Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1904)
- Date
- 1904-12-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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2124 Cöln, Dr. Julius Moses-Mannheim, Konsul M. A. Simon-Hannover n. v. A. Am Sonntag Abend fand die Regelung der Vorfragen, Zunächst'die Wahl des Präsidiums statt. Es wurden in das Präsidium berufen die Herren James Simon- Berlin für den „Hilfsverein der deutschen Juden". Justizrath Timendorfer -Berlin für die Großloge für Deutschland, Direktor Dr. Bärwald- Frankfurt a. M. für die Alliance Jsracllte Universelle, Charles L. Hallgarten -Frankfurt a. M. für das hiesige Lokalkomitee. Hermann L a n d a u-London für die Anglo Jewish Association. Wilhelm Pappenheim- Wien für die israelitische Allianz in Wien, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer- Cöln für das zionistische Aktionskomitee, Dr. Mark Warschawsk y - Petersburg, Advokat Dr. Stern- Bukarest, Prof. D. S i m o n s e n - Kopenhagen. Nachdem die Versammlung sich über den Abstimmungsmodus schlüssig gemacht, erstattete Herr Dr. Paul Nathan- Berlin, Geschäftsführer.des „Hilfsvereins der deutschen Juden", das Referat über die jüdische Auswanderung aus Osteuropa und ihre Organisation. An die Ausführungen des Referenten schloß sich eine überaus lebhafte und eingehende Debatte, welche am Tage darauf fortgesetzt worden ist. Allseitig wurde anerkannt, dah^ im Interesse der Juden Osteuropas eine Organisation der Auswanderung geschaffen werden muß. Zugleich wurde einmüthig hervorgehoben, daß in keiner Weise Maßregeln ergriffen werden dürfen, die geeignet sind, eine Steigerung der Auswanderung herbeizuführen, daß die Auswanderer insbesondere auf Geldunterstützung seitens des Komitees nicht zu reckinen haben. Die positive Ausgabe der zu schaffenden Organisation muß vielmehr sein, die Auswanderer über, die Vorbedingungen auszuklären, unter denen allein ein Verlassen ihrer osteuropäischen Heimath rathsam ist. Es soll den Allswanderern alsdann auf ihrer Reise Rechtsschutz gewährt und für eine möglichst billige und gute Fahrt auf den Eisenbahnen und Schiffen gesorgt werden. Diese Aufgaben sind zu lösen von Komitees, die jedes einzelne Land im Anschluß an die bestehenden zuständigen Organisationen selbstständig zu schaffen hat. insofern sie nicht bereits vorhanden sind. Die n'öthigen Informationen für jene Komitees sollen durch ein ständiges Bureau, das alle erforderlichen Materialien zu sammeln hat. herbeigeschafft werden. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Ländern wird gewährleistet durch periodisch wiederlebrende Konferenzen, entsprechend derjenigen, wie sie in. Frankfurt a. M. stattgefunden hat. Diese Anschauungen der Versammlung fanden ihren Ausdruck in nachstehenden Resolutionen: „Davon ausgehend, daß in keiner Weise, irgend etwas unternommen werben, darf, was zur Auswanderung ermuntern könnte, wirdbeschkossen:,. 1. Daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, darnit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde. 2. Daß ein spezielles Bureau mit dem Sitze in Berlin für Jnformationszwecke gebildet wird. Die daselbst eingehenden Informationen werden den zuständigen Organisationen zllr Verfügung gestellt; die Organisationen behalten aber das Recht der unmittelbaren Einziehung der Information. Das Bureau in Berlin wird seitens des „Hilfsvereins der deutschen Inden" und der Großloge N. O. B. B. für Deutschland in's Leben gerufen. 3. Daß periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dein Vorsitzenden des Berliner Bureaus für Jnformationszwecke zu oder sie finden auf Antrag einer der großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen statt. Nach Annahme dieser Resolutionen, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt würden, ging man zur Erörterung von Tetailfragen über die Lage in einzelnen Ländern und Städten über. Das Ergebniß dieser Debatten läßt sich kurz in folgender Weise znsammenfassen: Da die Auswanderung in Folge starker Ansammlungen in den Großstädten Englands und in Folge der vielfach traurigen Lage des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht auf eine Linderung der Noth bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, zur Besserung der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimathländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch die Schafiung von Arbeitsgelegenheiten, entsprechend den Landesgesetzen helfend beizutragen. Der Vorsitzende Herr James Simon, schloß mit Dankesworten die durchaus harmonisch verlaufende Versammlung, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die gefaßten Beschlüsse unseren Glaubensgenossen zum Segen gereichen werden. Nach den ernsten zehnstündigen Berathungen vereinigte ein von dem Frankfurter „Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden" in bewährter Gastfreundschaft veranstaltetes Festmahl die auswärtigen und die heimischen Delegirten. Nachdem Herr Josef W i s l o ch - Frankfurt a. M. die Tafelrunde begrüßt, ergriff Herr Justizrath Timendorfer - Berlin das Wort, um der innigen Genugthuung über das verheißungsvolle Ergebnis der Konferenz Ausdruck zu geben und in Worten gerechter Anerkennung dir Verdienste des Herrn Dr. Paul Nathan zu feiern, dessen unermüdlicher, einsichtiger Vorarbeit das Gelingen des Werkes vorwiegend zu danken sei. Herr Dr. Nathan erwiderte mit einem Trinkspruch auf die Organisation, deren einträchtiges Zusammenwirken allein die gedeihliche Ausgestaltung der heutigen Beschlüsse gewährleiste. In überaus eindrucksvollen Ausfiihrungen, denen die Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, verr:i> i r