Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1941 niß mit Rüben zu entkommen, und wie schwer war das Unternehmen auszuführen. Die kleinen Fenster der Zelle toaren mit starken Eisenstäben vergittert, die Thüre fest verschlossen, wo blieb ihnen da ein Weg zur Flucht? ' Longe zermartete sie ihr Gehirn mit diesen Erwägungen, da kam ihr plötzlich ein Gedanke. Sollre es nicht leichter sein, von dem Schlosse aus, das weniger streng bewacht war als das Gefängniß, zu entkommen; aber wie sollte sie Rüben in das Schloß bringen? Da heiterten sich mit einem Male ihre Züge auf. sie schien den rechten Weg gefunden zu haben; mit einem Satze sprang sie. auf und verließ die Zelle; die Thüre hatte der Aufseher offen gelassen. Eiligen Schritte verließ sie das Gefängniß, und immer weiter ging es in der Dunkelheit — die Nacht war, während sie bei Nuben war, hereingsbrochen — bis nach dem Schlosse; verwundert blickten ihr alle, die ihr begegneten, nach, doch sie sah und hörte nichts in ihrem Laufe, bis sie endlich athemlos am Eingänge des Palastes ankam. Die Thoren waren bereits verschlossen, es mußte also schon sehr spät am Abend sein, und mit aller Kraft schlug sie gegen die hohe Holzpforte, daß es dumpf wiederhallte. Wenige Minuten vergingen bis die Thür von innen aufgeschlossen wurde. Der alte Diener des Grafen war es mit einer Lampe in der Hand. Erstaunt betrachtete er den späten Eindringling und fragte mürrisch nach ihrem Begehr. „Laßt mich zum Grafen." bat sie athemlos, „ich muß ihn sprechen unter allen Umständen, meldet mich bei ihm!" „Zum Grafen kann ich Euch jetzt unmöglich führen, er ist mit Freunden beim Mahle. Was könnt Ihr auch jetzt von ihm wollen? ich glaube, es hat bis morgen Zeit. „Ich rathe Euch, jetzt auf Euer Zimmer zu gehen, aber wenn Ihr vorziehet, die Nacht im Gefängniß bei dem halbtoten Juden zu verbringen, so habe ich auch nichts dagegen." XllC* Lauge besann sich Mirjam, ob sie zu Rüben zurückkehren oder im Schlosse bleiben sollte;, nach langem Ueberlegen entschloß sie sich zu dem Letzteren, denn vielleicht,,dachte sie, könnte sie doch noch zu dem Grafen gelangen, um ihm ihre Bitte, den Kranken in das Schloß zu bringen, vorzubringen. Der alte Diener ging voran; langsam folgte sie ihm die breite Treppe hinauf. Ein wilder Lärm drang ihnen da aus dem einen der Gemächer entgegen, hier war der Graf mit seinen Freunden beim Dechern. Nur verworrene Worte waren zu vernehmen, da glaubte Mirjam mit einem Male ihren Namen aus dem Stimmenwirrwarr herauszuhören. . . Sie lauschte gespannt an der Thür. Richtig, da hörte sie wieder ihren Namen nennen, es war kein Zweifel, von ihr war die . Rede. . „Jetzt wollen wir einmal Dein Bräutchen hochleben lassen, Gersdorf!" hörte sie eine Stimme sprechen. „Gut, Freund," antwortete der Graf, „Sie lebe! hoch!". „Hoch, hoch, hoch!" tönte es im Kreise. Klirrend wurden die Becher an einander gestoßen. „Wo ist sie denn eben?" hörte sie wieder eine Stimme fragen. Der Graf antwortete nicht, er wagte es scheinbar nicht zu sagen, daß er sie in das Gefängniß gelassen hatte. Wieder wurde dieselbe Frage an ihn gerichtet und der Graf mußte sich wohl oder übel dazu bequemen, die gewünschte Antwort zu geben. „Sie hat sich die ganz besondere Gnade bei mir allserbeten, ihren Freund im Gefängniß pflegen zu dürfen, ich konnte es ihr nicht abschlagen," sagte ec zögernd. Ein lnieherndes Gelächter der Zechenden tvar die Antwort. doch nach und nach beruhigten sich die Trinker wieder, und einer derselben rief: „Höre Gersdorf. Du scheinst ja schon schwer Unter dem Pantoffel zu schmachten, noch bevor Du verheirathet bist! Jetzt zeige einmal, daß auch Dein Wort gilt, lasse sie jetzt einmal hier in unsere Gesellschaft kommen! ich möchte sehen, ob sie Dir folgt." „Es käme ja auf den Versuch an." antwortete der Graf gereizt. „Ich will sofort nach denc Gefängniß gehen und sie holen, wer mit will, der komme." Dieser Vorschlag wurde mit lautem Bravorufen ausgenommen, die ganze Gesellschaft sprang begeistert ans. der Graf voran und eilten nach der Thür. Die Thür wurde mit einem starken Ruck geöffnet, und wie vom Blitze getroffen prallte der Graf zurück, als er Mirjam, bleich wie eine Leiche, vor der Thür stehen sab. Kauin eines Wortes mächtig frug er sie, tvas sie noch so spät wolle. Da tönten vlöhlich dumpfe Schläge durch das Hans, erstaunt flogen alle die Treppe hinunter, um zu sehen, was es gebe. Immer stärker, wurden die Schläge. es mußten Aexte sein, mit denen dieselben geführt »ourden. Das Dunkel der Nacht wurde mit e.inem Male durch eine hellaufleuchtende Flamme, gelichtet. Mt Schnecken erkannte es der Graf, die Gebäüde seines Gutes standen in bellen Flammen. - Aber noch wußte er nicht, zoas das Ganze zu bedeuten hatte, da wurde eS ihm plötzlich zur; schrecklichen Gewißheit, der alte Dienen kam die Treppe herunter und rief: . ,**;;; .,11m des Himmels Willen, Hert/1 rettet Euch, rettet Euch alle, die aufrührerischen Bauern sindda, seht wie die Scheunen, wie -ll^ Lebäudt,^ schon' M .Flammen stehen!". c /