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Der Israelit · 1904-11-10 · Heft 89 (10.11.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 89 (10.11.1904)
Date
1904-11-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1900 feie Lehret bestehe» keine Grenzpfähle, gemeinschaftliche Interessen verbinden alle, die den hohen Beruf haben, unsere'Jugend zu guten Staatsbürgern und gesetzesrreuen Juden zu erziehen. Im Verein mit wackeren Kollegen erstarke das Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Einsicht für das, was uns noth thue, werde gefördert. In diesem Sinne wünsche er den Berathungen den schönsten Erfolg. Der Vorsitzende dankte den Rednern für ihre freundlichen Begrüßungsworte und Wünsche und hob dann hervor, daß über die Bedeutung von Versammlungen für Berufsstände, wie für die Allgemeinheit, längst kein Zweifel mehr besiehe. Für den Lehrerstand seien sie eine Nothwendigkeit. Sie feien der Jungbrunnen, aus dem er für Leben und Beruf, für Schule und Haus mit frischem Muth und neuer Kraft ausgerüstet. wieder emporsteigt zur freudigen Förderung fees Werkes der Jugend-Erziehung und -Bildung. Die Versammlungen sei eben im ganzen Jahre der einzige Anlaß, mit Gleichgesinnten und Gleichstrebenden, mit Gleichleidenden und Hoffenden zusammen zu treffen und sie bieten so, abgesehen von dem in erster Linie zu beachtenden geistigen Gewinne, auch für das Gemüth des Anregenden und Belebenden, des Aufmunternden unfe Erfrischenden in reichem Maße. Bedauerlicherweise gäbe es aber Kollegen, die fast nie eine Versammlung besuchen, die nicht das Bedürfniß haben, einmal mit den Kollegen Fühlung zu nehmen, die keinen Drang in sich verspüren, einnial öffentlich aussprechen zu hören, was die Lehrerwelt bewegt und erstrebt. Solche Mitglieder bilden in der Regel leider auch in anderer Beziehung, wo es das Interesse des Vereins erheischt, die lohten Punkte desselben. Andererseits machen wir jedoch die erfreuliche Wahrnehmung, daß ein Guttheil unserer Mitglieder, unbeirrt um dieses entmuthigende Verhalten ihre Vereinstreue und -Pflicht in jeder Hinsicht zur Geltung bringen und keine Gelegenheit verabsäumen, das Interesse des Vereins auf's nachdrücklichste zu wahren. Der jüdische Lehrer bedürfe ganz besonders einnial einer Zeit der Ausspannung und Erholung. Bei ihm sei eine Aufmunterung von getäuschten Hoffnungen, ein Entflammen erlöschender Ideale und ein Aufrühren aus entwürdigendem Drucke sehr oft am Platze. Bezugnehmend auf die erst vor kurzem zu Ende gegangene jüdische Rationältrauer wies der Redner hin auf jenes kostbare Kleinod, das für Israel bei seiner Wanfeerung in's Exil der Rettungsanker war und das ihm im mitternächtlichen Dunkel des Leidens und des Druckes als hellstrahlender Weg und richtunozeigeuder Stern voranleuchtete, auf seine heilige Thora. Wer seien aber gegenwärtig als Wächter und Hüter, als Verbreiter und Pfleger der Götteslehre in weitaus den meisten Gemeinden ausgestellt und bestimmt? Wohl obliege nach 5. B. M: Kap.11.19, dem Vater in erster Linie die Pflicht, sein Kind in der heiligen Sprache und in der Gotteslehre zn unterrichten, aber aus verschiedenen Gründen sei heutzutage die Pflicht der Unterweisung dem Religionslehrer übertragen worden. Man sollte zwar meinen, daß die Eltern mit ihren Stellvertretern Hand in Hand, gehen und sie in ihrem Bemühen unter stützen sollten. Das Gegentheil sei aber sehr oft wahrzunehmen. Die Arbeit des Religionslehrers werde mit Gleichgiltigkeit und Geringschätzung betrachtet und jedes andere Wissensfach finde niehr Beachtung und Würdigung als der Religionsunterricht. Und die Kinder, die Gesinnung ihrer Eltern kennend, richten ihr Verhalten darnach ein und seien von Interesselosigkeit beherrscht. Der Lehrer müsse aber jede sich darbietende Gelegenheit benützen, die Eltern auf die Wichtigkeit des Hebräischen zur Erlangung eines innigen Verständnisses des biblischen Schriftthums aufmerksam zu machen und auf ihre heiligste Pflicht, ihre Kinder mit der Ursprache der Bibel vertraut zu machen. Daraus resultire aber die unabweisbare Forderung, daß wir Lehrer uns selbst in das Quellenstudium des jüdischen Schriftthums, aber nicht in sogen. Surrogate vertiefen und aus dem Urquell unserer heiligen Thora schöpfen. Der Vorsitzende rcferirtc hierauf über die Ausführung mehrerer in der vorjährigen Generalversammlung gefaßter Beschlüsse. Dem nunmehr im Ruhestand befindlichen Kollegen. Herrn S. Fränkel zu München, der aus Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um den Verein, namentlich um die materielle Hebung desselben, zum Verwaltnngs-Ehrenmitgliede ernannt wurde, hat feie Verwaltung ein entsprechendes Diplom anfertigen und zugehen lassen.*) Von der Durchführung fees im vorigen Jahre beschlossenen und von der Aufsichtsbehörde genehmigten Lotterieunternehmens zu Gunsten unserer Unterstützungskaffe wurde wegen der hohen und nicht erlassenen Reichsstempelstener abgesehen. Es sei nun selbstverständlich Pflicht der Mitglieder, den Entgang des erhofften Gewinnes durch reichere Entfaltung der Thätigkeit auf anderem Gebiete auszugleichen zu suchen. Bei unseren mehr als 170 Mitgliedern, deren Wirkungskreis sich sogar noch über Bayern hinaus erstreckt, müßte cs doch dem einen oder anderen gelingen, wohlihätige. reiche Glaubensgenossen zur Errichtung von Legaten zu Gunsten unserer Unterstützungskasse oder zur Eintragung als lebenslängliche oder ewige Mitglieder in unseren Jahresbericht zu bewege». Die im vorigen Jahre beschlossene Satzungsänderung. wsnach bei einem Stellenwechsel nach außerhalb Bayern derjenige seine Mitgliedschaft verliert, der demselben noch keine zehn Jahre angehort. erhielt die Genehmigung der kgl. Regierung von Unterfraukeu. *> Herr 3fr Sa fei. der erfreulicherweise anwesend ssr, sprach Tpfttrr für diese Ehrung feinen Tank au>.

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