Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1810 Gute um des Guien willen. Gott aber, der das Gute und Edle belohnt spricht: Ich werde es Deinen Nachkommen gedenken. Ich will Ihnen das Manna, die Himmelsspeise in der Wüste fallen lasten. Das Saatkorn des Guten und Edlen tragt Früchte und gedeiht selbst im Wüstensande des Lebens und läßt himmlische Rosen uns erblühen. Denn Gott ist gerecht und gnädig, liebevoll und reich an Huld. Gebenedeiet sei sein Name in Ewigleit. Amen. Zur Ahänverrmg der Judengesetze in Rutzlaud. werden in der Presse viele Stimmen laut, unter andern laßt sich auch die „Kreuzzeitung" folgendermaßen vernehmen: „Der Erlaß bezieht sich ausschließlich auf das Aufenthaltsrecht der Juden im russischen Reiche und erweitert dieses allerdings in mancher Hinsicht, ohne jedoch das Maß von Freigebigkeit zn gewähren, das den Juden unter den Verhältnissen der Gegenwart genügen würde. Außerdem sind die einzelnen Bestimmungen so verwickelter Natur, daß sie der Ehilane den reichsten Spielraum bieten und im eigentlichsten Sinne des Wortes, als bequeme Zwickmühle dienen tonnen. Wer die russischen Verhältnisse einigermaßen kennt, muß in der That lächeln, wenn er sieht, daß im Erlasse fast nur von den wohlhabenden und gebildeten Schichten der jüdischen Bevölkerung die Rede ist. die arme, ungebildete Masse aber kaum flüchtig gestreift wird. Was sonst will das sagen, als daß es sich darum handelt, die Citrone so lange zu quetschen, wie sie noch einen Dropsen Saft enthält, Reichthurn und Bildung fällt bei den russischen Juden fast immer zusammen; es lohnt sich also, diese Elemente von den anderen zu sondern, die nichts haben und deßhalb auch nichts hergeben können. Um die letzteren bekümmert man sich nicht, nur der zahlungsfähigen Minderheit sind allerhand neue, nicht zu verachtende Rechte crtheilt worden, die sie aber mit der größten Vorsicht und Zurückhaltung gebrauchen muß. wenn sich ihre Lage nicht sachlich ver schlimmern soll, statt besser zu werden, wie der Erlaß anzutiindigen scheint. In Rußland darf als Regel gelten, daß, je mehr die Gesetzgebung sich mit gewissen Verhältnissen und Personen befaßt, umsomehr die Un llarheit wächst und der Mißbrauch überhand nimmt. Die Juden könnten deßhalb in der That nichts Besseres wünschen, als übersehen und vergessen zu werden. Das blüht aber nur den armen und ungebildeten Juden. Der reiche jüdische Mitbürger wird überall besonderer Aufmerksamkeit gewürdigt; Polizei und Verwaltung lassen ihn nicht aus den Augen und wissen ssrü erforderlichenfalls in Erinnerung zu bringen. Versteht er das System und seine Träger richtig zu behandeln. so lebt er in Rußland wie der Herrgott in Frankreich, d. h. er darf sich jede Willkür erlauben und ist sicher, der Strafe zu entgehen, oder doch mit einem blauen Auge davon zu kommen. Besonders charakteristisch für die russischen Zustände erscheint es. daß den Juden der Aufenthalt in den Grenzgebieten erleichtert wird, wo sie bisher, ihrer Neigung zum Schmuggel wegen, nicht geduldet wurden. Wie erklärt sich diese großmüthige Anwandlung? Sie erklärt sich sehr einfach aus den, Bedürfnisse nach Beute, das zu den besten Ueberlieferungen des Tschinownikthums gehört und zu deren Bedauern keinen rechten Ertrag bringt, so lange die Betreibung verbotener Geschäfte durch Sonderbestim mungen gesetzlich erschwert wird. Dürfen sich aber die Juden in den Grenzgebieten niederlasten, so tritt das Umgekehrte ein. Sie widerstehen der Versuchung zum Schmuggel nicht, werden auf frischer That ertappt, und die Einnahmen der Zollbeamten steigen, da ihnen an dem Verkaufe der beschlagnahmten Maaren ein gewisser Antheil zusteht. An entscheidender Stelle ist man sich dieser Wirkung der neuen Bestimmungen natürlich nicht bewußt. Weiter unten aber erkennt man den „tieferen Sinn" der anscheinend trockenen Vorschriften ganz genau und weiß sich danach zu richten. Mit den sogenannten Humanitären Ideen haben die den Juden gewährten Aufenthaltserleichterungen jedenfalls nichts zu thun: sie sind vielmehr höchst realistisch gemeint und werden sich in der Ansführung erst recht so erweisen." Eine solche Darlegung hatte man von der „Kreuzzeitung". der man mit dem besten Willen vbilosemitische Neigungen sonst nicht Nachweisen kann, kaum erwartet. Umsomehr aber hilft sie dazu, die russischen Zustände in ihrer thatsächlich trostlosen Lage richtig zu beurtheilen. vermischtes. München, 20. Olt. Heute starb die Gattin des Herrn Heinrich Frei, Lehrer und Eantor dahier, im Alter von 48 Jahren an den Folgen einer Gallensteinovcration. Die Bcerdignng fand Sonntag Nachmittag. Uhr statt. Endtkuhne», 23. Oktober. Seit Mittwoch werden hier russische Auswanderer auch mit allen englischen Schiffs» karten, die seit Jahren stets zurnckgewicfen wurden. befördert. Hiermit ist einem langjährigen, tiefgefühlten Uebelstande, der in der Auswanderer-Beförderung von t ef einschneidender Wirkung war, abgebolren. Wie die Einigung der deutschen und englischen Schissfahrts-Gcsellschaften zu Stande gekommen, verlautet noch nichts. Auch hier bat sich ein Schutz-Komitee für die Jüdischen Auswanderer gebildet. Eduard Segall. Baden in Schweiz, 24 Oktober. Herr Schrciblehrer August Müller hat die Eintragungen ins Gcschenkbuch des israelitischen Altcrsasyls inLengcnau unentgeltlich besorgt, mit dem Versprechen, bieS auch ferner gratis zu besorgen.