Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1904)
- Date
- 1904-12-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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wies sodann Herr Direktor Dr. Bar Wald auf die erfreuliche Thatsache. daß jener Geist hilfseifriger Bruderliebe, der Adolphe Cr,-mieur, Charles Netter. Narciffe Lewen etc., in richtiger Erkenntniß der Forderungen der Zeit zur Begründung der Alliance Israelit« Universelle veranlaßte und der in der fall fünfzigjährigen Wirksamkeit dieses Weltbundes so reichen Segen zeitigte, in immer weiteren Kreisen unserer Glaubensgemeinschaft thätigen Widerhall geweckt Hab?. Ans diesem Geiste heraus sei auch der „Hilfsverein der deutschen Juden" entstanden, der sich Dank der Hingebung und Thatkrast seiner wackeren Leiter in der kurzen Zeit seines Bestehens zu einem so ansehnlichen Faktor innerhalb der gleichstrebenden Körperschaften entwickelte. Jubelnder Beifall beantwortete den Wunsch, mit dem der greise Redner schloß, daß dem ..Hilfsverein" ein weiteres kräftiges Gedeihen und segensreiches Leisten beschieden sein möge. In schlichter Ergriffenheit dankte Herr James Simon für die freundlichen Worte und schloß mit einem Hoch auf die Alliance Jsra,Zite. deren vorbildliches Wirken dem „Hilfsverein" Beispiel und Ansvorn sei und bleiben werde. Es sprachen sodann die Herren Frumkin- Warschau auf die jüd. Gemeinde in Frankfurt a. M.. Rabbiner Dr. Rosenak -Bremen auf die Großloge U. P. D. für Deutschland. Herr Adolph Gordon- Wilna auf die Jewiih Kolonisation Association und ihre anwesenden Vorstands-Mitglieder. Justizrath Cohn- Tilsit aus die jüdischen Frauen, deren Mitwirkung die geplante Organisation nicht entrathen könne, Herrn. Landau- London auf die Stadt Frankfurt. Dr. Moses- Mannheim auf das einträchtige Zusammenwirken der Vereine. Maritz Marburg auf die Einzel-Komitees. Rechtsanwalt Dr. G o r d o n - Veiersburg auf den jüdischen Geist, der die heutiaen Derathungen beseelte. Rabbiner Dr. M. H o r o v i tl - Frankfurt a. M. mit dem Ausdruck der Freude, daß auch die Zionisten an der praktischen Arbeit tbätigen Antheil nehmen, und mit dem Wunsche, daß hies auch in Zukunft der Fall ebenso sein möge, auf den. unbeschadet seiner Endziele in dieser praktischen Arbeii sich bethatigenden Zionismus. Herr Redakteur Sokolow -Warschau in geistvollen, hnmordurchwürzten Darlegungen aus die Widerstandskraft des jüdischen Volkes. Nachdem zum Schluß Herr Jan,es Simon den Grenz-Komitees sein Glas geweiht, wurde die Tafel aufgehoben. Die Wahl RoosevettS. Berlin. Der Erfolg der Präsidentenwahl in Amerika erfüllt uns mit aufrichtiger Genugthuung, mag auch die „Kreuzzeitung" sich noch so sehr darüber ereifern, dir schon vorher ausposaunt hatte, daß „die Judenschaft für Roosevelt gewonnen worden" sei. In der That waren die Juden für Theodor Roosevelt, weil sie wußten, daß er mit allem Eifer für dje bürgerliche Gleichstellung derselben von jeher gekämpft und speziell seinen Einfluß für eine Besserstellung der Juden im russischen Reiche aufgewendet hat. Sein Protest gegen die Nuthalen von Kischinew, sein Kampf gegen die Paßbeschränkungen amerikanischer Bürger. zeigen, daß Präsident Roosevelt ernsthaft die Sache des Fortschritts und der Humanität vertritt und daß er wirklich nur aus Menschenliebe, nicht aber aus Wahlrucksichten sich der Sacke der Juden annimmt. Und darum haben die Inden ein Recht, mit Genugthuung zu konstatiren. daß dieser Mann mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der Bereinigten Staaten gewählt wurde. Juderrarisiedelurrgen in Cypcrn. A t hen, 21. Rov. Schon im Jahre 1898 tauchte bei der englischen Regierung der Plan auf, in Chpern die Niederlassung von Juden zu begünstigen. Der erste Versuch zur Verwirklichung der Idee wurde zwei Jahre später mit Juden gemacht, die aus Rumänien auswanderten. Er mißlang namentlich deshalb, weil die Zugewanderten völlig mittellos waren und baldigen Verdienst auf der Insel nicht finden konnten; die Zügewanderten zogen daher kurz nachher weiter. In den letzten Monaten sind neue Einwanderungen, insbesondere von russischen und rumänischen Juden erfplgt. Sie treffen in kleinen Gruppen ein, ihre Gesammtzcchl beträgt jedoch schon annähernd Tausend, und weiterer Zuzug steht bevor. Das zahlreiche griechische Element. Eyperns hat wiederholt während dieser Jahre durch Beschlüsse in Volksversammlungen und im Parlament gegen diese Einwanderung protestirt. Es befindet stch generell in ständiger Opposition zur englischen Verwaltung und hat in den letzten Jahren mehrfach durch' Petitionen und Volksversammlungen der englischen Regierung und dem Könige von England seine hellenischen Gesinnungen kundgegeben und um Vereinigung mtt Griechenland ersucht. Die englische Förderung der Judeneinwanderung wird in Cypern und hier als ein Gegenschlag der englischen Administration gegen diese nationalpatriotischen Gesinnungen aufgefaßt und in diesem Sinne haben sich auch hiesige Zeitungen letzthin in längeren Ausführungen geäußert. Nun haben die hier ansässigen Cyprioten in ihrem Vereine beschlossen, einen Protest der englischen Regierung, dem Könige Eduard und den Großmächten zu übersenden. Der Ton des Beschlusses ist recht verfehlt. Er bezeichnet die englische Begünstigung der Judeneinwandcrung als eine neue Unehrenhastigkeit der Negierung, welche mit der Großmuth des britischen Volkes-nicht in Einklang zu bringen sei und kündet an, daß die Cyprioten im Nothfalle mit Gewalt j