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Der Israelit · 1904-09-01 · Heft 70 (1.9.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 70 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. M 70. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe IudeniHum. Begründet von Dr. ITcTimaittf in Mainz. 21. Elul 5684. Donnerstag, d.n i»«47 Die zionistischen Zwillingsbrüder. Bon Rnphacl Breuer. Ein lieber freund, dessen sterblichen Reit seit drei Zähren die Todtengruft umschließt, erzählte mir einst von einer Heldenthat Preßburger Talmudhockschüler, die mir anläßlich des Misrachi-Kongreffes wieder in den Sinn gekommen ist. Ein Preßburger Herr hatte sich durch hochfahrendes Benehmen bei Alt und Jung im höchsten Grade mißliebig gemacht. Das glaubten die Zeschiwabachurim nicht kalten Blutes m.itansehen zu dürfen. Man entschloß sich zu einer abschreckenden Exekution. Eine Schaar von handfesten Delegirten verabreichte dern betreffenden Herrn, nicht in verichwiegener Waldeinsamkeit, sondern in Gegenwart eines zahlreichen, neugierig gaffenden Publikums, eine gehörige Tracht Prügel. So fand maßlose Arroganz die wohlverdiente Strafe. Dieser Akt verwegener Eigenmächtigkeit' ist moralisch nicht ganz unanfechtbar. AVein man wird nicht leugnen können, daß ein grandioser Zug, der romantische Schimmer mittelalterlicher Selbsthilfe ihm anbaftet, der an die Zeit des Ritters mit der eisernen Faust erinnert. Lebte noch der alte Geist entschlossenen Heldenthums und heroischer Initiative in den Talmudjüngern Prcßburgs, sie hätten es wahrlich nicht zugelassen, was sich neulich auf Preßburgs geweihtem Boden vollzog. An der Stätte, wo der Ahnherr des Preßburger Rabbinerhauses gelehrt, hätte ein Misrachistenkonareß nie und nimmer tagen dürfen. Unverzüglich hätte man die ganze Versammlung nach Papa befördert, dahin, wo die trefflichen Broschüren bliihn und für Herzl und Rordan orthodoxe Rabbiner in Begeisterung erglühn. Daß der Zionismus eine große Disharmonie ist. , wird Zeder zuaestehen, der die Geschichte dieser Beweg-! ung kennt. Tie brillirenden Kulturschähe der Gegenwart in .tropf und Herr, suchte man mit einer unveri standenen Vergangenheit wieder anzutnüvfen. deren i verbindende Fäden man längst zerschnitten hatte. Da- I rin liegt der Widerspruch. Die zionistischerseits da»« geborenen rhetorischen und litterarischen Leistungen , können daher auf ein gesundes Empfinden nur die . gleiche Wirkung haben, wir das cchrenzerreißende Kon-! zert der Bremer Ctadtmusttanten: die der widrigsten! Disharmonie. Wird eine solche Kapelle erweitert und tritt der Misrachi hinzu, in die ohnehin schon genug unerträgliche Katzenmusik seine holde Stimme mkthiueinmengend. so fühlt sich infolge dieses Anschlusses das abwägende Urtheil nicht im geringsten alterirt, der Widerwille gegen die musikalischen Darbietungen dieser Sorte hat an Intensität nnr gewonnen und es ist die höchste Zeit, im Interesse des Trommelfells, sich die . Ohren endgültig zuzuhalten. Der künftige Geschichtsschreiber des jüdischen Volkes wird den Misrachi als eine von dessen größten Verirrungen einzutragen haben. Wir reden nicht-von der Ausführbarkeit des Projekts. Wer da behauptet, er sei deßhalb kein Zionist, weil die Gewinnung einer Heimstätte für ausgcstoßene Juden ein utopischer Plan sei. der bleibt im Grundsätze dennoch Zionist. Er zweifelt nur an der Ausführbarkeit des Planes, und es ist nur eine Frage der Zeit, ob er Recht behalten wird oder nicht. Das ist nicht der richtige Weg. um sich die Sache klar zu machen. Da muß man schon auf den Grund gehen, was um so schwieriger ist. als die Zionisten den Kern der Sache mit einem fast «ndurchdringlichen phraseologischen Gestrüpp umgeben haben, dessen Beseitigung Kraft und Ausdauer verlangt, die nicht Jeder hat. Erfaßt man aber das Ding von Grund auf, gelingt es einem, die ganze Bewegung von der hocherhabenen Warte einer fest in sich gefügten, harmonisch

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