene Pückler-Jntervellatio» falle» zu lassen. Das wäre auch nur verständig. Aus Spatzen schießt man nicht mit Kanonen Vom RieS. 20. Dez. Letzte Woche hat der letzte jüd. .Einwohner in PflaumloL diesen Ort verlassen und damit diese jüd. Gemeinde, welche vorher. 300 Seelen zählte, zu existiere» , aufgehört. Ein Sprötzling diescr Gemeinde. Kommerzienrath o. P f l a u m in Stuttgart. - hatdie Synaroge an^kauft. um sie als Denkmal zu erhalten: Da» . jüd.' Schulgebäude wirb die kath Schulgemeinde.-ankaufen. So endeten lnden letzten Jahrzehnten die einst blühenten Gemeinden Jeverchansen, Kappel, deuen . bald nöch andere folgen dürren. Stlefksye« tot Sxpeditto«. _ , H- F.: Ein jüdisches Restaurant ist uns dort utch bekannt. Llellelcht können Sie Privat IL^-Tisch «hatte» ■;is t f

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