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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 34)
Language
German
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♦ ♦ ♦♦ & ♦ & me zumsche bekäme Humoreske von Hermann Löwinger—V i e n. Es ist nicht unsere Absicht, von den Gefühlen der Nekomo, die uns Juden erfüllen, und über das Strafgericht, von dem der größte, grimmigste Feind und Bedränger unseres Volkes ereilt wird, hier zu sprechen, wie vielleicht Viele unserer geehrten Leser nach dem Lesen der Ueberschrift der Meinung sein dürften. Auch »vollen wir nicht unserer Genugthuung über die verdienten Matoth-), die dem russischen Pharaonenreiche von den Japanern täglich zu Theil werden. Ausdruck verleihen: Solche Rachegefühle sollen uns Juden fern bleiben, denn „Mein ist die Rache und Vergeltung" sagt Gott. Es soll hier nur von jenen harmlosen, kein größeres Unheil stiftenden Nekomoth, wie diese oft in unserer Mitte, selbst im jüdischen Gemeindeleben, leider vsrzutommen pflegen, die sich gewöhnlich in der Form von gegenseitigen kleinen Ehikanen und Seccaturen äußern, die Rede sein. Die naturgetreue Darstellung einer solchen harmlosen, eines gesunden Humors nicht entbehrenden Nekomo, wollen wir in Folgendem in der Skizzirung zweier Typen aus der Judengasse zu P. den geehrten Lesern bieten. R. Jtzig Mandel und R. Mosche Schacherl waren schon seit Jahren keine guten Freunde miteinander. Wegen eines geringfügigen Streites waren sie broges^) miteinander geworden und suchten sich gegenseitig durch allerlei Ehikanen das Leben sauer zu machen. Der biedere Schnlraw der „Brüll'schen Schul", welche kleine Synagoge Beide täglich. Früh und Abends, pünktlich besuchten, bot wohl seine ganze Ueberredungskunst auf. um die beiden Gegner zu versöhnen, was ihm aber selten glang. Am leichtesten konnte dieser am Erew Jom Kippur die beiden Widerpartner miteinander aussöhnen. Doch war diese Aussöhnung nicht von langer Dauer, denn kaum war der Jom Kippur vorüber, so begann der Rigse^) von Neuem. Den Anlaß hierzu gab zumeist R. Jtzig Mandel, der ein großer Kritikus, oder, wie man in der Judengasse zu P. zu sagen pflegte, ein „Kruz" getvesen. Doch nicht nur in ihrem Innern, nämlich in ihrer Gesinnung, waren R. Jzig Mandel und R. Mosche Schacher! Antipoden, sondern auch in ihrem Aeußeren. R. Jzig Mandel, ein kleines, hageres, altes Männchen, mit glattem Gesichte. einer langen, gebogenen Nase und stahlgrauen, stechenden Augen, war ein Schrecken aller Kinder, die beim Dawenen plauderten, denn sie wurden von ihm 1) Rache. 2) Schläge. 3) büse. 4) Zorn. fortwährend angeschnauzt und oft, wenn sie nicht parierten. bei den Ohren genommen und „gebeutelt", im Falle sie nicht schnell das Weite gesucht hatten. R. Mosche Schacher! hingegen war ein großer, starker Mann mit schwarzem, ein wenig grau melirtem Vollbart und freundlichen Blicken, einem gutmüthigen, zu. allen lustigen Streichen bereiten Naturell, und ein großer Kinderfreund. Daß beide entgegengesetzte Naturen nicht harmoniren konnten, ist leicht begreiflich, der geringfügigste Anlaß genügte, um aus den kaum Ausgesöhnten wieder Sonim'k zu machen. So waren denn Beide nach einer kurzen Aussöhnung an einem Jom Kippur an den, darauf folgenden Sukothfeste") wieder nicht gut miteinander. Die Schuld trug wie gewöhnlich R. Jzig Mandel, der „Kruz". R. Mosche Schacherl's Sohn. Baruch, der sich des Rufes eines „feinen Bachurs" erfreute, war nämlich nach Absolvirung seiner Universitätsstudien an einer deutschen Universität zum Besuche seiner Eltern an den Sukothfeiertagen nach Hause gekommen und R. Jzig Mandel, der ©ab&eT) in der Brüll'schen Schul gewesen, hatte ihm keinen Scholaum alechem") gegeben. Der Hauptgrund aber, daß sich Baruch. noch mehr aber dessen Vater, R. Mosche Schacherl, sehr beleidigt fühlte war, weil R. Jzig Mandel, der als Gabbe am Hoschano rabbo"), an welchem Tage in P. die jungen unverheiratheten Leute mit dem Halten der Seforim'") während den Hakofotb") beehrt und mit Namen angerufen werden, fungirte, Baruch erst zum letzten Sefer Thora anrufen ließ und vielen weniger Kundigen den Vorrang gegeben hatte. Auf die Frage, die Baruchs Vater an R. Jzig Mandel gerichtet, warum, er dies gethan. gab dieser noch die heraus fordernde Antwort: „Ihr Sobn ist kein solch' großer Tanai, daß er gleich der Erste sein muß." Diese grobe Antwort versetzte unseren sonst gut wüthigen R. Mosche Schacher! in Zorn und er beschloß in seinem Innern. R Jzig Mandel eine Revanche zu bieten, an die er lange denken werde. Die Zeit dazu sollte bald kommen, nämlich am Schemini Azereth/'^ An diesem Tage werden gewöhnlich wie überall, auch in P. die Alioth") iür die Chaffanim am Simchath 5) Feinde. 6) Laubhüttenfeste. 7) Vorsteher. 8) Willkomm»- nrug. 9) Den.siebenten Tag des Landhiittenfestes. 10) Tborarollen. 11) Umzug mit den Palmzweigen. 12) Schlugfeste. 13) Die zur Thora gerufen werden. J^orar

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