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Der Israelit · 1904-11-03 · Heft 87 (3.11.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 87 (3.11.1904)
Date
1904-11-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jcchrgang. weite AÄage z« J& 87 des sraekit." Offenbarung.?«<»>. »?a«i.iiiHIii W ji Zrttksut i $)• Bon Joseph Freund. lSoctsetznilg. Also selbsterlebte. selbstgewisse Thatsache ist es, daß wir die n-nrrf empfangen und theilweise unmittelbar von Gott empfangen haben. Das lehren uns die Berichte, die in der Thora nicdergelegt sind und somit für uns Juden — als Juden wollen wir ste doch lesen! — über jeden Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit hinausgehoben werden müssen. Diese Berichte sprechen ja auf eine Weise, daß sie aus den ersten Blick einleuchten müssen. Die min ist keine alte, vergilbte Urkunde deren verschwommene Buchstaben durch geistreiche Hypothesen herausgelcsen, analysirt und zusammengesetzt werden müßten. Sie hat auch keine klaffenden Lücken, die, mit den verschrobenen Muthmaßungen und den hinkenden Combinationen eines irdischen Hirns ansgefüllt werden sollen. Für das Verständnis; der Schriftzeichen dieser ältesten Urkunde der Menschheit bedarf es keiner allzu großen Mühe, keines grüblerischen Sinnes. Einen Blick in unseres Volkes Geschichte! und diese Buchstaben sind bereits längst keinen toten Buchstaben; sie haben langst Form und Gestalt angenommen; ste stnd längst in Fleisch und Blut Lbergegangen; sie leben, weil Juden leben und Juden leben, weil sie leben. Schlagen wir also das Buch auf und lesen wir. Geschrieben steht: «Und das ganze Volk sah die Stimmen und die Flammen und den Schofarruf und den Berg dampfen; das Volk sah und bebte und stand von ferne." Da sprach Gott zü Mosche: «Also sprich zu Jsrael's Söhnen: Gesehen habet Ihr, daß Ich vom Himmel mit Euch gesprochen." — An anderer Stelle: «Nur hüte Dich für Dich und hüte Deine Seele sehr, daß Du die Thatsachen nicht vergissest, die Deine Augen gesehen. . .. Den Tag. da Du vor Gott. Deinem Gotte standest zu Choreb." Weiter: «Gestalt sähet ihr keine, ausschließlich Stimmen." Und endlich: «Du bist durch Sehen zum Wissen gebracht worden, daß Gott allein Gott ist. nichts sonst außer Ihm. Gesehen hat demnach das Volk die Stimme, was nichts anderes heißen will, nicht anders heißen kann, als daß es den Ort. woher die Person, von welcher die Stimme ausging, gesehen, bezw. sich vorgestellt hat: Ich hielt mich. bei diesem Theil meines Vortrages etwas langer auf. Weil er, wie gesagt, für die Zulässigkeit der Besprechung des Gegenstandes eine unabweisbare Voraussetzung ist. — Die jüdische Religionsphilosophie kennt kein sogenanntes voraussetzungsloses Denken, das aprioristisch, «aus dem Schema eines inneren Ich" heraüS ein Universum zu konstruiren sich unterfängt, in welchem dann die Comödie der Irrungen auf der Mellbühne dargestellt, den verdutzt dreinschauenden Zeitgenossen, vornehmlich aber den Schöpfern dieses Universums den Spiegel entgegengehalten wird. Die jüd. Forschungswissenschaft gewinnt Halt und Festigkeit, indem sie vom Positiven, von der Offenbarung ausgeht, diese als unverrückbare- Faktum betrachtet und den Wißbegierigen nur das Recht einräumt, den äußeren, chronologischen Werdegang. den inneren Sinn der Gesetzesoffenbarung, festzustellen und zu ergründen. Die Aufgabe des jüdischen Forschers kann und darf nicht sein, zu erfassen, daß die Offenbarung vor sich ging, sondern wie ste vor sich ging.*) ■w 'jd in nniD2 tai cnn^ pr.' tb '3 ponm m . rrrra tok wn rro Wisse und erwäge es. daß es unstatthaft ist, die Grenzen durchbrechen und tiefer, als wir es gethan, in die Geheimnisse des Sinaiereignisses eindringen zu wollen. Das ist des Ansicht in seinem m» v-222, nachdem er die Schilderung des rein äußeren Geschehens geschlossen hatte. (2. Cap. 34.) Es liegt ja sozusagen in der Natur der Sache, daß, wenn dem Erkenntnißvermögen unserer intellektuellen Begabung Ziele gesteckt sind, über die hinaus ihm kein Wirkungsgebiet eingeräumt ist. daß es schnöder Undank, ja sträfliches Unterfangen wäre, diese Ziele unbeachtet zu lassen und den Boden, der über ihnen liegt, betretest und durchforschen zu wollen. Es ist ja Gott, der Schovfer und Bildner des menschlichen Organismus, der den Menschen zum Menschen macht, indem er ihm die Begabung, Sinn und Zusammenhang der Dinge zu erfassen gewährt, aber auch die Bethätigungssphäre dieser Begabung bestimmt und abgrenzt. Aber was möglich ist. was gestattet ist, den Geist des Gegebenen zu erkennen, den Kern einer noch so geringfügig erscheinenden symbolischen An- ' deutung berautz.zuschälen — das können wir, das müssen wir versuchen. Dos schreibt derselbe im selben Buche*) und ihm stimmt eine ganze Schaar jüdischer Denker bei. was übrigens nicht zu verwundern ist, da die Pflicht: Gott, Seinen Willen, Seine m» - also durch Vernunft zu erkennen, in einem SchriftverS ' ausgesprochen wird. «Nur des rühme sich der Ruhm- ' süchtige, daß er mich durch Derstandsthatigkeit er--- kannt." . ... 7 7-/ •) Dgl. Neunzehn Briefe von Hirsch S. 73.

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