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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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voll gedanken- und bilderreicher Sprache schilderte er das Gotteshaus als einen Berg mit seiner reinen Luft und seinem Pillen Frieden, mit einem Feld, wo das Samenkorn ausgestreut und die Frucht eingeerntet wird, und mit einem Haus, aus dem die Wärme hinausdringen soll in das Leben, und du»ch dessen Fenster hineinkommen soll das Licht des Jahrhunderts. In ergreifender Weise wandte er sich an seine Gemeinde, die Kinder, die Jünglinge und Jungfrauen, die Männer und Frauen und an die Greise im Silberhaare, in der Freude wie im Schmerz, im Kummer wie in: Zweifel, in der Stunde der Versuchung und Gefahr in das Gotteshaus zu kommen und zu beten; dort würden sie getröstet und aufgerichtet. Er mahnte zum.Frieden und zur Duldsamkeit, auch Andersgläubigen gegenüber. Alles, was Menschenantlitz trüge, habe einen Gott. Zum Schluß gelobte er Treue zu Gott, und dem König und Vaterland treu zu dienen. Im Weiteren verlief die Feier genau nach dem festgelegten Programm. Mit einem Schlußgesang der Gemeinde und mit Gebet fand die erhebende Feier ihr Ende. Wir wünschen der israelitischen Gemeinde von Herzen Glück zu ihrem schonen Gotteshaus und hoffen, daß sie sich recht lange desselben freuen möge. Oesterreich. Wien. Seit einigen Monaten erscheint in Pardubitz unter dem Titel „Rozvoj" ein tschechisches Blatt, welches sich angeblich die „Förderung und Vertiefung der tschechisch nationalen Idee unter den Juden" zur Aufgabe gemacht hat. Dieses unter der Leitung des Dr. Vohryzek stehende und, wie man sagt, von einenr Herrn Dr. Schulhof. Zahnarzt in Pardubitz, inspiririe Blatt scheint in letzter Zeit mit fliegenden Fahnen in das Lager der Antisemiten übergegangen zu sein; als Beweis dieser seiner Richtung denunzirt es Herrn Dr. Ehrenfeld, Oberrabbiner in Prag, indem es die ebenso unwahre, als — gelinde gesagt — unqualifizirbare Nachricht verbreitet, er habe öffentlich für den Sieg der japanischen Waffen gebetet. In derselben Nummer greift dieses edle Journal auch den Leitomischler Rabbiner Dr. Volkmann unter der Spitzmarke „Los von Galizien" an. Das und jüdische Antisemiten schlimmster Sorte. Amerika. Netv-Bork. Da kein anderes Land der Welt so viele näturalisirte russische Juden beherbergt wie Amerika. hat auch keine Regierung die Paßfrage so ernst genommen, wie-die vereinigten Staaten im Hinblick auf die Aolksstimmung. wie sie noch jüngst in der von uns mitgetheilten Annahme darauf bezüglicher geharnischter Resolutionen seitens sowohl der republikanischen als auch der demokratischen Konvention zum Ausdruck gelangt ist. „Noch niemals/ so heißt es in einem Schreiben des Staatssekretariats an den amerikanischen Politiker Simon Wolf, „ist ein Fall der Inhaftnahme oder üte len Behandlung eines amerikanischen Juden iss Ruß» land zur Kenntniß der Regierung gebracht worden, ohne daß diese nicht in seinem Interesse intervenirt hätte. Erst am 13. Juni 1904 ist unser Botschafter in Petersburg von neuem angewiesen worden, die Frage wieder zu eröffnen und - der russischen Regierung die! Resolution des Hauses vorzulegen als Beweis für die Unterstützung, die die Haltung der Regierung im Volke ■ findet. Der Staatssekretär hat auch immer wieder : von neuem die Aufmerksamleit des russischen Bot- * schafters in Washington auf den Gegenstand gelenkt, ‘ zuletzt noch am l. Juni diess Jahres." \ Da es öfter vorgekommen ist, daß naturalisirte ■} russische Juden nach Rußland gereist 'sind, tveil sie; nicht wußten, was ihrer dort trotz des amerikanischen Passes harrte, und sie erklärt hatten, daß, hätten sie das gewußt, sie der Gefahr aus dem Wege gegangen ' wären oder Schritte gethan hätten, sie zu beseitigen, s so hat die amerikanische Regierung die Einrichtung 1 getroffen, daß sie jedem naturalisirten russischen Juden, j der einen Paß fordert und dabei ungefragt erklärt, daß < er Jude sei, eine nichtamtliche Note mit dem Passe zugleich verabfolgt, worin auf die russischen Gesetze und ' Verfügungen hingewiesen wird, die für ihn in Betracht ■ kommen. Das geschieht, wie ausdrücklich betont wird, j nicht weil der Betreffende Jude ist, sondern, weil er \ in Rußland geboren ist; denn die Behörde weiß nie, ob der einen Paß Fordernde ein Jude ist und fragt auch ' nie nack seiner Religionszugehörigkeit. Damit aber; die Note ja nicht so ausgelegt werde, als ob die Regierung es mit der Beschützung aller amerikanischen Bürger ohne Unterschied weniger ernst nehme, hat Staatssekretär Hay folgende Instruktion an de» ' amerikanischen Botschafter in Petersburg gesandt: „Die beiliegende Note an amerikanische Bürger, die früher russische Unterthanen waren und nach Rußland zurückzulehrcn beabsichtigen, läßt die Regierung allen in Rußland Geborenen mit dem Passe zugehen. Sie wird Ihnen lediglich zu Ihrer Information ge- - schickt, und Eie werden dahin instruirt, daß sie nicht - die Bedeutung haben solle, als beabsichtige die amerikanische Regierung nachzulassen in ihrem Bestreben, : allen naturalisirten und eingeborenen Amerikanern während ihrer Reisen oder des Aufenthaltes im Auslande den vom Gesetze vorgeschriebenen Schutz zu Theil werden zu lassen. Auch soll die Rote nicht andeuten, daß die amerikanische Regierung irgendwie von ihrem Standpunkte zurückweiche, den-sie gegenüber denjenigen russischen Gesetzen und Verfügungen einnimmt, welche die gleichmäßige Behandlung aller die Gesetze befolgen- ' den Bürger ohne Rücksicht auf ihren Geburtsort der-; weigern."

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