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Der Israelit · 1904-09-14 · Heft 74-75 (14.9.1904) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 74-75 (14.9.1904)
Date
1904-09-14
Page
– (sequence 25)
Language
German
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a o <wao s laifr-jc 14. Sept. 1904.] l«r. 28 mm MZ4 L-?j.rrnri3i m Don A. Mghrur vevmsA. Tief in Böhmen, in der Gegend von Chotzen, lieg! das große Dorf N., dessen einziges jüdisches Haus Zankel Klesmer und seine Familie bildet. JanlK Klesmer ist eine wetterfeste, gedrungene Erscheinung, dem es, trotz des schon weißen Kopfes, keiner anmerkt, daß er den Achtzig näher als den Siebenzig ist. Seine Frau ist ihm seit zehn Jahren gestorben, er wohnt bei seinem erwachsenen Sohn, der schon seit zwanzig Jahren mit einer wackeren Frau verheirathet ist. Fünf Söhne hat sie ihm geschenkt, von welchen der-älteste neunzehn und der jüngste sechs Jahre alt ist. Vielleicht wäre. es richtiger zu sagen, daß der Sohn und seine Familie beim Vater wohnt. Denn es ist das väterliche Haus, es ist die elterliche Wohnung, in welcher Großrater, Kinder und Enkel so friedlich und glücklich beisammen wohnen, daß man nicht weiß, wer bei dem anderen wohnt. Es wäre auch Niemand eingefallen, zu sagen, daß der Vater beinc Sohne wohne, wenn nicht der äußere Umstand dafür gesprochen hätte, daß der Vater seit langer Zeit den größten Theil des Jahres außer Landes zub^achte. Er ging kurz nach Pesach alljährlich fort und kam kurz vor Nosch Haschono wieder nach Hause; brachte jedesmal viel Geld mit. dos seine nun verstorbene Frau und sein Sohn zur Einrichtung eines Geschäftes verwandten. Dieses Geschäft vergrößerte sich von Jahr zu Jahr derart, daß Jankel seit vielleicht fünfzehn Jahren nicht mehr in's Ausland zu reilen und nicht mehr, den Unterhalt seiner Familie als Klesmer, d. h. als Musikant, zu verdienen brauchte. Seitdem lebte er zu Hause der Erziehung seiner Enkel und der Ausbreitung des Geschäftes. Aber in den Musestunden, besonders an den langen Winterabenden, holte er seine Fidel herbei, auf der er, ohne eine Note lesen zu können, alle Melodien ans der Tesilla und aus dem Machsor, sowie alle Ländler. Volkslieder, Opernstücke mit einer Fertigkeit und Innigkeit spielte, die jeden Hörer hinriß. Er verstand auch die Kunst, seine vielseitigen Lebenserfahrungen in anziehender Weise zu erzählen. Er that dies oft im Kreile seiner Familie, aber von sich selbst vermied er geflissentlich irgend otwas zu erwähnen. Jankel Klesmer stand in der jüdischen Gemeinde, die eine kleine halbe Stunde von dem Dorke entfernt war. im Rufe eines Weltkindes, das es mit den Anforderungen des jüdischen Lebensregimes nicht allzu genau nimmt, obwohl kein Wort je über Jankel KlesmerS Lippen gekommen wäre, das ein solches-Urtheil gerechtfertigt hätte. Jankel erfüllte sorgsam alle Obliegenheiten, wie es einem gewissenhaften Juden zukommt und hielt sein Haus zu derselben Gewissenhaftigkeit an. Nichtsdestoweniger fand er das Vorurtheil. das gegen seine religiöse Führung nun einmal bestand, ganz in der Ordnung. Denn er war ja die vielen Jahre außer Landes gewesen, n. dem Juden, der die Seinen verläßt und außerhalb der Grenze sein Glück sucht, dem sehen die Zurllckbleihenden mißtrauisch nach; auch wenn der Auswandernde kein Musikant ist, bei welchem Stand n-.an am wenigsten einen besonderen Lebensernft vor-

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