Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1904)
- Date
- 1904-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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c \ I M 81. Emirat Hrgan für das orlHodore Begründet von Dr. Trhmsnn in fltataf. »»«».»««« W<« 4. Eh«schr»a« s«s«. D««»«rftag, d«« Okt»d«r 1904. iiiiöts 8b» iütifCe CefCiCfsniSJenfCaft Von Dr. Hermann Klei« m Mainz. Es herrscht allgemein das Bedürfnis.nach einer Darstellung der jüdischen Geschichte, die unsichere Kunde von den Ereignissen der Vergangenheit geben soll. Nicht, daß wir etwa keine solche Darstellungen, hallen; in unserer schreibseligen Zeit ist an Büchern kein Mangel, aber d a s Buch fehlt. Die bisherigen Darstellungen haben nicht nur unseren Wissensdrang nicht befriedigt, sondern ste haben auch den Wunsch in uns rege werden lassen, einmal selbst an die Quellen heranzugehen, um aus ihnen ein klares und genaues Bild zu bekommen. Die bisherigen Historiker des Judenthums leiden an der gleichen Kurzsichtigkeit, wie einzelne Historiker der anderen Völker. Sie bauen sich eine Theorie auf. der sie dann Alles anbequemen und sie in ein jedes Ereigniß hineinlesen. Diese rationalistische Methode leidet nirgends einen solch kläglichen Schiffbruch als gerade in der Geschichte. Die Geschichte ist eine Wissenschaft von Thaisachen, und nur als solche ausgefaßt kann sie ihre Ziele erreichen. Thatsachen sind aber nicht so liebenswürdig, daß sie vorgefaßte Meinungen, bestätigen. Möglich ist es ja immerhin, daß wir durch die Gleichmäßigkeit und den Rythmus der Erscheinungen zu gewissen Regeln in der Geschichtswissenschaft gelangen, aber diese dürfen nur das Endergebniß eines vorurtheilsfreien Studiums sein, nicht aber die Brille, durch die wir alles historische Geschehen betrachten und auch nicht die Krücke, mit deren Hülfe wir das Gebiet des Werdens und Vergehens historischer Phänomene, die Jahrtausende durchwandern. Sodann leiden diese Historiker daran, daß ihnen das volle Verständniß für die Eigenart des jüdischen Volkes abgeht. Sie haben ihre Schulung bei Fremden genossen und so übertragen sie Kategorien, die bei anderen. Völkern zutreffen mögen, auf das jüdische Volt. Sie treten' an die jüdische Geschichte mit , demselben Maßstab heran, wie an die Geschichte eines anderen', Volkes. Bei anderen Völkern nehmen sie einen Ausstieg, von niedrigen Gebilden zu höheren wahr, sie können^ dort eine strenge. Continuität beobachten und. verfolgen,, daher suchen sie auch in der jüdischen Geschichte nach." dieser Continuität und vergessen, daß sie hier keine, strenge Auf- und Auseingnderfolge suchen"dürfen, weil, eben das jüdische Volk ein Phänomen. §ni geneiis ift,. weil es durch ein Ereignis; die Entwicklung, zpder Jahrhunderte erforderlich gewesen wären, ii<einigen Tagen zurücklegte. Dieses Ereigniß war Matan Thauroh.. Durch die Gesetze erhielt das jüdische Volk, eine Sonderstellung unter den anderen. Völkern, bit Gesetze, machten es reif und man kann ruhig behaupten,, daß in seiner Geschichte das Stadium des Jünglings-, alters fehlt. Anstatt nun, daß die Historiker diese Thatsache berücksichtigen sollten, suchen sie nach Gründen, die ihnen das Sprunghafte in der Entwicklung des jüdischen Volkslebens erklären sollen. Ferner haben wir durch diese Gesetze und hat unsere. Entwicklung ein ganz eigenartiges Gepräge erhalten, das von den Historikern nicht gewürdigt wird. Unser. Leben hat durch die Thauroh eine Durchgeistigung und Vertiefung erfahren, daß unsere fernere Geschichte mehr eine solche des Geistes ist. als eine der physischen Geschehnisse. Für den geistigen Charakter der Entwicklung der jüdischen Geschichte haben diese Historiker keinen Blick. Sie empfinden nicht das Wehen und Rauschen der jüdischen Geistesarbeit in der materiellen Bethätigung der jüdischen Kraft. Sie haben kein Verständniß für daß immer mitschwingende geistige Prinzip, für. die ziemlich kräftige geistige Oberströmung in dem Fortschritt des jüdischen Volkslebens. Es fehlt ihnen der Sinn für das sichtbare Wallen der Gottheit, für das Wunderbare und Uebernatürliche in unserer Geschichte. Sie suchen