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Der Israelit · 1904-09-14 · Heft 74-75 (14.9.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 74-75 (14.9.1904)
Date
1904-09-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Zrchrgaug. rjle Deik, zu J& 74 L 75 Des „Is iff Zlltes Eisen. . , .Nürnberg. 12. Sept.! Die. Antisemiten gebärden sich als die Retter des Vaterlandes. In ihren Reden stellen sie cs ko hin. daß Deutschland unaufhaltsam dem Untergang zueilt. wenn nicht in letzter Stunde noch die in den Programmen der antisemitischen Gruppen niedergclegtcn Forderungen erfüllt werden. Es verdient deßhatb als be- . mcrlenswerth hervorgehoben zu werden, dass ein waschechter Antisemit in einem offiziellen Antisemitenorgan, in den vom Abg. Liebermann v. S-onnenberg'herausgegebenen ..Deutsch-Sozialen Blättern" an dem Programm der. Deutschsozialen Partei eine Kritik übt, die ihrein Sinne nach auf das Urtheil hinausläuft, daß das Programm in's alte Eisen gehört. Der antisemitische Kritiker des Parteiprogramms in den ..Deutschsoz. Blättern" vertritt den Standpunkt, dass zu dem „hoffnungslosen Pessimismus", zu dem sich die Grundsätze des Programms der Deutschsozialen Partei bekennen, „denn dock wirklich kein Anlaß" vorliegt. Man erhalte „beim Durchlesen dieser Grundsätze den Eindruck, als ob spätestens übermorgen der wirthschastliche Zusammenbruch Deutschlands eintreten müsste". Die Zuschrift an die „Deutschsoz. Bl." hält einen „so übertriebenen Pessimismus" sowossl für taktisch falsch: «Wer mag sich einer Partei anscssliessen, d:c in allen Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens unaufhaltsame Zersetzung erblickt?" — wie auch als Gesammturtheil für völlig unbegründet. Es sei „gar kein Zweifel, dass sich die wirthschastliche Lage Deutschlands seit 36 Jahren ungeheuer gehoben hat". Gerade das bestreiten aber die Antisemiten stets. Ae-' sonders schildern die Antisemiten den Mittelstand als unrettbar verloren. Der antisemitische Kritiker in den „Deutschsoz. Bl." jedoch ist der Ansicht, daß'„nicht der Mittelstand schlechthin" schwer bedroht ist. denn z. D. die sog. freien Berufsarten und das mittlere Beamteuthum seien ebenfalls!m Aufstciaen begriffen, und die Lage des selbstständigen Mittelstandes müsse hervorgehoben toerden als „eine Ausnahme der im allgemeinen günstigen Entwicklung". Mit Recht hebt der antisermkische Kritiker des Antisemiienprogramms hervor, dass die jetzig»'Fassung de? Programms ^einseitig hem selbstständigen Mittelstand auf den Leib zugeschnittcn ist" und ihmdabti eine Bedeutung für die Gefänntltrtotkon zuweist.- „die ek einfach nicht messt-Pesitztz Und!-' dlk er nie wieder erringen 'wird"'.^ ‘ ''> I Mit diesein Urtsseil wird der Grundpfeiler des Parteiprogramms der Deutschsozialen Partei einge-. rissen, zumal noch die'ganze Mittelstandspolitik der Antisemiten, wie folgt-, ausdrücklich als verfehlt gebrandmarkt wird: „Es entspricht in keiner Weise den tyatsächlichen wirthschastkick>en Machiverhältniffen, daß das Wobk und Wesse der Kleingewerbetreibenden den Angelpunkt unseres politischen Systems bildet. Und was die Grundsätze des Programms als Heilmittel für diese Bevölkeruugsschicht anführen.- ist m. E in der Hauptsache verfehlt." Dies antisemitische Urtheil über die antisemitische Mittelstandspolitik entspricht der Kritik, die der frühere antisemitische Reichstagsassaeordnete Paul Förster schon im Jahre 1897 bei . seinem Austritt aus der Antisemitenfraktion ausgesprochen hat: „Mittelstand und Mittelstand — darauf sitzen wir fest, ohne dass recht ersichtlich wird, was wir wollen und was wir nicht wollen." : Das antisemitische Programm fordert eine staatliche Organisation der einzelnen Bernfszweige. In'den „Deutschsoz. Bl." aber wird statt deren auch thaikräftige Förderung des freien Berufsvereinswesens' gefordert. „Der Himmel bewahre «ns vor den absurden Vorschlägen, die Fritsch neulich im „Hammer" erhob: er forderte für die einzelnen Gewerbebetriebe geschlossene Gilden und will jeden Geschäftsbetrieb von einer Konzessionsertheilung abhängig machen." Ferner wird in den «Deutschsoz. Bl." — Wunder über Wunder - - der Kampf gegen den Kapitalismus getadelt und ganz im freisinnigen Sinne gefordert: „Hebung des Personalkrcdits des Kleingewerbetreibenden auf genossenschaftlichem Wege. Eingehen auf das Bedurfmß des Publikums nach konzentrirter und gefälliger Kaufgclegensseit durch Gewerbehallen, kaufmännische Organisation der Erzeugung und des Absatzes durch Rohstoffbezugs- und Verkaussgcnossenschaften.- Also leine Abwehr, sondern Anpassungen an die-kapitalistische .Betriebsweise!'" Die „Deutschsoz. Bl." weisen darauf hin. dass einzelne betriebe, „die man gemeinhin als Handwerk;u betrachten pflegt", es gar nicht mehr sind, „sondern nur noch Verläufer fabrikmäßig hergestellter Waaren. So. ist aus dem Kürschner der Pelzhändler geivorden, ans dem Hutmacher der Huthändler, aus dem Kammmacher der Inhaber eines Bürstengeschäftes, aus dem Uhrmacher der Uhrenhandler." Allen antisemitischen Traditionen ins Gesicht schlägt der antisemitische Kritiker iw den „Deutschsoz. Bl/" mit der Erklärung: „Im Zeitalter der Geldwirthschaft ist eine kapitalistische'Wirthschaftkstufe eine Noksswcndigleit. 'Sie ist in unendlich vieler'Beziehung eiuuS-Mn!iM-!LebeÄ'cha«stcktz «des hüstM Vblkes - hat sich unter ihrtm Einfluss« gehobeneJ' Eine Verwerfung der kapitalistischen Unternehmungsiveise schlechthin ist ein Unding." Bemerkenstverth ist m dem

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