Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1904)
- Date
- 1904-08-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Delegirter K o pp-H»thars verlangt Schluß der Debatte über die allgem. vrinzipüllen Fragen. Delegirter verlangt Ausnützung der hierdurch freiwerdenden Zeit. Ein russ. Delegirter verlangt weniger Kritik, negative Arbeit und bittet um positive Arbeit. Die Debatte wird geschloffen. Der Vorsitzende ertheilt Dr. Fink das Wort zu seinem Referate: „Hebung der Religion und deren Bethätigung." Das Referat nahm % Stunden in Anspruch. Die Delegirten waren zu abgespannt und folgten nicht mit der wünschenswerthen Aufmerksamkeit. Die Quintessenz ist folgende: Redner geht von der Mendelsohn-Schule aus, schildert deren Gefahren, die sie im Gefolge hatte. Der Uebelstand. daß die Gemeinden beim Rabbiner nach dem Doktortitel fragen,, ist Grund und Ursache, daß die jungen Leute eine doppelte Last zu tragen haben. Die meisten werden daher nach keiner Seite eine Vollkommenheit aufweisen. Anderseits sei es ein Fehler, daß die Lehrer und Jugendbildner nicht immer den Schülern das Jüdische Vorleben. Er schlägt daher vor. man möge vier Thesen, die er zur Annahme vorschlägt, genauestens durchberathen. Dieselben wollen die Hebung der Religion und deren Bethätigung bezwecken. Die Thesen sollen unter den Delegirten vertheilt werden. Acht Uhr Abends Schluß des ersten Tages. Zweiter Verhandlungstag. Verlesung des Telegrammes vom König!. Hoflager: Se. k. t. und l. apostolische Majestät geruht dem Kongresse für seine Huldigung den allerhöchsten Dank auszusprechen. Die Verlesung des Telegrammes wird stehend angehört und die ungarische Hymne angestimmt. Es werden Telegramme verlesen und langten solche aus Papa. Zürich. London (James Löwe. Grünberg etc.), Dr. Adler-Lübeck. Saffed, - Palästina. Berlin etc. ein. Rabbiner Salomon Neumann-Vinkovce entbietet der Versammlung die besten Grüße. Der Vormittag ist der Feststellung des Programm-Wortlautes gewidmet. Es müssen Pausen eintreten, damit sich die Landmannschaften darüber aussprechen können. Nach dieser Pause droht die Debatte unabsehbare Dimensionen anzunehmen. Altmann-Kesmark will den Misrachi im Programm den Passus aufnehmen lassen, der die Misrachi-Gruppe als Oppositionspartei im Zionismus stempelt. Louis Kahn- Frankfurt a. M. verlangt von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. in die Vereinsstatuten aufgenommene Satzungen, ähnlich denen, die ein Freund des Zionismus als Separatmeinungen im „Israelis vorgeschlagen hat. zum Misrachi-Programm zn erheben. Wiehwohl man diesem Vorschläge sehr sympathisch gegenüberstand, halten schwerwiegende Bedenken, die besonders in der Kommission und den Landmannschaften zur Austragung kamen, die Annahme desselben unmöglich. Es wird nun die Rednerzeit auf fünf Minuten beschränkt. Die verschiedenen Redner empfehlen neuerdings ihre Programmentwürfe und manche haben ganz geringe redaktionelle Aenderungen vorzubringen. Die Mittagspause tritt gegen Uhr ein. ohne daß die Berathung zum Abschlüsse gekommen ist. 4 Uhr Nachmittags. Beginn der Nachmittagssitzung. Nach langem Ringen wird das Programm en bloc angenommen.*) Der Vorsitzende ersucht, das Komitee für das Organisationsstatut möge sich zur Berathung zurückziehen und während dieser Zeit werde Rabbiner Landau dos Referat über „Erziehung der Jugend im Osten" erstatten, das eigentlich ein Correferat zu dem des Herrn Dr. Fink sein soll. Landau, vielleicht der originellste Mann auf dem Kongresse, wurde beim Erscheinen auf der Rednertribüne von allen Seiten lebhaft begrüßt. Seine Ausführungen sind folgende: Die Frage der Erziehung ist nicht neu, nicht nur bei uns. auch nicht auf dem Baseler Kongreß. In; Basel erschien die Frage unter einem anderen Namen, j einer anderen Form: Kultur. Man habe sich bestrebt, j die Frage zu studiren. Ein Referent wurde ernannt.! Sollte der Referent mit dem Referate beginnen, befiel J ein Schrecken alle Kongreßtheilnehmer. Man athmete > erst auf, als der Vorsitzende das Referat von der - Tagesordnung absetzte. Es war eben der rothe Lappen, i Die numerisch überlegenen Modernen fürchteten, daß | sie einst in die Minorität gedrängt werden könnten, und daß die Gesetzestreuen dann eine Gewaltherrschaft an- | treten werden, alles auf den mittelalterlichen Zustand zurückführen, daß sie vielleicht Inquisition, Index etc. einfübren werden. Den Frommen war die Kulturfrage - ein reines Mekka. Nun, hier wollen wir uns ernstlich! mit der Sache befassen. Wir wollen uns bestreben j auf die großen Massen einzuwirken. Da Dr. Fink aber - für den Westen, wollen wir über Erziehung im Osten : und Palästina sprechen. Vorerst ein Bild der bisherigen Zustände. Wir können Ihnen kein erfreuliches Bild geben. Nach der heiligen Lehre hat jeder Vater die Pflicht, die Thora seinem Kinde selbst bekannt zu machen, wv vo» *c"6 pumvs n-nn noba\ icmpr» ps*3. So war es gewesen. Heute nicht mehr. Die großen Nahrungssorgen halten den Vater fern vom Hause. So wachst das Kind in der ersten Zeit ganz ohne Leitung auf. •) Wortlaut bereit» in voriger Nummer mitgetheilt. Red.