Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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45. Jahrgang. weite Weil. M 179 « « Dis MMi» i» sckt» KMrsst«. Von Dr. Hermann Klei«. (Fortsetzung.*) Mainz, im Tischri. Die Frage von vrm msv der. zweite große Grundsatz des Judenthums, daß der Mensch für seine guten Thaten reichen Lohn, für seine Sünden Strafe erhält, muß von mehreren Seiten beleuchtet werden. Ein ganzes Meer von-Fragen, und Zweifeln taucht auf. wenn wir ernstlich daran gehen, diesen Grundsatz in seine einzelnen Bestandtheile aufzulösen; Fragen, die Menschengeist nicht alle zu beantworten in der Lage ist, weil es eben M e n s ch e n g e i st ist, dem sie zur Beantwortung vorgelegt werden, anstatt, daß man sich dort Aufschluß hole, wo solcher zu finden ist, nämlich in den von göttlichem Geilte getragenen Werken unseres heiligen Schriftthums. Das Buch Koheleth beschäftigt sich eingehend mit diesem Problem und wir wollen nun zu zeigen versuchen, wie in diesem Buche die Fragen aufgeworfen, behandelt und gelöst werden. Doch möge es uns gestattet sein, einige Bemerkungen allgemeiner Natur über dieses Buch vorausschicken, um die vielfachen falschen und irrigen Anschauungen, die über die Grundtendenzen dieses Werkes herrschen, zu berichtigen. Wir reproduziren zu diesem Zwecke einen Vortrag, den wir vor einigen Jahren gehalten haben, um dann auf die Frage, die uns beschäftigt, näher einzugehen. raatfr ca rvzvb jAn tn! „(Sieb einen Theil der sieben und auch der acht." Diesen Ausspruch beziehen unsere Weisen auf die sieben Pesach-Tagc und auf die acht Tage des Suktoth- und Schlußfestes. Das-Pesachfest ruft in unserem Geiste die Erinnerung an die wunderbare Errettung Israels aus Egypten wach. Wir erinnern uns mit Freude an die Geburt des jüdischen .Volkes; wir freuen uns,, daß Gott unsere Väter aus dem Lande der Sklaverei geführtchat in die Freiheit — in die jüdische Freiheit, pcw D *b* pn p pH rmns Sie eilten zum Sinai,, um. dort die Lehre zw empfangen, die ihnen erst die wirkliche Freiheit brachte. Mit der göttlichen Offenbarung hat die Erlösung erst ihren Abschluß a-funden, denn sie war ja Ziel und Zweck der Erlösung. Das Volk, sollte Träger des Gottesgesetzes werden, um als solcher den Gottesgedanken und die anderen hehren Wahrheiten der Thora zum Gemeingut der Menschheit werden zu lassen. Das Pesachfest fuhrt uns zu nrar dem Feste des Geistes. denn nur für den Geist wurde der Körper befreit. Und *) Vgl. Nr. 71 dieser MStter. I in der Errettung des Körpers von harter, vernichtender, Arbeit, wurde die Bahn betreten, auf der der Geist frei wurde von den Schlacken, die ihm anhafteten, freipvn i den Fesseln der alten Jrrthümer. Die Söhne Israels, sollten Priester Gottes, werden, Verbreiter der neuen. Wahrheiten, die sie am Sinai hörten. Sie sollten, heiliges Feuer auf mächtigen Altären anzünden, und Ne Flammen auslöschen, die vor Götzenbildern koder-. tcn. Das Feuergesetz sollte fortan ihnen auf ihren! Wegen voranschreiten, den Pfad zu erleuchten, den sie.. wandeln müssen, um über die Vorkämpfer ewiger / Finsterniß zu siegen, um dem ewig leuchtenden Lichte ihrer Thora die Herrschaft zu sichern. Wenn wir Uns Z nun am Pesach mit diesen Errungenschaften, . freuen sollen, so fordert die Thora, daß wir uns .am rtäo Mit dem Ertrage des Feldes freuen sollen.. Ein Erntefest ist das Sukkothfest und Gott fordert von uns, daß wir uns freuen am Feste. Denn keine Askese fordert die Thora von ihren Bekennern, sie gebietet vielmehr selbst die Lebensfreude. Und nicht nur über Werke des Geistes und mit geistigen Werthen sollen wir uns freuen, sondern auch über den Ertrag des Feldes, denn auch das Irdische ist von Gott geschaffen, auch das Weltliche soll zu seiner Verherrlichung beitragen. Das - Zeitliche soll in den Kreis des Ewigen hineingehoben jr-erden, in den Bereich des Göttlichen. Wir sollen unser Leben derart durchgeistigen, daß auch unsere, irdischen Bedürfnisse im Zusammenhänge mit unserem geistigen Leben stehen sollen. Keine Theilung und Trennung, des geistigen Lebens von dem irdischen soll und darf' der Jude anstreben, sondern er soll vielmehr bemüht . sein, eine möglichst enge Verbindung herbeizuführen. '„Frerit. euch mit dem Segen, des Feldes, den Ich euch gegeben", so spricht Gott zu Israel, „akt n ':i>b cnne» Ed'pbrr freuet euch vor euerem Gotte." Bedenkt, daß der Segen des Feldes nicht Selbstzweck, sondern blos. Mittel jst, ein Mittel zu dem Zwecke, für den Gott euch' find die ganze Welt erschaffen, für den er euch aus dem kiesen Elend egyptischer Sklaverei erlöst, für den er euch , joas Land der Verheißung gegeben hat. flin* .onV jm hfl vpn 'nsya sn; „Gott gab dem . jüdischen Volke die Länder der Völker und ließ es die Errungenschaften der Nationen erben, damit es zu diesen Errungenschaften Erungensckaften höherer Art hinzufüge, damit es die Gesetze Gottes hüte, der Wächter der Lehren werde, Zur Verherrlichung und Lobpreisung Gottes beitrage."! Wenn uns nun unsere Weisen am. Su.kkoth das Buch Koheleth in die Hand geben, so geschieht" es aus . dem Grunde, weil in keinem Buche unseres Schrift-,7. thums eine solch klare Aufforderung zur Freude sich findet, als in diesem Buche. Nicht etwa, daß Koheleth ’