Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-09-01 · Heft 70 (1.9.1904) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 70 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450051--61346-2524133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Deleg. Reichtal-Tyrnau dankt dem Präsidium für die vorzügliche Leitung. Dr. Leopold Kahn befürchtete zuerst, der Misrachi wolle einen Keil in die Parteieinheit treiben. Die glückliche Formel, die hier gefunden worden sei, habe alle seine Bedenken verscheucht. Besonders erfreut ist er, daß hier die Kulturfrage unter dem Namen Jugenderziehung behandelt wurde. Denn hier könne sie leichter als auf dem Kongreste besprochen werden. Er freut sich, daß auch die Misrachisten beitragen wollen, aus Ghettokretins nackensteife Juden zu machen. Nobel dankt in glänzender Schlußrede der Versammlung. Die Tage des Kongresses sind wahre v'2iv vir'Fest tage. Redner schließt: Für unsere Lehre unser Land, unser Volk: das ist unsere Devise n:is6 nieru Landau dankt der Preßburger 7>2*e", daß auch sie den Berathungen beigewohnt hat. Dr. Fink läßt Reines sen., den greisen Präsidenten, hochleben. Reines beschließt den Kongreß in schwungvoller Sprache. Damit schloß die würdevoll verlaufene Versammlung. Der Verein Ahawath-Zion lud die Kongreßtheilnehmer zu einem Kommerse ein, der um Mitternacht zu Ende war. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Memel, 14. Elul. (Rabbi Gabriel Feinberg s. A.) Am Montag Nachmittag, den 11. Elul, ist hier der allverehrte Rabbi Gabriel F e i n b e r g, der über zwei Jahrzehnte hindurch hier als 21 und fix. segensreich gewirkt, im patriarchalischen Alter von beinahe 83 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verewigte. der durch seine große Gelehrsamkeit auch über das Weichbild hiesiger Stadt bekannt und b-rühmt geworden ist. galt bei seinen gelehrten Zeitgenossen als der Größten einer in Israel, als ein „Gaon" auf dem unermeßlichen Gebiete der Thorakenntnitz. Rabbi Gabriel Feinberg war rin Rabbinerder alten Schule und stammte aus einem kleinen Städtchen (Balbirischock) des Gouvernements Suwalli in Russ.-Polen, woselbst sein Vater ein angesehener Kaufmann war. Bis zu seinem 13. 'Lebenswahre hatte sein frommer Vater, der die hohe Begabung dieses seines Sohnes bemerkte, ihm bei tüchtigen Lehrern gründlichen Unterricht im Hebräischen und Talmudischen angedeihen lassen, darauf siedelte er mit seinen Eltern nach Kowno über. Hier setzte der junge Gabriel seine Talmudstudien selbstständig fort, ohne irgend welche Beihilfe eines Lehrers. Nachdem er so etwa drei Jahre lang gelernt, nahm sich seiner der damalige Kownoer Rabbi Menachem, bekannt unter dem Namen »Rabbi Medele" aus Kowno an. Nach Rabbi Medeles Tod kam Rabbi Israel Galanter nach Kowno. ^Näheres über den Letztgenannten siehe: Jahrgang 41 des „Israelit". Nr. 62 u. s. ..Aus dem Leben, eines Talmudjuden" von Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden, Schweiz.) Um jene Zeit wurde Rabbi Leib Schapiro zum Oberrabbiner nach Kowno berufen. Diese zwei große Leuchten des Judenthums wareu nun die Lehrer des jungen Feinberg: doch hat er den meisten Unterricht von Rabbi Leib Schapiro empfangen lind sich auch die Lehrweise dieses Meisters besonders zum Muster und Vorbild genommen. Gleichwohl hatte Feinberg nichts weniger im Sinne als „Rabbiner" zu werden, seine Thorakenntniß zur Quelle seines Lebenserwerbs zu machen: allein sein Vater starb ihm ab und mit dessen Tode schwand dem alleinstehenden jungen Manne sein bisheriger Fürsorger und Beistand, daß er sich nun genöthigt sah, sich um eine Brodstelle umzusehen und eine Rabbinerstelle anzunehmen. Eine solche bot sich ihm auch in dem Städtchen Wilky. unweit Kowno, dar, woselbst er sieben Jahre lang verblieb. Von da wurde er nach Galanten berufen, woselbst er zwölf Jahre lang amtirte. Darauf siedelte er nach Slabotkin bei Kowno über. Nachdem das Rabbinat in Memel frei geworden war. zog er es vor, die Stelle in Memel anzunehmen, wohl deßhalb, weil in Memel sein ehemaliger Lehrer und Freund Rabbi Israel Salanter -früher lange Zeit gelebt und gewirkt und er so hoffen durfte, hier dos rechte Feld für seine Wirksamkeit gefunden zu haben. — So trat denn Rabbi Feinberg vor etwa 22 Jahren das Rabbinat in Memel an, nachdem sein Vorgänger. Rabbi Jesaia Wohlgemuth dasselbe nach langjähriger Amtsthätigkeit niedergelegt hatte, um sein Leben in stiller Zurückgezogenheit als ..Klausrobbiner" in Hamburg zu beschließen. Rabbi Feinberg baute nun auf dem von seinen Vorgängern gelegten guten Grunde weiter fort und hat sein Amt bis an seines Lebens Ende verwaltet. Von seiner großen Gelehrsamkeit legen am besten seine Schriften Zeugniß ab. besonders sein Kommentar -rrr zum „Schulchan-Aruch". (Eine ausführliche Besprechung und Würdigung dieses Werkes findet sich in Nr. 49 hes ..Israelit". Jahrg. 35.) Die Fortsetzung dieses Kommentars wurde druckfertig unter seinem handschriftlichen Nachlaß vorgefunden: ebenso befinden sich druckfertig seine ewm (Novellen) zum Rambam. Seine (Analekten) zum Rambam sind bereits vor zehn Jahren im Druck erschienen. Daß auch dieser sein handschriftlicher Nachlaß gedruckt werden möge, ist sein letztwilliger Wunsch. Leider hat dieses vortreffliche Werk in Deutschland noch nicht die Verbreitung gefunden, die es verdient, während die russischen Fachmänner voll des Lobes über dasselbe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.