Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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45. Jahrganz. M 7Q 7S Kentrak-Hrgan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von vr. Uehmanrr ln T^stnz. Dienstag, den 25. Tisari 5665. 4. Oktober 1904. Unsere nächste Nummer erscheint Llontag, den 10. Oktober. "s^S Das Wintersemester. Von A. Mannheimer—D e t t e l b a ch. Vorüber sind die schönen Feste des Tischrimonats, verklungen die frohen Töne der letzten Tage. Verklungen? Nein, sie liegen uns noch im Ohr, sie wirken noch fort auf unser Inneres, auf Herz und Gemüth! Gar verschieden waren die Eindrücke, welche der Tischrimonat unserem geistigen wie leiblichen Auge darbvt, verschieden ihrem inneren Wesen nach, wie in der äußeren Form. Die ganze Skala menschlicher Gefühle vermochten sie zu erregen, vom tiefsten Ernste bis zur lebensfrohen Heiterkeit. Zuerst das n:e>n trsn Fest, das der Jude still und geräuschlos begeht, nicht im sinnenberauschenden Taumel der Gegenwart. son< dern im ernsten Aufblicke zu seinem- Gotte, der in Allwiisenheit und Allgerechiigkeit seines Richteramtes waltet. Es ist für uns die Zeit der Selbstprüfung, der Ein- und Umkehr, die Zeit der religiös-sittlichen Ermannung aus. Schwäche und Abfall. Schon beim Morgengrauen füllen sich Israels Gotteshäuser mit Andächtigen, die trauten Töne der nm'ds treffen unser Ohr, unser Gemüth, der Schofar weckt die schlafenden Gewissen auf's Neue, in blendendem Weiß erstrahlt dir Synagoge, in der Farbe der reinsten Unschuld; der hohen Bedeutung des jnn cv entsprechend, legt man die Sterbegewänder an, das vLiv und selbst die dem jüdischen Denken und Fühlen während des ganzen Jahres Fernstehenden können nicht umhin, wenigstens für diese Tage ihre Zugehörigkeit zu ihren Stammesgenoffen und zum Väterglauben zu bekunden. Den krönenden Abschluß der „hohen Festtage" bringt dann der ■nsacp, die Zeit der Sühne und Aussöhnung, nicht nur mit seinem Gotte, sondern vor Allem auch mit dem Nebenmenschen. 2*nv p» rcr6 Lire pzv nra? '.i:n na mrv» ip ncao „Selbst t®3 bp bringt nicht Sühne für die Vergehungen gegen den Nebenmenschen, bis man den Fehler wieder gut gemacht." Drum reichen wir die Bruderhand dem Beleidigten, drum weitet sich das jüdische Herz in Bethätigung edler Menschenliebe; der notorisch alle Zeit rege Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen gewinnt doppelte Spannkraft. Die Pietät, gleichfalls eine Stammeseigenschaft des Juden, zieht viele unserer Brüder hin zu den Ruhestätten heim, gegangener Lieben, ganz dem Ernste der .12^-Tage entsprechend. So naht onmi dp heran. Festlich erleuchtet ist das Gotteshaus, feierlich intonirt der Vorbeter das '".n) dr unter Assistenz ziveier Gemeindevertreter. ein in seiner Erhabenheit rührender Protest gegen die Verunglimpfung jüdischer Gewissenhaftigkeit in Bezug auf Wort, Versprechen, Gelübde und Schwur. Volle 24 Stunden verläßt uns die weiche, volle Stimmung nicht, die schönen Gebete, welche die Weisen uns gereicht, sorgen hierfür. Sie berühren alle Beziehungen zu unseren Nebenmenschen. Israels Verhällniß zu Gott, seine Stellung im Völkerleben, führen uns in die Glanzperiode der Tempelzeit zurück, zu den Opferhandlungen der d'3to, zu den Gesängen der Leviten, geben uns in den mrn by in anschaulicher Weise, quasi in plastischer Form, .Fingerzeige der rechten Reue auf die verschiedenen Sünden, begangen durch Gedanken, Wort und That, bieten uns so Gelegenheit, sie zu bekennen und — zu verlassen. Von hohen Gesichtspunkten aus angelegt, ist das vn* uaVo. gedankenlief. ideenreich! Wahrlich, wer mit Verständniß dem Inhalte des *mno gefolgt, dem wird selbst der „lange Tag" kurzweilig geworden sein! Die Sterne blinken am nächtlichen Himmel, die heilige Lade wird geöffnet und mächtig , ertönt Israels Glaubensbekenntniß: Sch'ma Jisroel. Ein Posaunenstoß —