Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1946 Das gewaltsam» Niederwerfen des Thieres erfolge mit solcher Heftigkeit, daß die Verursachung von Schmerzen nicht zu vermeiden sei. Nach Durchschneidung des Halses bleibe, das Thier'noch durch mehrere Minuten bei Bewußtsein. Der Referent gibt jedoch zu. daß auch eine Reihe wissenschaftlicher Gutachten vorliege, welche die Schlachtmethode des Schächtens günstig beurtheilen. Was die religiöse Seite der Frage anlangt, müsse rückhaltlos zugestanden werden, daß der Einführung der Schächtmethode der Gedanke zu Grunde lag. den Thieren womöglich Schmerzen zu ersparen. Allein diese Methode stamme aus einer Zeit, wo die neuen Schlachtmethoden und die Anwendung von Schlachtmasken noch nicht bekannt war. Der Bericht kommt schließlich zur Ansicht, daß die Erlassung eines Verbotes der Schächtung der Thiere nur willkommen zn heißen wäre. Der Landesausschuß des Landtages, welcher sich mit diesem Berichte zu beschäftigen hatte, stellt folgende Anträge: „1. Die k. k. Regierung wird ersucht, bezüglich der Ausführung des Schächtens bezw. beziiglich Ausführung von gewerblichen Schlachtungen ohne vorherige Betäubung des Thieres ein Verbot zu erlassen. 2. Der niederösterreichische Landesausschuß wirv beauftragt, über das Resultat der diesbezüglich mit der Negierung zu pflegenden Unterhandlungen dem Landtage in der nächsten Session Bericht zu erstatten." DaS Memorandum der ungarische« Orthodoxie gegen daneue Schulgesetz. B u d a P e ft. Der ungarische Kultusminister hat dem Abgeordnetenhaus» einen Gesetzentwurf bezüglich des Volksschulunterrichtes eingereicht, dessen einzelne Bestimmungen geeignet sind, die ungarische Orthodoxie mit der lebhaftesten Besorgniß zu erfüllen. Der Paragraph 7 der Regierungsvorlage besagt nämlich, daß sämmtliche Reliaionsschulen als Winkelschulen zu betrachten seien, die nicht unter der Aufsicht der betreffenden Kultusgemeinden stehen, die keine zu diesem Zwecke eingerichteten Lokalitäten besitzen, deren Lehrer keine ungarischen Staatsbürger sind und in welchen außer dem Religionsunterrichte, zu welchem außer der Unterrichtszeit der öffentlichen Volksschulen täglich höchstens zwei Stunden verwendet werden können, auch weltliche Gegenstände unterrichtet werden. Die separate Religionsschnle können Kinder unter acht Jahren überhaupt nicht besuchen. In den Talmud-Thora- Schulen kann daher der Unterricht täglich nur während zwei Stunden erfolgen und ein Kind kann bis zu einem Alter von acht Jahren die Talmud-Thora überhaupt nicht besuchen. Gegen diese Bestimmungen protestirt nun die ungarische orthodoxe Judenschaft und wendet üch mit einem Memorandum jan das Abgeordnetenhaus. In dem Memorandum wird ausgeführt, daß der jüdische Religionsunterricht vollständig unfruchtbar bleiben müsse, wenn demselben nur zwei Stunden gewidmet werden dürfen^ Ferner wird be» tont, daß es viel zu spät sei, daß das jüdische Kind erst nach zurückgelegtem achten Lebensjahre.'mit dem jüdischen Unterrichte beginne. Wenn der Jude bis zu seinem achten Lebensjahre daran verhindert sein soll, das Gebet im Original zu erlernen oder wenn er darauf beschränkt wird, täglich blos zwei Stunden Religionsunterricht zu erhalten, so bedeutet dies einen schweren Gewissenszwang, eine Verletzung der gesetzlich garantirten freien Ausübung feiner Religion. Das Memorandum spricht die Hoffnung aus. daß das Parlament diese für das jüdische Leben hemmenden Bestimmungen des Gesetzentwurfes streichen werde. Das Memorandum ist unterfertigt von der provisorischen Leitung der Durchführungskommission und von zwei Beamten der orthodoxen Kanzlei. Ablehnung. Budapest. *lo. Nov. In Nr. 87 Ihres gesck)ätzten Blattes wurde berichtet, daß Herr Adolf Frankl- Budapest als Präftdent und Führer der ungarischen Orthodoxie designirt sei. Wie ich Ihnen aus ganz bestimmter Quelle mittheilen kann, wird Herr Frankl auch diesmal die Stelle nicht annehmen. (Wir erhalten diese kurze Mittheilung aus unbedingt verläßlicher Quelle und fügen nur hinzu, daß diese Entschließung des Herrn Frankl im Interesse des gesetzestreuen Judenthums sehr zu bedauern ist. Es ist zu bedauern, daß ein so hervorragender Mann, wie Adolf Franll, mit seinen großen Fähigkeiten nicht an leitender Stelle für die Erstarkung der heiligen Sache- Israels wirken kann. ' Red. des „Jsr.") General Ottolenghi. Turin. Wie bereits mitgetheilt, ist der gewesene Kriegsminister, General Ottolenghi, Kommandant des ersten Korps, gestorben. General Giuseppe Ottolenghi stammte aus einer alten, angesehenen jüdischen Familie Italiens sind war einer .der hervorragendsten Generale rznd Strategen seines Landes. Am 11. April 1859 trat er, 20 Jahre alt. als Freiwilliger in die Militärakademie zu Turin ein. drei Monate später, nach mit Auszeichnung abgelegtem Offiziersexamen, empfing er die Epauletten als Leutnant, nach weiteren 15 Monaten-wurde er Oberleutnant, machte die Feldzüge in den Jahren 1859 und 1861/62 mit, während dieser Kriegsepoche» avancirte er von Stufe zu Stufe und im Jahre 1865 ward er bereits zum Oberst befördert. Im Jahre 1866 gehörte Oberst Ottolenghi dem Llai8ou militaire dB Königs Viktor Emanuel an, der ihm bei Custozza eigenhändig, den savoy'schen Hausorden für militärische Verdienste, überreichte. Im Jahre 1878 war er Mitglied der mftr.