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Der Israelit · 1904-10-20 · Heft 83 (20.10.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 83 (20.10.1904)
Date
1904-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. * M 83» Ein Hentrak-Hrgan für das orihodore Zudenthum. Begründet von . Dr. ITcIjmaim in IStatttf. Donnerstag, den 11. Chefchwa« 5665. 26. Oktover 1664. Gin Nachwort. -MZ- Von einem N6onnenken. In der zweiten Beilage der Nr. 74 & 75 dieser Blätter wurde der Bericht über die Weihe der Neuen Synagoge der Adaß Jisroel-Gemeinde in Berlin mit einleitenden Worten versehen, die dem Berichterstatter sowohl, wie der Redaktion alle Ehre machen. Ich sage nicht „Ehren bringen". Denn, wer heute die Wahrheit sagt, kommt nicht so leicht zu Ehren. Es wäre z. B. sicherlich der Redaktion dieses Organs viel leichter gewesen, sich Sympathien und — Abonnenten zu gewinnen, wenn sie den Standpunkt verlassen hätte, zu dessen Vertretung eine große Zeit den „Israelit" begründete. Die Wahrheit wird heute nun einmal verfolgt. Freilich ist das Verständniß für sie durch die letzt vergangenen Dezenien so sehr in der Menschheit zum Durchbruch gelangt, daß man so ohne Weiteres nicht zu sagen wagt, das Wahre sei nicht wahr. Aber entweder ist die Wahrheit „zur Unzeit" ausgesprochen — und dann verletzt sie; oder „junge Leute" haben es gewagt, sie zu verkünden — dann ist es „Unbescheidenheit". Beide Abwehrbemerkungen aber — das scheinen die Abweisenden zu übersehen — beweisen die Wahrheit der Wahrheit. Damit unterstützen sie denn nur, was selbst sie, ohne sich selbst der Unwahrheit zu überführen, nicht anzugreifen wagen. „Zu früh" und „zu jung" --darin besteht G. s.. D. der ganze Vorwurf, den man heute denen, die die verwirrten Begriffe auf's Neue zu klären suchen, machen kann. Welche Verblendung einer Zeit, die ihre Jugend, statt sie zu fördern, von sich weist! Welch' herrliche Aussicht auf eine Zukunft, die in einem gr'ößern, erbitterter» Kampfe denn je, einer Jugend — wenn vielleicht auch gering an Zahl — die Waffen anvertraut, die einem heiligen Kampfe für die Erhaltung der unverfälschten Ueberlieferung - der praktischen Bethätigung der Thora geweiht sind und gestählt wurden — in der Feuerschmiede, in det unermüdlich ein Schmied a:n Amboß stand, Schlag auf Schlag führte, unermüdlich den Blasebalg zog, bis daß der nur noch schlvach glimmende Funke des Judenthums zu mächtiger Flamme emporschlug. O, diese Flamme, die — er, er entzündet hat, Ihr löscht sie nimmermehr! Je mehr der Windhauch der Zeit hineinbläßt, um sie zu verlöschen, desto mehr Zugwind führt Ihr ihr zu. Je mehr Äsche Ihr aufschüttet, damit man das verzehrende Feuer nicht mehr schaue, die Hitze in der Schmiede sich , verringere, und eine laue Wärme ilverall gleichmäßig „t e m p o r i r t" herrsche, desto besser konservirt sich der Funke unter der schützenden Decke, um eines Tages lichterhell auf dem Altar des Gesetzes hoch zum Himme! emporzuschlagen! Eine solche Zeit mutz kommen — — o, daß sie nicht zu kommen brauchte!! Diese Zeit wird eine traurige, wenn auch große Kampfeszeit sein — im Kampf unter Brüdern, der aber leider gekämpft werden muß. Jenes große Dreigestirn, das zu einer dunklen Nachtzeit der jüdischen Geschichte in Deutschland am Firmament der Thora leuchtete, hatte seine Bestimmung „zu herrschen in der Nacht". Sie hatten gegen die Reform ihren Kampfruf zu erheben. Judeythum und seine Leugnung standen sich damals gegenüber. Jeder wußte klar, wozu er gehörte. Der Kampf schloß ab mit einem entscheidenden Befreiungsschlag. Seit dem 28. Juli 1876 war die Orthodoxie nicht mehr an die Reform gekettet. Sie konnte ihre eigenen Wege gehen; auch die Reform war eines ihr lästigen Schwergewichtes entledigt — sie durfte sich entfallen, ungehemmt sich immer weiter und weiter entwickeln — — da war der Kampf zu Ende. Zu Ende! Ja, rührend wäre diese plötzliche Besinnung, Brüdern zu vergleichen, die lange uneinig gewesen, und die im Momente, da sie sich trennen sollen, sich weinend „vor Schmerz und der Freude" in die Arme fallen, gedenkend, daß ein

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