Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Grund der Demission der obgenannten Herren sind verschiedene Versionen im Umlaufe. Nach einer Version — und diese bezieht sich hauptsächlich auf Herrn Bettelheim — soll dieser, der, wie erwähnt, ein Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei, Oberrabbiners Leopold Lipfchitz, ist. seinem Schwiegervater zu Liebe, der ein Gegner des politischen Zionismus war. sein Mandat niedergelegt haben. Viel plausibler erscheint die andere Version, daß nämlich diele Demission als Antwort auf die in den offiziellen Organen «Welt- und «Jüdische Rundschauin letzterer Zeit gegen den Misrachi und die ungarischen Orthodoxen im allgemeinen in jüngster Zeit geführten Kampf aufzufassen sei. Ausgrabungen its Palästina. Die Ausgrabungen des Wiener Professors Dr. Ernst Sellin auf dem Hügel Taannk in Nordpalästina sind nunmehr definitiv abgeschlossen. Auch die diesjährige Expedition war von ausgezeichnetem Erfolg begleitet. Vor allem bestätigte sich die Vermuthung Prof. Sellin's. daß in der dort von ihm im vorigen Jahre aufgefnndenen Burg des kanaanitischen Königs Jschtarwaschur noch weitere keilinschriftliche Tafeln zu finden sein müßten. Thatsächlich entdeckte er in dem Schutt eines Zimmers drei neue Tafeln und kleine Fragmente von fünf weiteren, so daß in Verbindung mit den im vorigen Jahre gefundenen vier Tafeln das Archiv des genannten Königs die relativ stattliche Anzahl von zwölf Tafeln enthielt. Um den Werth des Fundes anschaulich zu machen, sei daran erinnert, daß die Engländer bei ihren sonst so erfolgreichen Ausgrabungen in Palästina nur eine einzige solche Tafel gefunden haben. Die diesmal in Taanuk ausgegrabenen Tabletten wurden von Dr. Friedrich Hrozny sofort an Ort und Stelle entziffert und ergaben, daß zwei derselben Briefe des Königs von Megiddo an den von Taanach waren, der jenem offenbar untergeben war; die dritte war eine Liste, wahrscheinlich von Kriegern. Die ganze Burg des Jschtarwaschur wurde nunmehr bloßgelegt und zeigte Grabeshöhlen in engster Verbindung mit Mohnräumen. Innerhalb dieser lag eine besondere Stätte für Opfer, die den Abgeschiedenen dargebracht wurden, denn von ihr aus führte eine steinerne Stiege direkt in die Gräber hinein. Auch das bei der Erbauung der Burg eingemauerte menschliche Bauopfer wurde entdeckt. Von sonstigen Funden, die bei der diesmaligen Expedition gemacht wurden, und die im übrigen, wie gewöhnlich, in Waffen. Werkzeugen, Vasen, Lampen, Skarabäen und Siegeln bestanden, seien speziell genannt: eine bronzene Astarte von einem bis jetzt unbekannten Typus — eigenartige Krone, dicker Halsring. Schuhe mit auffallend hohen Absätzen, der Körper von einem zarten Schleier umflossen — und ein prachtvoller Schmuck eines kanaanitischen WeibeS, zumeist aus Gold gefertigt. Die Frau war, wie es schien, mit ihren fünf Kindern, die daneben lagen, bei. einer Katastrophe in ihrem Hause umgekommen. Besonders erfreulich ist. daß es Professor Sellin gelungen ist, einen türkischen Großgrundbesitzer zu bestimme», ihm einen neuen, sehr wichtigen Ruinenhiigel für etwaige künftige Ausgrabungen zu überlassen. Einem Briefe Dr. Hrozny's aus Taanak, vom 3. September entnimmt die „Neue Freie Pressenoch folgende Angaben: „Prof. Sellin hat gleich am zweiten Tage seiner Ausgrabungen einen Keilschriftbrief gefunden; bald barauf wurden weitere Texte entdeckt: ein größerer, leider stark lädierter Brief, eine große Liste und fünf kleinere Bruchstücke, von denen drei Briefe und die übrigen zwei Listen . sind. Der erste Brief, der fast intakt ist, ist besonders wichtig. Der Absender, Amanchasir, fordert von Jschtarwafchnr, dem Fürsten von Taanak. die Ablieferung des Tributs nach Megidvo. Ueber die übrigen Stücke mochte ich mich noch nicht aussprechen, da ich hier ohne alle Hülfsmittel arbeite; sie sind aber insofern van Wichtigkeit, als durch sie die Existenz einer größeren Bibliothek in Taanak erwiesen wird. Abgesehen von dem Tafelfunde, der doch ganz eigenartig dasteht, wurden von Professor Sellin selbstverständlich noch viele Scherben. Statuetten, Geräthe. Skarabäen, Schmuckgegenstande etc. gefunden. Besonders interessant ist ein vollständiger Goldschmuck, der bei einer Leiche gefunden wurde. Alles in Allem kann wnhl die Expedition als im höchsten Grade erfolgreich bezeichnet werden.- §T * tt 111 t t a m trjam. Historische Lrzähluttg ans dem 16.Jahrhundert, von xlvkstuv Slevn. l» Wieder beugte sie sich zärtlich über ihn. ihm zuflüflernd: «.Hier bin ich ja. Mirjam. Deine Braut, kennst Du mich denn nicht?- Da ging ein verklärter Zug über sein Antlitz und mit einem lauten Jubelruf umschlang, er sie mit beiden Armen und zog sie zu sich nieder. Lange verharrten sie in dieser Stellung. Endlich machte sich Mirjam sanft aus seiner Umarmung loS; er war wieder eingcschlafen, aber seine tiefen, regelmäßigen Athemzüge verkündeten, daß er der größten Gefahr glücklich entronnen sei. Erleichtert athmete sie auf. doch bald verfiel sie wieder ia tiefes Nachdenken, als sie daran dachte, was weiter geschehen sollte. Wie leicht hatte sie sich es ausgemalt. hier aus dem Gefäng-