Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1904)
- Date
- 1904-10-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450059--61584-2524482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1732 Zu deutsch: „Mit folgender Bitte trete ich vor Euer Ehrw. Ein Riß ist durch den Zionismus und den Misrachismus in unserem Lande gerissen worden, dessen Größe nicht zu schildern ist. denn trotz aller Gegenbestrebungen ist es ihnen gelungen, reine, unschuldige Seelen zu fangen und dieselben von dem Wege der Lehre und der Zucht abzubringen. Nun schickt sich der Zionismus an. auch in anderen Kreisen Anhänger zu werben und wie man hört, hat er auch in Frankfurt in Kreisen, die der Führung Eurer Ehrw. unterstehen, Fuß gefaßt. Darum bitte ich Euer Ehrw. mir mitzutheilen, ob diese Nachricht auf Wahrheit beruht und ob es Ihnen nicht möglich ist, diese Leute von ihrem Wahne zu heilen. Denn wir sehen, daß der Zionismus einer an st eckenden Krankheit gleicht: gelingt es ihm, nur ein reines Lamm auS der treuen Heerde zu gewinnen, so laufen diesem Viele andere nach. Sagt doch schon ein alter Spruch: „Giebst Du dem Satan nur ein Haar, so setzt er sich bald in den Besrtz des Kopfes und des ganzen Bartes." Ich will es Euer, Ehrw. nicht verhehlen, daß wir dringend zu befürchten haben, daß wenn es dem Zionismus gelingt, weiter so Seelen zu fangen wie bisher. daß dann. Gott behüte, der ii der wiegende Theil der Gottesgemeinde auf den Weg des Abfalls und der Gottesleugnung geräth. Ich hätte noch Vieles zu schreiben.. aber meine Körperschwäche läßt es nicht zu. Gebe Gott Segen und Frieden und verhüte Er in. Seiner Gnade, daß von dem treuen Nest keiner abtrünnig werde. Die Irrenden aber mögen zu Ihm zurückkehren und Seine Lehre hüten." So spricht ein ehrwürdiger Greis zu uns. der seit mehr als zwei Menschenaltern auf der Marte steht und dem es in erster Reihe zu danken ist. daß in Rußland rmajn .Tun r och ihre Stätten haben. Er ist die personifizirte Selbstlosigkeit und aus jedem seiner Worte spricht glühende Liebe zu seinem Volke und seiner Lehre. Don russischen Zionisten hörten wir. daß auch sie Rabbi Elijahu Chajim gleich einem "» ikSo verehren. der über jeden Verdacht erhaben ist. Ihn leiten leine persönlichen Motive, er steht lediglich im Dienste der Wahrheit. Mögen daher seine Worte ihre Wirkung nicht verfehlen und überall gehört werden, wo man noch jüdische Wahrheit sucht und sich offen und ehrlich zum alten und unverfälschten Judenthum bekennt, Uns aber mögen sie ansvornen, auf dem einmal betretenen Wege unentwegt fortzuschreiten zum Wähle des Judenthums, zur Ehre Gottes und zur Förderung unserer heiligen Thora, die das kostbarste Gut ist, das wir mithinübergerettet haben, als wir unsere Heiliathümer und unser Land verkästen haben, durch die wir leben und für die wir ehrlich arbeiten wollen *2 -ry bis einst Gott die treuen Kinder zur Mutter Zion heimführt, die heute trauert ob des Wahnes ihrer Kinder und die sehnsüchtig auf die Erlösung ihrer Kinder wartet, die ihr und ihren. Zielen treu geblieben sind. Israelitisches Sehrerinnenhelm. Der aus einem lebhaften sozialen Bediirfniß hervor gegangene Verein „Israelitisches Lchrerinnenheim" in Grotzlichterfelde Berlin hat seit seiner Begründung vor sechs Jahren einen raschen und erfreulichen Aufschwung genommen. Sein Zweck ist, würdigen alten, allein siebenden Lehrerinnen und Erzieherinnen, die in langer privater Wirksamkeit keine staatliche Versorgnng erreichen konnten, ein sorgenfreies Altersheim zu schaffen. Dank der regen Theilnahme konnte im Jahre 1899 das Heim in Miethsräumen. in Steglitz mit 8 Insassinnen eröffnet werden, und bereits 1992 wurde es dem Verein, in Folge der hochherzigen Schenkung des Max Wigodzsinsky möglich, ein eigenes Haus zu errichten. Das im hübschen Dillenstil erbaute erste Heimathhaus israelitischer Lehrerinnen in Großlichterfelde W., Karlstraße 112», konnte schon im März 1908 seiner Bestimmung übergeben werden. Das dem Lehrerinnenheim angegliederte Erholungsheim für noch aktive, erholungsbedürftige Lehrerinnen. das nur zu vorübergehendem Aufenthalt bestimmt ist. erfreut sich regen Zuspruchs. In dem Altersheim haben, den gegenwärtigen Mitteln entsprechend. 14 Damen Aufnahme gefunden. Platz wäre für 80 vorhanden, und da aus allen Theilen des deutschen Reiches zahlreiche Gesuche um Ausnahme eingehen, so ist es sehr bedauerlich, daß das Haus mcfc* * voll besetzt werden kann. Es fehlt aber an Mitteln, die Aufnahme im Heil« zu ermöglichen. Deshalb bittet das Heim edle Menschenfreunde um Ueberweisung von Mitteln. Besonders erwünscht wäre auch die Bildung von Ortsgruppen, wie sich solche schon in Frankfurt a. M., Grätz. Hannover. Stettin. Königsberg i. Pr.. Stargard und Leipzig dem Israelitischen Lehrerinnenheim angegliedert haben. Der Ruf ergeht besonders an die deutschen Lehrerinnen jüdischen Glaubens im In- und Auslande, in allen Kreisen für die gute Sache zu interessirrn und sich dem Berliner Verein als Mitglieder anzuschließen, um vielen ihrer Mitsch.vestern die Segnungen der Altersversorgung zugänglich zu machen. — Anfragen. Anmeldungen sind zu richten an den 1. Vorsitzenden. Herrn Geheimrath T>r. Wiesenthal, Berlin W.. Karlsbad 4. und an die 2. Vorsitzende und Begründerin, Fräulein Pauline Münchhausen. Berlin W., Friedrich Wilhelmfiraße 17. Kamps -ege« da- SchSÄtverbot. Der Verband deutscher Juden ist beim Handels- Minister dahingehend vorstellig geworden, daß bei der - - - - . -jf