Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1904)
- Date
- 1904-12-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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2121 es sich bandelt, wenn's nicht naher angegeben wird.- .Was ihm selber paffirt ist," entgegnete der Mohel, „mit dem alten Roscho. dem früheren Steuereinnehmer Eiermann, der sich reich gestohlen hat. und jetzt von seinen Zinsen lebt. Ihr kennt ihn alle, obwohl ich sicher bin, daß noch keiner von Euch ein Geschäft mit ihm gemacht hat, er gibt keinem Juden etwas zu verdienen. An dessen Haus geht vorige Woche Ahron MoHssohn vorbei und der alte Steuereinnehmer redet ihn Ln: -.Ich hätte da manches schöne alte Stück Gold liegen, das ich gern verkaufen und auch gegen neuere Arbeit vertauschen möchte; aber — aufrichtig wie ich bin 7muß ich Euch's sagen, ich habe ein Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit der Hebräer, und besonders gegen diejenigen, welche Ahron heißen. Daß schon der alte Ahron in Goldsachen nicht reell war, das kann ihm jedes Kind nachrechnen. „Das wäre ich aber begierig zu wissen, wo der alte Ahron in Goldsachen nicht redlich gehandelt hat." antwortete Ahron Mosessohn. ..Das steht in jeder Bibel," sagt mit boshaftem Lächeln der Steuereinnehmer. „Ahron hat den Frauen von 600.000 Männern ihre goldenen Ringe und Geschmeide abgenommen, ebenso den Töchtern, deren Zahl ich nicht kenne, und hat daraus ein goldenes Kalb gemacht! Ein goldenes Kalb! Eine ganze Rinderheerde hätte er aus so viel Gold machen können, wo ist'has andere Gold hingekommen? Hm? Hab' ich Recht, daß man den Abron's nicht so blind trauen datf?" Darauf diente ihm Ahron Mosessohn mit folgender Antwort: „Die Sache ist doch nicht ganz so, wie Sie sie da hinstellen, Herr Steuereinnehmer. Glauben Sie wirklich, daß wenn es sich darum handelt, die Ringe und Goldsachen von Hunderttausenden von Frauen und Mädchen einzusammeln, daß da ein Mann wie Ahron. selber von Zelt zu Zelt geht und das Gold zusammenholt? Das glaubt Ihnen kein Mensch. Der Ahron hat feine Steuereinnehmer gehabt, die das für ihn besorgt haben und dann braucht man sich über die Differenz nicht mehr zu wundern!" Ein schallendes Gelächter belohnte diese Erzählung und die gute Stimmung,, di» es zur Folge hatte, benutzte der Schwiegervater, um die Gäste zu veranlassen, den Beginn der Mahlzeit wegen Abwesenheit seines Schwiegersohnes nicht länger hinauszuschieben. Man ging also zu Tische und hatte des fehlenden Gastes bald vergessen. Der Schwiegervater. Rabbi Josef ben Chajim, war der einzige, der wegen des Ausbleibens seines Schwiegersohnes ernstlich beunruhigt war. Er hatte während der Mahlzeit nach Hause geschickt und die Nachricht erhalten, der Erwartete sei noch nicht nach . Hause gekommen. Er ließ jedoch, um das Fest nicht ' zu stören, von feiner Beunruhigung nichts merken und j .ging in später Abendstunde, als die Festlichkeit zu Ende , war, selbst in die Wohnung seines Schwiegersohnes. Er war nickt nach Hause gekommen. - VI. Die eigene Familie hatte ihr Haupt bis dahin nicht vermißt; sie vermuthete den Vermißten beim Feste. Als sie aber erfahren hatte, daß er trotz seines heute Morgen gegebenen Versprechens nicht dort gewesen war, da stand es ihr fest, daß ein Unglück geschehen sein müsse. Noch in derselben Nacht wurden die Behörden von dem räthselhaften Verschwinden , des allgemein geachteten Mannes in Kenntniß gesetzt, ' Am anderen Morgen ließ der Rath der Stadt Hamburg durch Trommelschlag bekannt machen, daß Ahron Mosessohn vermißt werde. Wer über den Verbleib desselben Mittheilung machen könne, dir zur Auffindung des Vermißten führten, tobt oder lebendig, der solle eine „Recompetenz" von 109 Dukaten erhalten. . der Name des Anzeigers solle für alle Zeiten verschwiegen gehalten werden. Durch diese für jene Zeit ungemein hohe Belohnung war das plötzliche Verschwinden Ahron Mosessohns Stadtgespräch in Hamburg und Altona, ja weit darüber hinaus, geworden. Am meisten beschäftigte der aufregende Vorfall die Juden in Altona und Hamburg. An der Börse, diesem Thermometer und Pulsschlag des ganzen geschäftlichen und gesellschaftlichen Lebens, war das Verschwinden Mosessohns Gegenstand der allgemeinen Unterhaltung. Jeder tauschte mit dem anderen seine Ansichten über das Schicksal aus, das dem allgemein beliebten Manne zugestoßen und das ja bei einem so geheimnißvollen, plötzlichen Verschwinden, jeden täglich treffen konnte. * Nach Schluß der Börse bildeten sich noch vor dem Vörsengebäude Gruppen, welch: das Geschehene diskutirten. Hart an der Börse befand sich „Das Wirihshaus zur Schiffergesellschaft", ein Gasthaus allerersten Ranges, dem besonders von Börsenbesnchern zugesprochen wurde. Es wurde darin nur aus Silber gegessen und getrunken. Viele Geschäfte wurden hier abgeschlossen und heute bildete an allen Tischen das Verschwinden Ahron Mosessohns Gegenstand der Diskussion. Eben trat wieder eine kleine Gruppe erregter Börsenbesucher in das geräumige, überfüllte Gastzimmer. Sie nahm an einem Tischchen Platz und nun sagte der lebhafteste von ihnen mit gedämpfter Stimme: „Neb Samuel Hekschor, Ihr müßt mauchel sein und die ganze Maase (Geschichte) noch einmal erzählen.. Ich habe nur den letzten Theil gehört, als Ihr es vor-' hin in der Börse mitgetheilt habt; und Ihr werdet sehen, daß ich ein ganz besonderes Interesse daran