Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1904)
- Date
- 1904-10-20
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1766 Die jüdischen Anwälte Kosch, Schapira und Sacker hielten lange, ober nutzlos verhallte Plaidoyers. Letzterer hob in zweistündiger Rede hervor, wie demoralistrend es ans die christliche Bevölkerung wirke, daß die Juden außerhalb des Gesetzes stehend erscheinen und für notorische Mörder mit größter Leichtigkeit durch nachträglich angeworbene unglaubwürdige Entlastungszeugen ein Freispruch erwirkt werde. Der Gerichtshof ließ als Vertheidiger auch einen der Anstifter des Massakres.- den berüchtigten Lieferanten Pronin zu. der entgegen der Vorschrift eine — ihm vcrrnuthlich von Kruschewan verfaßte — Rede — ablesen durfte. Dieser Agitator hat auch, was sogar vor Gericht festgestellt wurde, zahlreiche Individuen zu ihren entlastenden Aussagen abgerichtet. Der Erfolg war. daß sämmtlichc Angeklagten von Mord f r e i - gesprochen wurden, darunter der Bandit Geschow, dessen Blutthaten durch nahezu fünfzig Zeugen bestätigt wurden. Verurtheilt wurden neun Excedenten wegen Raubes zu einem Jahre und vier Monaten Zwangsarbeit. Den Hinterbliebenen der Opfer, die an den Bettelstab gebracht sind, wurde ein Schadenersatz von 800 Rubel zuerkannt. Tapfere Juden im russisch-japanischen Kriege. Die im offiziellen ..Invalid" veröffentlichte dritte Verlustliste aus dem japanischen Kriege weist weitere 29 jüdische Namen aus. die bei Waffangkou verunglückt sind. Davon werden zwei als gefallen, 14 als verwundet und drei als vermißt gemeldet. Zehn Juden sind zum Theil nach erheblicher Verwundung in die Gefangenschaft der Japaner gerathen. Eine folgenreiche Heldenthat bat der jüdische Soldat des vierten ostsibirischen Schützenregiments, Michel Tschernomordnik aus Mohilew vollbracht. Das dritte Bataillon dieses Regiments war bereits von drei Seiten von den Japanern umzüngelt und sehnsüchtig blickte sein Kommandirender nach der Richtung hin. von wo dem' Bataillon Verstärkung oder doch wenigstens ein Rückzugsbefehl kommen sollte. Endlich kommt auf schäumendem Rosse ein Bote herangesprengt, schon ist er nur wenige Schritte vom Kommandirenden entfernt, als er von einer Kugel getroffen vom Pferde stürzt. Der Schwervrrwundete bat aber noch die Geistesgegenwart, un Stürzen mit der Hand auf die Mütze zu zeigen, in der der schriftliche Befehl zum Rückzug gefunden wird. Letzterer konnte noch unter Mitnahme der Verwundeten ohne großen Verlust bewerkstelligt werden. Es stellte sich heraus, daß der Neberbringer der erlösenden Botschaft vier volle Stunden im dichtesten Kugelregen auf dem weiten Schlachtselde umhergeirrt war, bevor er den Standort des Bataillons finden konnte. Wahrend der ganzen Zeit fielen auf jedem Quadratmeter gegen 100 japanische Geschosse, das Unternehmen war so gefahrvoll, daß zu seiner Ausführung Freiwillige aufgefordert wurden. Es meldete sich aber kein weiterer Soldat, als der Jude Tschernomordnik. der so zum Retter dieses ganzen Bataillons wurde. Held Tschernomordnik. der jetzt im Hospital zu Charbin in sorgfältiger'Pflege ist, wird das Georgkreuz sowie das Recht erhalten — in ganz Rußland wohnen zu dürfen . . . Die Tapferkeit der jüdischen Soldaten beginnt übrigens selbst dem russischen Tschinownikthum zu imponiren. So hat der Gouverneur von Taurien, wirklicher Staatsrath Trepow, gelegentlich eines Besuches in Theodosia. auch die dortige Synagoge besichtigt und bei dieser Gelegenheit eine warme Lobrede auf die jüdischen Soldaten gehalten, welche in der Mandschurei nicht weniger tapfer als die christlichen Russen für das gemeinsame Vaterland kämpften. Besonders hätten sich die jüdischen Trompeter des elften Regiments bei Turentsohun ausgezeichnet. Die Regierung könne nicht umhin, den Heldenmuth der Juden dankbar anzuerkennen. Schon hat sie den Juden einige wichtige Rechte gewährt. Die Juden sollen nun ihre Kinder im patriotischen Geiste erziehen, damit diese immer mehr Rechte erhielten. Herr Trepow hat also wenig Hoffnung, daß die lebende Generation die Gleichberechtigung noch erhält und stellt sie nur noch den Söhnen in Aussicht, falls diese im Geiste des russischen Tschinownikthums erzogen werden sollten. vermischtes BreSla«. Herr Dr. Ludwig L e v y, Hörer des hiestgen jüdisch-theologischen Seminars, ist einstimmig zum Rabbiner der Eultusgemeinde in Brünn gewählt worden. Memel, 13. Oktober. Dieser Tage sind 6 jüdische junge Leute von hier zum Militär auSgehoben worden, nachdem sie für tauglich dam befunden wurden. Dieselben sind als Sohne ausländischer Juden geboren, die nun durch die Ableistung der Militärpflicht ihre Naturalisation erlangen. Dieses Entgegenkommen der Regierung ist erst neueren Datums und die Betheiligten machen davon gerne Gebrauch. .UM i» A»ich„. filag t< bb) MmWnft» be> tc» der Arbeiter» ersicherung (Kranken.. Unfall- und Invalidenversicherung)- jtt im Ber» lage von Franz Bahlen in Berlin 8. w, Mohrenstr. 13/14. nAl H?rerfc^n Seiten 8") erschienen, welches zum Breite von 60 -big. für das einzelne Elcmvlar lDartiepreife erheblich ge» nnaerl m den Handel gebracht wird.. Es har zn Verfassern die Kaiserlichen Expediereiiben Sekretäre im ReichS-BersicherungSamt Ern st Funke und Walter Hering, welche bereit» wiederbalt als Schriftsteller auf sozialpolitischem Gebiete hervor» getreten, smd, Das hier dargeborene Merkchen Sn*rlalt cn,e n8 von 60 verschiedenen und Rechtsmittel» I*,.. deren fich die Versicherten »n Auge» If11 „V.' Arbeiterversichernng *ur ^^5ndmachung und Verfolgung tt bediene n r onn e n. Die einzelnen Muster smd nur den für den praktischen Gebrauch nothwendigen Er» u™ Angaben über den Gesetzesrnhalt versehen. Lei Auswahl der Muster smd alle Rechtsfälle, welche zrrr Derallge» ^Ä'^*rückfichtigt worden. Die Anordnung der Muster ist sehr geschickt, ihre auherst korrekte Abfassung Zru3 von großer jlmsicht und praktischer Erfahrung»