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Der Israelit · 1904-11-03 · Heft 87 (3.11.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 87 (3.11.1904)
Date
1904-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MTS7. 45. Achrgaiig. Genirat-Zrgan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von l>r. Urhrnttnn in Mainz. Donnerstag, den 25. Cheschwan 5665. 3. November 1904. Rabbi Leopold Lipschitz Budapest, 19. Cheschwan. Ein harter Schlag hat das orthodoxe Judenthum getroffen. Rabbi Leopold Lipschitz, der verdienstvolle Landespräsident der gesetzestreuen Juden Ungarns hat das Zeitliche gesegnet. 132' n*3 ^3i h p.'V ncntrn nx und ganz Israel hat alle Ursache, diesen großen Verlust zu beklagen und zu beweinen. Der theuere Verblichene war schon in seiner frühesten Jugend als hervorragender Talmudgelehrter und weltlich gebildeter Mann rühmlichst bekannt, und als junger Mann war es ihm gegönnt, im Vereine mit den ungarischen mn in leitender Stellung für die Interessen des glaubenstreuen Judenthums eine segensreiche Thätigkeit zu entfalten. Er war einer rbnn r.D» mro, der bei der Konstituirung der ungarischen Orthodoxie, organisatorisch mitgewirkt hat. Mit ihm scheidet das letzte Mitglied der ersten „Durchführungs-Kommission", die eingesetzt wurde, um den obligatorischen Charakter des unglückseligen Kongreßstatutes vom Jahre 1868 aufzuheben und die Sanlmlung der gesetzestreuen Gemeinden als „autonome jüdsch-orthodoxe Religionsgenossenschaft" landesgesetzlich anerkennen zu lassen. Im Jahre 1871 wurde der Verblichene als Nachfolger seines großen Vaters s. A., zum Oberrabbiner in Abauj-Szanto gewählt, in welcher Stelle er 25 Jahre in Tugend und Frömmigkeit seines Amtes waltete. Er war als eisern mim in allen Kreisen hochgeehrt und wer mit Oberrabbiner Lipschitz einmal gesprochen, weiß, daß er ein Mann von seltener Begabung geivesrn. Durch seine Klugheit, durch seinen Edelsinn und durch seine Bildung gewann er sich die Liebe und Verehrung Aller, die mit ihm in Berührung standen. Er war eine Zierde feines Standes, eine, auch in den angesehensten nichtjüdischen Kreisen hochgeehrte Persönlichkeit und wurde auch von Sr. Majestät unserem gütigen König m* ausgezeichnet, von dem er zum Ritter tzes Franz-Josefsordens ernannt wurde. * Als vor acht Jahren der verewigte Präsident R. Ignatz Reich s. A. aus dem Leben geschieden, wurde Oberrabbiner Lipschitz, der bis dahin dieses Amt provisorisch verwaltete, mit der Würde eines. Präsidenten definitiv betraut. Diese letzten acht Fahre waren die schwersten und kummervollsten für den thcuern Verblichenen. Der allgemein beliebte Szantoer Oberrabbiner war als Präsident der orthodoxen Landeskanzlei vielfachen Verdächtigungen und Anfeindungen ausgesetzt. Das orthodoxe Judentbum hat nämlich in diesen acht Jahren thatsächlich schwere Niederlagen und Zurücksetzungen erfahren und gewisse Kreise wollten den Hingeschiedenen hierfür verantwortlich machen. Man hatte in die Wirksamkeit dieses rmo bin und europäisch gebildeten Mannes große Hoffnungen gesetzt. Man erwartete, daß er mit seinen großen Fähigkeiten, mit seinem hohen Ansehen die vaterländische Orthodoxie groß und stark machen werde und sah sich in diesen Erwartungen sehr getäuscht. nxi rwn *p'3 sagten seine Gegner, die es ja auch mit der heiligen Sache der Gesetzestrcuen ehrlich meinen und vergaßen, daß dieses Nebel nicht der fromme Verblichene verschuldet, daß eS vielmehr viel älteren Datums ist. Es ist ja eine bekannte, allerdings sehr traurige Thatsache, daß auch in den meisten _ Staaten die jüdischen Reformbestrebungen ä priori bei den Landesregierungen den, Vorrang genießen. Die Orthodoxen, die von den neologen Jude« so gerne als Kultur- und BildungSfelnde verschrieen werden, müssen in der Regel ihre heiligsten und natürlichsten Rechte erst erkämpfen. Nun haben es aber die gesetzestreuen Juden in Deutschland z. B. schon so weit

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