Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1904)
- Date
- 1904-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Achrgmrg. M 89. Genirak-Zrgau für das orthodore ZudenLHum. Begründet va» vi». Vkhnrantr in W«rnz. D»««erAag, de« 2. «r»lew SPSS. 10. November 1904. Kill Dtött KstttÄiksß ii FmWt i. §!. Lin Wort zur Abwehr. Bon Rabb. Dr. SUberberg. Schrimm (Posen). „Der Freunde ENer ist's. der mid> Zu Grunde richtet, nicht der Hatz der Feindes Es liegt System in der Art, mit welcher man neuerdings versucht, Erlöser und Retter des Judenthums zu werden. Der eine empfiehlt das „Untertauchen" in das uns umgebende Volksmeer, der andere sucht dos Heil in der Reform des synagogalen Gottesdienstes und erwartet von ihr eine Besserung des Jndiffereniismus der Massen und die Zurückführung der Judenbeit, die mit einem Fuße bereits im Taufbecken steht, zum Glauben der Väter. Als der große Esra einst aus Babylon nach Judäa kam. um das zerrüttete jüdische Gemeinwesen zu ordnen und einem großen Theil des Volkes, das seine reichen Glaubensschähe nicht mehr kannte und den Weg zu Gott verloren zu haben schien, diesen Weg weisen wollte, sorgte er dafür, daß der religiöse Inhalt und das W e s e n des Judenthums dem Volke wieder zugeführt werde. Aber nicht aus klang- und schwungvollen Gottesdienst f o r m e n erwächst die Rettung des Judenthums, sondern nur aus der B e l e h r u n g des Volkes. Und so ist zu allen Zeiten nicht das Gottes Haus, die Synagoge, sondern das Lehrhau s, die Schule, im weitesten Sinne des Wortes, der Rettungsanker für die im Wellenmeer des Alltäglichen „unterzutauchen" drohende Judenheit gewesen. — Die Behauptung des Referenten m Rr. 45 der „2tUq. Ztg. d. Jdt.", daß unserer Jugend die genügende Kenntnis; der heiligen Sprache nicht vermittelt werden kann, muß mit aller Entschiedenheit zuruckgewiesen werden. Sie muß unbedingt und unerläßlich zu allererst ihr vermittelt werden, vor Beginn dessen, was man heutzutage Religionsunterricht nennt. „Wehe über dem, der kein Wohnhaus hat und an dem Thor zum Wohnhause arbeitet.*) So lange freilich Knaben und Mädchen der Geigen- und Klavierstunden wegen den Religionsunterricht versäumen „m u s s e «V so lange „können" beide nichts Hebräisch lernen. Bei vernünftiger Zeiteintheilung bleibt jedoch auch Zeit für Musik, Malerei etc., deren Werth zu unter schätzen mir ferne liegt, aber vor allem gibt es Zeit zu religiöser Belehrung, deren Werth nicht "über schätzt werden^ kann. „Alles ist darin," dieses Wort unserer Alten bleibt ewig wahr für alle Zeiten und jedem Zeitgeifie gegenüber. Der Artikel in Nr. 45 der „Mg. Zeit. d. Judenth." berührt daher eigenthümlich, weil der Referent sich in demselben für einen Gottesdienst begeistert, der „modern und schön, kurz und deutsch" und doch von jüdischem Geiste beseelt sei. sowie Interesse und Liebe für's Judenthum erwecken könne." ES wird in jenem Berichte der früheren Frankfurter Gemeindeverwaltung zum Vorwürfe gemacht, daß sie „durch lange Jahre hindurch auf religiös-liberalem Gebiete die ihr durch ihre Geschichte und Vorgänge auferlegte Pflicht vernachlässigt, eine fortschreitende Entwicklung der liberalen Institutionen des Judenthums bedauerlicher Weise nicht in die Wege geleitet und s o zum großen Nachtheil der ihr anvertrauteu Gemeinde, dem Abfall und der Taufe die Wege geebnet habe. sie). „Es ist," so heißt es weiter, „ein unbestreitbares Verdienst der jetzigen Verwaltung, daß sie ihre Aufgabe erkennt und jenen unheilvollen Weg kurzsichtiger Politik verlassen hat" u. s. w. Der Referent wird immer begeisterter, nachdem er die Begeisterung und „wirkliche, tiefe" Andacht der tkesucher jenes „Reform"-Gottesdienstes in den prächtigsten Farben *) TSMöirfc «nro wrrt rib t^n bs Van.