Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 74-75 (14.9.1904)
- Date
- 1904-09-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450054--61420-2524236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
, M74 & 75. Ei« ' yv Kenlrat-Hrgari für das orthodoxe IudentHum. Begründet von I>r. Dehnrann in Wt«inr Mittwoch, de« 5. Tischrt S««S. L4. September tVV4. Unsere nächste Nummer, wiederum eine Doppelnummer, erscheint deS heil. Bersöhnungs-Festes wegen Donnerst ag, den 22. September. Die Bedeutung des Aol-nidre. predigt ain Rol-nidre Abend. Von A. H. Schwarz, Rabbiner u. Prediger in Kladno. .Scs” rat *]cy rat '‘fix oiawi fö-^enp ppcö n&ppn „Blicke hernieder von Deinem himmlischen Wohnsitze, o Herr! und segne Dein Volk Israel!" (Denier. 26, 16.) Segne die frommen, andächtigen Beter, die sich.^Aung und Alt, Klein und Groß, in stiller Andacht hier versammelt haben. Wohin auch ihre Wege sonst fuhren mögen, welcher Art auch ihre Gemüths- und Geistesrichtung sein mag — des Kol-Ridre Abends feierliche Stunde hat geschlagen; des Jom- Kippur ' Vorabends erste Schatten haben auf die Erde sich gelagert — und siehe da, es ruhen die Gewerbe. es haben alle aus des geschäftigen Lebens geräuschvoller Umarmung sich losgerissen. Sie stehen da in feierlicher Stimmung, in einer Stimmung, wie sie nur einmal des Jahres über jüdische Gemüther zu kommen pflegt; in einer Stimmung, in der der Mensch das Schwingenrauschen seiner Seele zu hören, die Gottesnahe zu fühlen scheint. Und emporgestiegen auf der Stufenleiter-des Gesanges ist bereits eines der Gebete dieses Abends, ein Gebet, von dem dieser Abend seinen Namen hat — das n-rj *»3 Gebet! Tief in die Seele ziehend, das Herz mächtig ergreifend, ist die Melodie dieses Gebetes; wie ein Netz von Tönen hält sie unsere Sinnen gefangen. Aber, kennt Ihr auch die B e. d e u t u n g, kennt Jbr auch den Inhalt dieses kurzen Gebetes? Daß die Welt ihn nicht kennt, daß darum so Viele ihn verkannt und uns, denen doch der Eid das Heiligste auf Erden ist. zugemuthet, als wollten wir durch dies Gebet im Voraus Ablaß siir falsche Betheuerungen erflehen — das hat sich nur all zu oft bewahrheitet. Und da wir alle Beleidigungen verzeihen, wollen wir es der Unwissenheit auch verzeihen, daß sie uns verkannt hat. -- Daß aber auch unter uns Biele über die Bedeutung dieses Gebetes im Dunklen sind', das ist unverzeihlich! Darum möchte ich es in dieser Stunde darzuthun versuchen, was des Kol-Ridre eigentlicher Inhalt ist. Lernet wissen was und u m was Ihr betet und Gott möge Euch erhören. Amen. I. mu ffiw "wem yntv wro. .Was Deine Lippen ausgesprochen, sollst Du halten und es erfüllen, ale hättest Du ein Gelübde gethan!" <5. B. M., 23. 24.) So lesen wir in der heiligen Schrift. — Ein Jahr ist es heute, da standen wir ebenfalls festlich geschmückt und feierlich gestimmt vor Gott; Andacht im Herzen, wohl auch eine Thräne im Auge. Es war der Vorabend des großen Versöhnungstages! Wie schwarze Schatten, wie dunkle Nachtgebilde lagen unsere Fehler und Sünden, unsere Vergehungen und Verirrungen vor uns. mwi w St ntcn beteten wir. „Rechne es uns. o Herr, nicht zum Vergehen an." mvn irw utoro tm», bafe wir so thöricht waren, in der Sünde Netze uns zu verstricken!" Wir heischten Versöhnung, Verzeihung vor Gott und dachten mit Schrecken daran, wie w i r s e l b st oft sunversöhnlich waren und gelobten im Stillen, versöhnlich zu sein; unseren Feinden und Beleidigern zu vergeben, wie Gott vergibt. Wir heischten milde Beurteilung vor dem göttlichen Richterstuhle und sahen beschämt zurück auf das harte, ungerechte Urtheil. das