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Der Israelit · 1904-11-17 · Heft 91 (17.11.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 91 (17.11.1904)
Date
1904-11-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45* Jahrgang. ÄKAL zu M 91 des <4 8mi» m ÄhiW -kl rdifliüfen Snttrcfftn ild Utchms in Ufr $roDinj Vestfalf!. Gelsenkirchen, 15. November. Seit unserem letzten Berichte über unsere Thätigkeit sind zwei Jahre verflossen, zwei Jahre reger, erfolgreicher Wirksamkeit unserer Vereinigung in Westfalens Gauen. Mit freudiger Genugthuung blicken wir auf die vergangene Periode zurück, die uns um ein gutes Stück dem Ziele und den Idealen unserer Sache näher gebracht hat. Rüstig geht der Ausbau unseres Vereines Dank des Interesses unserer Gemeinden, der Herren Lehrer und unserer zahlreichen Mitglieder innerhalb und außerhalb unserer Provinz vorwärts. — Es sei uns gestattet, an dieser Stelle vor Allem der hohen Königlichen Regierung für das wohlwellende und ihätige Interesse, das in der Religionsunterrichtsfrage, wie in allen religiösen Angelegenheiten unser Führer, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M a r x - Recklinghausen, stets fand, unseren ehrerbietigsten und wärmsten Dank auszusprechen. Während der nun zweiundeinhalbjährigen Amtsveriode unseres Rabbinen haben sich unserem Verein 15 Gemeinden angeschlossen, so daß nunmehr der Rabbinatsbezirl 40 Gemeinden umfaßt. Wir legen Werth daraus zu betonen, daß wir uzrser Augenmerk vorzüglich auf die mittleren und kleinen Gemeinden richteten, denen ja in erster Linie unsere Förderung zu Gute kommen soll. Angesichts des Zuges der Bevölkerung nach den größeren Städten hat es sich als unerläßlich erwiesen, gerade diesen Gemeinden, die durch den Wegzug wohlhabender Mitglieder am »reisten in dem Bestand ihrer Institutionen leiden. Stütze zu sein. Die breiteste Basis unserer Thätigkeit nahm die Einrichtung des Religionsunterrichtes an vielen Plätzen ein. Wie bedeutsam und dringend nöthig hier unser Eingreifen war, erhärtet n. A. die Thatsache, daß wir an zehn kleineren Gemeinden den seit Jahrzehnten völlig fehlenden Religionsunterricht erst einführen und einrichten mußten. 'Wir sind uns dessen bewußt, daß durch die Pflege des Religionsunterrichtes der Heranwachsenden Jugend die beste und nothwendiaste Stühe von uns gegeben wird gegenüber destruktiven Welt- und Lebensansichten, gegenüber den sittlichen Gefahren, die ein Untergraben des religiösethischen und staatlichen Seins im Gefolge haben. Durch den Fonds religiösen Wissens verleihen wir unserer Jugend Ideale, an denen sie sich hinaufrankt, durch die Kenntnisse der Lehren und Geschichte unserer Religion den Muth und die Kraft der Ueverzeugung die nicht wankt, wenn man zu rütteln wagt an den Säulen heiliger Gottesgesetze und Tradition. Don dieser Erkenntniß ausgehend haben wir bisher mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln die Einführung des Religionsunterrichtes erstrebt, werden wir dieser Seite unserer Thätigkeit unsere besondere Fürsorge weiterhin zu Theil werden lassen. Wir sind gerne bereit, jeder Gemeinde mit Rath und That zur Seite zu stehen. Hand in Hand mit der Lösung dieser Frage geht die der besseren Stellung der Erzieher unserer Jugend, der Lehrer. Die in jüngster Zeit verschiedentlich ausgesprochene Befürchtung, daß durch den Anschluß der Gemeinden an Rabbinate die Einkünfte und Kasualien der Lehrer Einbuße erleideir könnten, haben sich bei uyS als durchaus grundlos erwiesen. Es wird stets unseres Führers und unser Bestreben bleiben, die dem Lehrer kraft seiner hohen Aufgaben innerhalb seiner Gemeinde gebührende Stellung zu stützen-und zu heben.. — Die so berechtigten Forderungen einer materiellen Besserstellung und dauernden Anstellung versuchten wir dadurch zu ermöglichen, daß wir an die mittleren Gemeinden die kleinen für den Religionsunterricht angliederten. Auf diese Weise sind die Gemeinden in der Lage, einen von den materiellen Sorgen freien, ganz den Idealen seiner heiligen Aufgaben leben könnenden und wirkenden Lehrerstand zu haben. — An zwei Gemeindebezirken haben wir Wanderlehrerstellen eingesührt, um den Gemeinden in den rapid sich entwickelnden Jndustriegegenden sofort Religionsunterricht zu verschaffen. An mehreren Orten haben auf unsere Vermittlung hin staatliche Behörden Unterstützung für denselben gewährt, an anderer Stelle Kommunen die Kosten vollkommen übernommen. In einem Falle ist die Umwandlung einer isr. Privatschule in eine öffentliche Sozietätsschule unserem Anträge gemäß von statten gegangen. Vielfach war es uns möglich, den Gemeinden materielle Forderung für 'Religionsunterricht, Neubauten und die einzelnen relig. Institutionen (Schechitah u. a.) zu gewähren, indem uns dabei größere Vereinigungen außerhalb Westfalens thatkräftig zur Seite standen. „Inniger Dank sei diesen — ganz besonders aber unseren unermüdlichen süddeutschen Freunden — hiermit ausgesprochen.* Nicht von gleichem Erfolge waren unsere Bestrebungen für die Schaffung neuer, ritueller Spekfehäuser — zur Zeit befinden sich zwei Restaurationen unter Rabbinatsaussicht — begleitet. Es stehen in unserer Provinz große Schwierigkeiten im Wege und nur schwere materielle Opfer können für den Bestand derselben bürgen. Wir hoffen und erwarten, daß unsere

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