Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1904)
- Date
- 1904-12-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Das P) jährige Bestehen der israel. Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Würzburg. Dem Nechenschafts-Verichi über die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, für das vierzigste Jahr ihres Bestehens, von Nathan Bamberger, Distrikts-Rabbiner und Vorstand der Anstalt, entnehmen wir: Bei der Abfassung des Berichtes über ein abgelaufenes Schuljahr sind es in der Regel gleichmäßige Gefühle und Gedanken, die den Veranstalter desselben hierbei beherrschen und beschäftigen. Derselbe ist nämlich bestrebt, die Leistungen der Schule im letzten Jahre Larzustellen, wobei er alles Einschlägige berührt, alle gemachten Erfahrungen verzeichnet und die der betreffenden Anstalt entgegengebrachte Hilfe dankend erwähnt. Zuweilen jedoch nimmt eine solche Berichterstattung einen ganz anderen Charakter an und bietet neben den allgemeinen Gesichtspunkten zur besonderer Betrachtung Veranlassung. Es ist dies der Fall, wenn mit dem beendigten Schuljahre ein Zeitraum abschließt, der bei aller Bescheidenheit zu einem gewissen stolzen Rückblick berechtigt, der bei aller Anspruchslosigkeit e'.ne besonders freudige Genugthuung bietet, der bei aller Vermeidung einer Ueberhebung, die Entwickelung der Anstalt seit ihrem Anbeginn darzustellen als eine Pflicht erachten läßt. In einer solchen Lage befindet sich die israelitische Lehrerbildungsanstalt. Mit dem abgelaufenen Schuljahre hat diese Anstalt das' vierzigste Jahr ihres Bestehens zurückgelegt, eine Zahl^. die. in der jüdisch?» Literatur und Schrift vielfacher Vertretung sich zu erfreuen hat. Ebenso wie das jüdische Volk sich während seines vierzigjährigen Wüstenzuges stets der besonderen göttlichenHnade zu erfreuen hatte, so haben auch wir vor allem-dem allliebenden himmlischen Vater zu danken für die unendliche Gnade und Huld, die er dieser Anstalt während der langen Reihe von Jahren hat angedeihen lassen. Aber ebenso wie Israel innerhalb dieser vierzigjährigen Reise vielfachen Anfeindungen ausgesetzt war, die aber alle spurlos an ih?n vorüber gingen, so ist auch unsere Anstalt von unliebsamen Begegnungen, von mancher Anfeindung nicht verschont geblieben;.aber auch hier trat unter himmlischem Beistand stets die Wahrheit siegend hervor und vermochten jene nichts gegen die Entwickelung und Wirksamkeit der Anstalt. Ein Rückblick auf die abgelaufenen vierzig Jahre ergibt Folgendes: Unterm 7. Juli 1859 erließ die H. Kgl. Regierung von Unterfranken und Aschasfenburg an die Rabbiner des Kreises eine Entschließung, in welcher der Mangel an entsprechend befähigten Schuldienstexspektanten dargelegt wurde, die nachtheiligen Folgen hiervon als höchst bedauerliche für die Gegenwart und spätere Generationen bezeichnet, endlich die Rabbiner zur Erstattung eines Gutachtens aufgefordert wurden, über die Mittel, welche in dieser Richtung mit Erfolg zu ergreifen wären, sich zu äußern. Unser großer unvergeßlicher sel. Lehrer, Herr Distriktsrabbiner S. B. Bamberger in Gemeinschaft mit feinen verehrten Gesinnungsgenossen erkannten die hohe Bedeutung dieser Anregung und fanden es für sachdienlich. diese Angelegenheit einer gemeinsamen, eingehenden Behandlung zu unterziehen. Nach sorgfältiger Erwägung der bestehenden Verhältnisse, nach genauer Prüfung der unhaltbaren Zustände kamen sie zu der Ueberzeugung, daß dem herrschenden Mangel an geeignet ausgebildeten Lehrern nur dadurch abgeholfest werden kann, wenn eine in organischer Gliederung geordnete. thatkräftig wirkende Anstalt gegründet werde, in welcher Lehrer ausgebildet werden sollen, die in den Religionslehrgegenständen ausreichende Kenntnisse besitzen, und nicht minder.in den übrigen Lehrgegen- .ständen den Anforderungen gleich den Kgl. Seminarien ganz und voll genügen. Ferner, daß mit der Anstalt ein Internat verbunden sei. Die Kosten sollten soweit als thunlich durch freiwillige Beiträge edler Menschenfreunde aufgebracht werden» In diesem Sinne wurde eine gemeinschaftliche Vorstellung der Rabbiner der H. Kgl. Negierung unterbreitet. Von der H. Stelle wurde die Eingabe dem Allerh. Staatsministerium für Kirche- und Schulangelegenheiten in Vorlage gebracht. Unter dem 4. Dezember 1860 erfolgte durch.hje .H. Kgl. Regierung die Genehmigung des Allerh. Staatsministeriums zur Gründung der Anstalt. Nachdem nun die weiteren einleitenden Schritte durch Vorlage der Statuten, der Haus- und Lehrordnung etc. ausgeführt waren, und auch diese die Allerh. Bestätigung erhalten hatten, erließ die H. Kgl. Regierung im Kreisamtsblatt vom Jahre 1864 Nr. 152 eine Entschließung, in welcher die Gründung der Anstalt bekannt gegeben, der sel. Distriktsrabbiner S. B. Bamberger als Vorstand ernannt, zum Besuch derselben c-usgefordert und den Glaubensgenossen behufs reichlicher Unterstützung zur Erhaltung der Anstalt diese warm empfohlen wurde. Im Novemebr 1864 wurde die Anstalt mit einem Dorbereitungs- und dem ersten Seminarkurs von je sechs Schülern eröffnet, dem sich im zweiten Jahre der zweite Seminarkurs anschlost. Es wirkten drei ständige Lehrer und drei Fachlehrer an derselben. Am Ende jenes Jahres bestanden die ersten sechs Zöglinge