Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. _Jg 85. ZsmM. Eia Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von * Dr. Urhrnsmn in l&tatu}. Donnerstag, IS. Cheschwan 5665. vcn 27. Oktober 1004. Nr Zwei Wlmh abonnkrt man bei allen Postaastatten für die Monate November Mit Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein Lei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bet dem betreffenden Landbriestrüger aufgegeben werden. Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend Häher. Auf Wunsch Ermätzigrmg auf den Tlborrrrerrrerrtspreis. Die GrpeLUion des «Israelit." U )ss Aälhtk» tilik »Mm Nmite? Berlin, im Oktober. Die jüdischen Blatter brachten dieser Tage eine Notiz, der Verband deutscher Juden habe den Handelsminister ersucht, den Gemeinden die Möglichkeit zu entziehen.' in ihren Schlachthäusern das Schächten zu verbieten, da ein derartiges Verbot als Eingriff in die Gewissensfreiheit der orthodoxen Juden angesehen werden müsse. Man traute seinen Augen kaum. Nicht deßhalb, weil die Herren, die sich als Verband deutscher Juden geriren, einer solchen Ungeheuerlichkeit fähig sind. Wer die treibenden Elemente dieses Vereins kennt, weiß daß sie aus sehr fähigen Männern bestehen, die noch zu viel mehr fähig sind. Sondern deßhalb, weil die jüdischen Zeitungen die Notiz treuherzig abdrucken und in dem Blatterwald kein Blättchen sich regt, das den rechten Kommentar zu dieser Notiz gibt. Wie muß die Konfusion der Begriffe, welche die zeitgenössischen Mischmaschbestrebungen gezeitigt haben, bereits die Kopfe verwirren, wenn unsere Wortführer durch das einmüthige Ausposaunen dieser papiernen That, und das noch einmüthigere Verschweigen der ihr zu Grunde liegenden Motive, dem Wahne Vorschub leisten, der Verband deutscher Juden bewähre sich als der wahre Schirmvogt der orthodoxen Juden, zuerst in dem Augenblick, indem er ihnen einen verächtlichen Fuß-- tritt versetzt! ' Ist das Schächten wirklich eine Angelegenheit, welche nur die Gewissen der orthodoxen Juden angeht? Nehmen wir einen Augenblick an,' das wäre in dtr Thal so, welche plumpe, taktlose Ungeschicklichkeit bedeutete dann das Vorgehen der Herren Verbändler, wenn sie vor den Handelsministcr mit der Bitte treten, von der die Petenten selber einräumen, daß dieselbe sie persönlich gar nicht berührt, für sie selber handelt es sich um einen überwundenen Standpunkt. Nur den orthodoxen Juden zu Liebe, möge der Minister bei Regelung des Schlachthauswesens Maßnahmen treffen, die in den Augen der Bittsteller höchst überflüssig sind» die sic aber aus eorps d’esprit oder aus welchen taktischen Gründen sonst zum Gegenstand eines Gesuchs gemacht haben. Dürften sich die Herrerr wundern, wenn der Minister ihnen erklärt, er entnehme ihrer Eingabe, daß die Vorschrift, die Thiere nach einer gewissen Norm zu tödten resp. zu schachten, kein allgemein verbindliches Postulat sei, da das Gesuch selber einräumt, es handle sich nur um eine Angelegenheit der orthodoxen Juden, wozu die Petenten ohne Zweifel selber nicht zählen, da sie sonst ihr Gesuch als ihre und nicht lediglich als Gewiffenssache der orthodoxen Juden bezeichnet hätten? Die Rücksicht auf die vom Staate gewährte Freiheit der Gewissen habe jedoch ihre gewisse Grenzen, die der Staat auch christlich orthodoxen Sekten gegenüber, wie es z. B. die Herrenhuter und' die Sabbatisten sind,'