Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1904)
- Date
- 1904-09-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450052--61362-2524150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v; , , ■ , . . ' 45. Jahrgang. JK 71* $ Ein . .v Kenlrak-Hrgan für das orthodoXe ZudenLHum. Begründet von i>r. ITrftmamt in __ . 2 5. Elul 5664. Montag, den g September 1904. Wege» des große« AnvraugS zur Veröffentlichung der NeujahrSwüufche, die meist noch'in letzter —.. - ' nächste Nummer, erue Doppelnummer, vorauSstchtltch etwa-ver» Minute eiulaufe«, wird unsere sputet erfcheiuea. Des Jahres Lcheidegrüße. nun nj?’pn I. Das Jahr geht zur Neige, nur noch wenige Tage und es gehört der Vergangenheit an; schon seit Wochen tönt der Schofar durch Israels Reihen. -pVx r.x-pV prn Vmr\,©ri bereit, deinem Gott entgegenzugehen," ist der Inhalt dieses Rufes, dieser Mahnung im Elulmonat. als Scheidegruß an der Schwelle einer neuen Zukunft. Dieser im Elul ist nicht nm rrpn nicht gebotene Pflicht, sondern freiwillig ist er von den großen Ordnern unseres Gottesdienstes eingeführt. FreiwilligePflichten! ... Und hätte uns der Elul sonst gar nichts zu sagen, würde der -w Ruf in diesem Jahre nichts in uns wachrufen, als den Gedanken, daß er freiwillig, selbst auferlegt ist, daß unsere Ahnen sich mit der rar rrpn nicht genügen ließen, sondern ihr die rwi hinzufügten, wahrlich dieser Gedanke allein schon ist genügend, den richtigen Maßstab für unser Thun und Lössen im vergangenen Jahre zu finden. «Es gibt nur ein Mittel um uns selbst zu schützen gegen alle Lockrufe des Leichtsinnes, der Sinnlichkeit, der Bequemlichkeit, es gibt nur eine Antwort auf die ewig wicderkehrenden Fragen der Jnteressen-Klughrit und auf den Spott der falschen, sich selbst überschätzenden Weisheit der Sterblichen, und dieses Mittel, diese Antwort ist die hingebungsvolle Begeisterung, die Freude, im Dienste Gottes zu stehen. Nicht oft genug laßt sich die alte Wahrheit wiederholen, daß Gott nickt deshalb unfern Staat zertrümmert, und unser Volk in alle Weltrichtungen versprengt wurde, weil es seinem Gotte nicht diente, sondern deßhalb, weil es seinem Gotte nicht mit F r e u d e diente, nnotso '» nx msp «V ie>x nrm— das ist die Lehre von wvi rrpn und jeder anderen aus freien Stücken übernommenen Pflicht. Wem die von Gott verlangten Opfer keine Opfer kosten, der fügt dem Pslichtgebot noch ein freiwilliges hinzu; und diese tmpV Vws fron ist xrpnnno ist Grad- und Werthmesser für die Gesinnung des sie Ausübenden, gerade deßhalb, weil p* w nV weil sie dem freien Belieben überlassen ist. Und der Wegfall dieser novn ist's, welcher ein so trübes Licht auf unsere Zeit wirft. Nicht etwa, als ob das Pflichtgebot selbst in allen Kreisen seine Befolgung finden würde, aber weil dieser Wegfall eben berveist, wie weit, weit wir noch von der Hohe jüdischen Bewußtseins entfernt sind, das keine höhere Seligkeit, keine innigere Freude kennt, als sich mit allem Besitz und Genuß Gott zu unterstellen, und wie sehr uns noch die Ueberzeugung abgeht, daß Vxie" nx norV rrapn rpnmxvi mm vnV nm i-'ßV daß in den Normen, nach welchen unser erwerbendes und genießendes Leben von der Thora geregelt wird, wirklich unser höchstes Glück besteht. Wie wäre doch unserer Zeit diese Ueberzeugung nöthig. Wie müßten doch die Seufzer aus elterlil^r Brust verstummen, welche der Ueberlastung ihrer Kinder durch den jüdischen Unterricht gelten. Die Kinder haben ein scharfes Ohr für solche Seufzer, hoben auch ein scharfes Auge für den Mißmuih Und die Langeweile, die auf dem Gesichte des Lehrers ausgeprägt ist. und die den Kindern selbst die Freude und die Lust am Lernen nimmt. Und doch ist die frohe Heiterkeit die einzige Lebensathmosphare für ein kraftvolles Entwickeln jüdischen Lebens.,yw nropa pi nun Vp nncp yro x<?x rrsw ’jro xbi mV» «pro.1 Und das ist der Fluch, der auf dem «Lernen" auch unserer Jünglinge und Männer ruht. Gähnend, müde wird — wo überhaupt noch gelernt wird — solange gelernt, bis der Schlaf die müden Augenlider schließt.. Wahrlich, je mehr Beruf und Geschäft Zeit und Muße uns rauben, je weniger Zeit wir dem Lernen zuwende»