Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1904)
- Date
- 1904-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f •:»?> j-*'* u- 2180: :Ui •;:: <*^* r- ' V; _* * r; . * », ■ . . . . . , , Der Handelsbeflissene erklärt slch mit dieser Anweisung aus die ferne Zukunft völlig einverstanden, ja er suhlt sich jetzt schon dadurch beglückt. Und so leben beide in Frieden und Freundschaft verbunden neben- und miteinander, sorgey und leben füreinander, jeder in seiner Sphäre und in seiner Weise wirkend. Dem bibelkundigen Leser braucht nicht erst lange gedeutet zu werden, wer die beiden Compagnons sind, von denen wir hier sprechen. Es sind die im Wochenabschnitte - genannten Söhne Jakobs Sebulun vnd I s a ch a r. In der Thora und Tradition wird uns der Stamm Sebulun als tüchtiges Handelsvolk geschildert, das mit dem Gelehrtenstamm Jsachar in einem oben näher beschriebenen Vertragsverhältnis stand. ...Jsachar und Sebu- Iun" ist demnach eine ebenso alte als ideale Firma. Biele Jahrhunderte hindurch bestand diese Firma zu Recht innerhalb Israels. Sie florirte und wuchs an Ansehen, und beide'Kontrahenten fuhren hierbei gut^ Im Laufe der Zeit hat man allerdings das Veriragsverhältuiß gelockert: Sebulun kam seinen Verpflichtungen an Jsachar nicht mehr nach, und letzterer mußte nicht nur äußerlich, sondern auch geistig verkümmern. Denn rrrji px ner> px ex. ohne „Brot" kann selbst der größte Gelehrte nicht fertig werden. Vielfach gab man auch der Meinung Ausdruck. Jsachar sei seiner idealen Aufgabe zu sehr entfremdet, sei zu weltlich geworden. Er schaue zu viel in die Geschäftsbücher des Sebulun hinein und verschwende Zeit und Kraft an Dinge, die ihn im Grunde genommen nichts angshen. Wir wollen hier nicht untersuchen, auf westen Seite der größere Fehler war. Sicher ist, daß Sebulun wie Jsachar Mißgriffe machten, die sich in der Folge schwer rächten. Die Compagnons verloren das gegenseitige Vertrauen, die Zuneigung zueinander, und es hatte nicht selten den Anschein, als wollte die alte Firma sich vollends auflosen,' erlöschen. Da fügten es Zeit und Umstände immer wieder, daß man sich des früheren Verhältnisses ‘ erinnerte, und Jsachar und Sebulun fanden sich und verstanden sich auf's Neue. Wenn wir die Firma eine ideale genannt, so soll das doch nicht in dem Sinne aufgefaßt werben, als ob die strenge Scheidung geistigen Schaffens einerseits und weltlichen Wirkens andererseits für höchst erstrebenswertst zu gellen habe! Das würde auf die Befürwort- : ung eines Kästin-Klassenwesens hinauslaufen, welchem . der Geist unserer heiligen Religion direkt entgegensteht. Im jüdischen Staats- und 'Volksleben soll es keinen '/.sogenannten' geistlichen und Laienstand geben, von. denen'Hsterer die Bildung und Frömmigkeit, letzterer ' 'das Inferiore und Weltliche pr'äsentiri. Wollte .doch ^'' die Thoradurch ihre'Mahnung »schärfe - 'fie deinen Kindern ein." jeden-jüdischen Vater zu einem Lehrer, jedes Kind zu einem Schüler, jedes Haus zu einer Schule machen! Sollte doch das Gesetz nemo opr nbnp sein, ein Erbgut für die ganze Jakobsgemeinde! Nicht eine geistige Aristokratie war das Ideal, sondern die allgemeine Volksbildung auf weitester und breitester Grundlage. Israel ist das Volk der „Volksschule" pur exeeUenee. An ihrer Pforte aber irangt in goldenen Lettern die bedeutsame Tendenz: ,.p« jn dp rmn -ra£n nw schön ist Gesetzesstudium in Verbindung mit weltlicher Bildung und Beschäftigung." Der Am Haarez sollte immer mehr schwinden aus unserer Mitte und jener ideale Zustand Wirklichkeit werden, den der Talmud (Berachot 4. b) mit den Worten zeichnet: ,ro»n mb o»a mm p xn an» rx-p irnpu asm meb fcn cm ,*np tirpb cx bbuw pdv „Kommt der Mensch vom Felde heim, ' so geht er in's Lehrhaus, forscht entweder in der schriftlichen oder mündlichen Lehre, je nach seinem Können, und betet hierauf." — Es sott hiernach jeder Jude das Wesen und die Lebensart eines Jsachar und Sebulun gleichzeitig in sich vereinen. Wie aber für die Auffassung der Thoravorschriften der Satz proklamirt ward, mns vvirn im die Schrift redet von den im Leben gewöhnlichen Verhältnissen, so trugen die Verfasser der Codices gleichfalls der lebendigen Praxis Rechnung, wenn sie (Sch. A. § 246> halachisch lehrten, daß einer ..für den Lebensunterhalt des andern sorgen könne mit der Bedingung, dafür von desten Thorastudium himmlischen Lohn erwarten zu dürfen." Ist dies auch, wie gesagt, nicht der idealste Zustand, so muß doch behauptet werden, daß es noch nie eine Zeit gab, in der jene Anweisung nicht von praktischer Bedeutung gewesen., Es. waren stets die Repräsentanten des Jsachar und Sebulun unter uns zu finden und zweifellos wird dies in unabsehbarer Zeit so sein. Soll es noch eines Nachweises bedürfen, daß auch in der Gegenwart der Lehr- und Nährstand innerhalb Israels aufeinander angewiesen sind? Die soziale Frage bewegt mächtig unsere Zeit, ihrer Wirkung können sich auch die innerjüdischen Verhältnisse nicht entziehen. Es werden Organisationen geschaffen. die man ihrer Art und ihrem Umfange nach in früheren Jahrzehnten nicht kannte, theils idealen Zielen, tbeils wirthschaftlich - Humanitären Zwecken dienend. Vereine und Verbände erstehen in dieser Hinsicht allenthalben und mit jedem Jahre. Da ist denn die Mahnung am Platze, daß Jsachar und Sebulun für und mit einander wirken, jeder auf seinem Posten. Die Werke Sebuluns können nur dann von wahrem Wertbe und dauerndem Bestände sein, wenn Jsachar ihnen. Geist und Leben einhaucht, sie mit seinen Ideen befruchtet. Und umgekehrt kann der um Besserung seiner materiellen Lage schwer ringende Lehrstand nur dann Ersprießliches leisten, wenn er der kräftigen Stütze und Hilfe des Sebulun sicher ist. auf daß nicht äußere Sorgen die Schaffensfreude stören und die ideale Schwungkraft lähmen. Es ist und bleibt die