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Der Israelit · 1904-11-17 · Heft 91 (17.11.1904) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 91 (17.11.1904)
Date
1904-11-17
Page
– (sequence 27)
Language
German
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wo der Jude ehemals geschätzt und beliebt war, wurde er fortan blutig verfolgt, und entsetzliche, allem menschlichen Gefühle Hohn sprechende Ereignisse spielten sich ab. Der Kosakenaufstand unter Chmolnicka und die entsetzlichen Metzeleien der zügellosen Polenbanden unter dem grausamen General Czerancki während des polnisch-schwedischen Krieges, forderten unzählige jüdische Opfer und beschworen Jammer und Elend. Noth und Tod aller Orten herauf. Bei alledem bietet die Lektüre dieses Heftes auch einen angenehmen Lichtblick. Wir lernen vorher einen Mann kennen, auf den die Judenschast Polens stolz sein kann. Saul Wahl, genannt Juditsch, dessen auch Bernstein in seinem Buche „Mendel Gibbor" gedenkt, genoß ein derartig großes Vertrauen bei den polnischen Machthabern, daß diese ihn, nach einer alten Legende, für einen Tag zum Könige von Polen erwählten. Wahrlich, eine reiche Fülle interessanter Thatsachen bietet dieses IV. Heft, das wir ganz besonders unseren geschätzten Lesern empfehlen wollen. H—r. Der alte Prager Jndcnfriedhofl Ein europäisches Unikum! so lautet das einmiithiac Uribeil auch der erfahrensten und weitgereisten Touristen, welche auf ihren Kreuz- und Querzügen durch Europa, inmitten des Prager Ghettos den altehrwürdigen Boden dieses Friedhofes betreten. Und wirklich, — wie ein Stück Orient, wie ein Stück längstvergangener Welten wirkt dieser seltsame Ort inmitten des Lärmes der modernen Stadt. Es ist dies aber nicht nur ein ganz außergewöhnliches, in seiner Art einziges Denkmal von allgemeinem kulturellem und historischem Werthe, sondern diese Stätte hat namentlich für den gebildeten Israeliten besonders großes Interesse. Wem es je vergönnt war, auf diesem alterthümlichen Todtenfelde, namentlich im Mai zu verweilen. — wenn der ganze Friedhof grünt und blüht, wenn das dichte Laub und die weißen Blüthen der Fliedersträucher, die gleich Greisen sich neigenden und sinkenden Steine umhüllen. — der wird sich eines nachhaltigen tiefen Eindruckes nicht erwehren können und Zeit seines Lebens verbleibt ihm die eigenartige Erinnerung an sein Verweilen in diesem poetischen , ergreifend stimmungsvollen Todtengarten. Gott sei es geklagt, daß die „Moderne Affanation der Stadt" auch auf dieses unersetzliche iheuere Denkmal - ihre vernichtende Thätigkeit ausdehnte. Ein ganz ansehnliches Stück dieses uralten Begräbnißortes fiel der modernen Umgestaltungssucht zum Opfer. Dieser unersetzliche Schaden wird zum Glück wenigstens theilweise gemildert durch Herausgabe einer künstlerischen Publikation über diesen Friedhof, welche in eleganter, reich mit Bildern ausgestatteter Form eben im Kunstverlag B. Koci in Prag erschienen ist und den ganzen Friedhof in seiner ursprüngliche» unverkürzten Schönheit wiedergibt, so wie er war, bevor die neuzeitige Stadtregulation an seine Mauern klopfte. So wie der Friedhof selbst ein Unikum ist, so gilt dasselbe in unvermindertem Maaße auch von diesem schönen Buche. Das Werk ist von Dr. L. Jerübek (übersetzt von A. Major und Dor. Sp. Wnkadinovic) und reprasentirt sich in seiner einfachen, aber ebenso vornehmen Ausstattung höchst vortheilhaft. Der peinlich saubere Druck auf feinem Büttenpapier in schöner klarer Antiqua macht der k. u. k. Hofbuchdruckerei A. Haase alle Ehre. Das Buch wird ««geleitet durch die Aquarellreproduktion einer Studie von D. Jans«, die wir schon aus dem Werke „Alt Prag" desselben Künstlers kennen. Außerdem zieren 22 graphisch hervorragend ausgeführte Tafeln, die bedeutendsten Grabmäler darstellend, die 47 großformatische Seiten starke Monographie. Diese Darstellungen, die doch alle daS gleiche Motiv wiedergeben, die hohen flachen Grabsteine sind febr verständig ausgewählt und überraschen durch die Verschiedenheit in der Gleichartigkeit. ES sind neben einigen Gesammtanstchten und Totalansichten die bedeutendsten unter den zahllosen Steine» im Bilde wiedergeaeben, namentlich die Grabsteine deS gefeierten Gelehrten Rabbi Bezalel Löw. ferner des großen Bibliophilen Rabbi David Oppenheim etc. etc. Textlich iss das Buch ausgezeichnet. Die Darstellungen Jernbek's sind stimmungsvoll und wissenschaftlich bedeutend. Ein reichhaltiges, zuverlässiges Quellenmaierial hat ihm zu Gebote gestanden, so daß ln diesen 47 Seiten ein interessantes Stück hebräischer Geschichte niedergelegt ist. Die Fußnoten von Dr. Pollak sind werthvolle Ergänzungen. Der Preis dieser originellen Publikation, die wir der Aufmerksamkeit unserer Leser warmssens empfehlen, ist 5 Kr. ----- 4.25 Mk. M. Grnnwald. Hamburgs deutscheJuden bis zur Auflösung der Dreigemeind e n 1811. Hamburg 1004. Alfred Ianssen. Die Geschichte der sremdgläubigen Gemeinden in Hamburg zeigt seit der Reformation ziemlich einen übereinstimmenden Charakterzug; die Bürgerschaft und die Geistlichkeit sind im hohen Grade unduldsam, während der Senat zu vermitteln und Ausschreitungen gegen die Fremdgläubigen zu verhindern sucht. Dadurch wurden Katholiken. Reformirte, Menoniten und Juden gezwungen, sich in Altona niederzulassen, wo sie unter dem allerdings nicht immer selbstlosen Schutz der dänischen Könige freundliche Aufnahme fanden. Bezeichnend für Hamburg ist die Thatsache, daß in Hamburg, lange, ehe ein deutscher Jude zugelaffen wurde, eine fremdländische Judengemeinde entstand und sich erst unter deren Schirm und Schutz entwickeln

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