Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450056--61518-2524390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

45. Jahrgang. Dritte Weil, zu Jß 78 k 79 des „Israelit." perlen aus Bibel und Talmud. Aphoristisch aneinander gereiht. Von Rabbiner A. 9lobd—Q alberstad t. XVII. cnxn rät wn ex vp bvo yo ,3pr ^>p Vpn •‘rtx nrac ^ax ,121 ib ^3» vx ma exi rro xn m xa xn m re»n rraa *a*x rot o^yn ycc n*na tnx .(rn'jin epty Avv Die Stimme ist Jakobs Stimme. Deine Kraft ist größer als die Kraft Esau's. Ergreift Esaw den Menschen, so hat er ihn in seiner Gewalt, flüchtet sich aber der Verfolgte, so kann er ihm nicht beikommen. Du, Jakob, aber hast eine ganz andere Macht. Es mag sich Einer vom Ende der Welt her flüchten, du gebraucht das Wort im Hause der Sammlung, in der Synagoge, und er kommt von selbst. (Jalkut Toldoth). Erklärung. Das Haus der Sammlung, die Stätte des Wortes, wo Jakob seine Stimme erhebt, da umschioebt des Urahns Segen die Häupter der Väter und Kinder, und im reinen Gebete Israels steigt aus dem Herzen der Betenden Dank und Segen empor. Das ist die Stimme Jakobs, in der dem alten Vater des Sohnes ehrerbietig liebevoller Gruß ertönte, und der dem Herzenszug des Vaters folgse. als der Wegweiserin auf lichtloscm Pfade. Jizchaks Auge hatte auf Moria tief in den Himmel hinein geblickt und dadurch den prüfenden Blick für die Krümmen und Schliche der Erde verloren. Als Jakob vor den greisen, blinden Vater trat, versenkte sich des Vaters Geistesblick in einen anderen Himmel, in die treue Kindesseele, und der Seelenton, den des Vaters Ohr vernahm, das war Jakobs Stimme. So sei stets, wenn Jakob im Hause des Vaters, im «Hause der Sammlung", seine Stimme erhebt, das Gebktswort ein Sammelruf für die eigene Seele, wo sie sich auch in der Irre befinde und ein Sammelruf für die Kinder des Hauses und des Volkes, wo immer auch sie an den Enden der Erde zerstreut sein mögen. Im Beth-hachneseth sei Jakobs Stimme an ihrer Eigenart zu erkennen, und sie bleibe rein, ohne Beimischung eines fremden von anderen Völkern erborgten Tones. In ihrer Reinheit behält diese Stimme ihre werbende, fesselnde Kraft, und es hört und versteht sie der Bruder aus fernem Lande, und es hört sie der aüerbarmende Gott. *> Fortsetzung aut 92c. 0öi Die Esawsmacht erzwingt und hält nur den fest, den sie mit eisernem Griffe faßt. Auch mit ihren vom Schönheitsideale entlehnten Prunkmitteln wird sie nur die Lebensflüchtigen in ihrer Gehör- und Sehweite flüchtig bannen. Weiter, tiefer reicht die Wirkung ihres Zaubers nicht. Der Jakobsstimme aber folgen die Entfernten vom Ende der Welt her von selbst und von innen heraus. Die Macht der Innerlichkeit zieht an und überwindet die Fernen der Räume und Zeiten. — «Die Stimme ift Stimme Jakobs." Laßt sie doch von andern aus fremdem Lager hereindringenden Stimmen und Klängen nicht Lbertönen! xvm. j*?pa D'JBO M'xen 'rp ex .n -ex* nroui X3 M prat* "1 nex ,"b wo '»»2? DUBC Ott T>P’) ui uM« jrxap Mn owe eexvn rrr ex?xnM .rapn nex (cp epV) inrb' bßz vpsy ts nwo 'w vmm rinne Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der Ewige. Sind eure Sünden wie Scharlach, so sollen sie weiß werden wie Schnee. (Jes. 1.) Warum .euw im Plural? Es müßte doch .uw heißen. Dies deutet R. Jizchak so: der Allheilige g. s. E. spricht zu Israel: Wenn Euere Sünden jener Reihe von Jahren gleichen, die seit den Schöpfungstagen des Weltanfangs geschichtet und geordnet auf einander folgen bis auf den heutigen Tag, so sollen sie weiß werden wie Schnee. (Jalk. das.) Erklärung. Im Laufe der Jahrhunderte hat jede Zeit ihr eigenes Gepräge. Als Schövfungen des mtnschlichen Geistes nehmen die zeitgestaltenden Ideen und Ereignisse einen bestimmten Charakter an und beeinflussen, ja beherrschen ihren menschlichen — Schöpfer selbst. Das liegt im Gange der wechselwirkenoen Natur und in der Schwäche der menschlichen Schöpferkraft, die nur ein Abglanz ist des allmächtigen, höchstrn und einzigen Weltenschöpfers. Dem Historiker dienen die einander ablösenden Zeitcharaktere als Merkmale der Eintheilung und Ruhepunkte der Forschung. Die Jahrhunderte schichten und ordnen sich nach den in ihnen zu Tage tretenden Denkweisen. Herzensneigungcn und Handlungsarten der Generationen und bieten so die Elemente zur Völkerpsychologie und Geschlchtsphilosophie. Rur den Zeitgenossen, die das /Jahrhundert leben, erscheint sein Inhalt ungeordnet, in wirrem Durck)einander von verspäteten Gründen und verfrühten Folgen, mit der druckenden Wucht des plötzlich Gewordenen jede freie Analyse unterdrückend. Mitten im Getriebe des Zeitalters stehend, jagend und zumeist duldend, fehlt dem Sohne seiner Zeit der weite Horizont und der unbefangene Blick, wie die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.