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Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 37

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Juden, eine erste Sehenswürdigkeit Newyorks. Gleichfalls in feinster Umgebung gelegen find die Tempel der Reform-Gemeinden Beth El und Emanu-El. Die innere Ausstattung ist vornehm, aber die Gepflogcnheit, in diesem Raume unbedeckten Hauptes und in Gemeinschaft mit den Damen zu sitzen, muthct einen konzcrlsaalmäßig an. Dielen deutschen Predigern und Kantoren bietet Nord-Amerika glänzende Stellungen und Einkünfte, während vielleicht ebenso viele nur an den hohen Feiertagen in ibrem Fache Beschäftigung finden können. Man hört hier sehr viel von Logen — und das Logenwesen ist auch im Prinzip dem Europäischen gleich, aber es hat nichts von dem Nimbus, der dasjenige der alten Welt umgibt. Jeder Verein heißt sich hier Loge und nur die Zweiglogen deutscher Freimaurer rechtfertigen ihre Namen. Diese amerikanischen Logen vereinen ihre Mitglied: imembeis) zu Geselligkeit und Wobltbaten. Cie haben ihre Krankenkassen und bezahlen bei Todesfällen Prämien aus. Die gleichen Ziele verfolgen die Fraucnlogen, deren es eine große Anzahl gibt. Bei all diesen Sachen spielt hier die Eitelkeit eine große Rolle. Um zur Prominenz gezählt zu werden, opfert mancher viel Geld. So wird z. B. bei den zahlreichen kleinen Ge-, mcinden die Eitelkeit dadurch befriedigt, das' die beiden ..Präsidenten"' zu Seiten des Kantors sitzen und dadurch „gesehen" werden. — Wenn es gilt, wohlthätig die Hand z,i öffnen, dann stellt der amerikanische Jude seinen Mann. Sonst könnten auch die zahlreichen Anstalten;um Vesten armer Kranker und unbemittelter Wissbegieriger nicht unterhalten werden. Die Newhorker Philanthropen sorgen für Gesunde und Kranke in gleich liebevoller Weise. Die großartigen Hospitäler, in erster Linie das Mount Sinai und Libanon-Hospital, das Montcsiore Home, das Waisenhaus und noch viele, viele andere Wohlthätigkeits- Jnstitutionen legen beredtes Zeugnitz ab von Organisc.tions Kraft und Menschenfreundlichkeit amerikanischer Bürger. Unter anderem ist in der Nähe Newports am Meeresstrande ein Somnierheim für Kinder lFerienkoloniel errichtet, das ungefähr 500 Kindern gleichzeitig Aufnahme gewährt: hier können ste je eine Woche lang die Freuden des Landlebens in schönster und angenehmster Weise kennen lernen und man kann aus den Augen der S\ leinen, Freude und unbewutzte Dankbarkeit lesen. Mit diesem ..Kn.nitn.rinm fnr Jlehrew l’hildrcn“ ist der Name Jacob Schiff eng verbunden, dessen Träger von philanthropischen Ideen tief durchdrungen ist und der bei allen wohlthätigen Aktionen im Vordergründe firht. Nächst ihm ist es Natban Strauß, der Mitbestber eines großen Waarenhauses. der ebenfalls ein großer Menschenfreund ist. Sein neuestes Werk ist eine Milch Vertheilung an Arme. Mit Hilfe der städtischen Behörden »ünnte er seinen Plan verwirklichen, indem er in einigen großen Parks Kioske aufstellte, in dem absolut reine Milch (hier etwas fabelhaftes) zu einem ganz minimalen Preise abgeben laßt und theilweise gaüz verschenkt. Man denke, welche Opfer diese Institution erfordert, bei den Größen-Verhältnissen Newyorks und Brooklyns, die diesen Vortheil genießen. Hervorgerufen wurde diese Idee durch die hohe Sterblichkeit unter kleinen Kindern, denen doch solche Nahrung ein hauptsächlicher Lebensfaktor ist. Die Baron von Hirsch'schen Stiftungen nehmen einen so breiten Raum in der Geschichte internationaler Wohlthätigkeit ein. daß es von Interesse sein dürfte, über die hiesigen Werke seines Edelmuthes etwas Näheres zu hören. Und zwar soll von den in Newyork btfindlichen Anstalten, der „Edueatioual Alliance“ der „Trade School** und der unweit Newyorks gelegenen „Woodbine (-olonie“ die Rede sein. Die Kducational Alliance ist in einem großangelegte» Gebäude, das Raum für alle Zweige des Instituts haß untergebracht. Es enthält Kochschulen. Klaffen zum Erlernen des Kleidcrmachens. Gymnasium für Knaben und Mädchen, einen Kindergarten, Clubs-, Lese- und Spielzimmer, alles für beiderlei Geschlecht, kurz allen möglichen Komfort für dir Mußestunden, der die Arbeit um so erfreulicher macht. Zugleich wird den Zöglingen der Patriotismus eingeimpft, ko daß sie zu brauchbaren amerikanischen Bürgern heranwachsen. Die Trade School, das zweite der Institute, dient nur praltischen Zwecken. Sie bildet Knaben zu .Zimmerleuten, Dekorations-Malern. Installateuren und Maschinisten heran. Jährlich finden 120 Knaben Aufnahme, die zwei Kurse von je 5’ 2 Monaten durchzumachen haben und in dieser Zeit gewissenhafte Artsbildung erhalten.- so daß sie nach Ablauf ihrer Lehrzeit ihr Brod gut verdienen können. Eine Woche nach dem Tode der edlen Stifterin wurde auch das Chara de Hirsch Home for Working Women seiner Bestimmung übergeben. Die große jüdische Kolonie, Woodbine Iieflt im giaate Newyork. zwischen Philadelphia und Kap Map. Diese Kolonie wurde in Erlcnntniß des Uebelstandes, der die Uebersüllung der Ghettos durch russische Emigranten und die daraus resultirenden phpsischen und moralischen Gefahren hervorzurufen drohte, geschaffen. Diese Kolonie ist in ungemein kurzer Zeit emporgeblüht und auf der ehemaligen Oede von Woodbine steht eine herrliche Stadt mit schonen elektrisch beleuchteten Straßen, modernem Schul- und Wohnhäusern, einer Synagoge, Hotel, Fabriken, die dreihundert Leute beschäftigen und in der ganzen nahen Umgebung sind Farmen, die ihren Inhabern ein sorgloses Dasein ermöglichen. Auch über eine gediegene landwirthschaftliche Schule verfügt die Kolonie. Dicsell'e erzieht ihre Zöglinge nicht nur zur gewöhnlichen Feldarbeit — sondern der Lehrplan umfaßt in Erkenniniss moderner Forderungen. Chemie,

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