Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1904)
- Date
- 1904-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M 69 ts Is«M Gentrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Br. Lehmann in ÜHainj. Montag, de« 18. Etnl 5664. 29. «ugnst 1904. sb Eine MLÄvK abonnirt man bei allen Postaastalten für de« Monat September auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bet Abonnements, welche rechtzeitig am Post-AeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrteftröger aufgegebeu werden. Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betraa in den ersten 25 Tagen beS Monats gegen Qutttung in Empfang zu nehme». Ausland entsprechendhöher. Auf Wunsch ErrnLszignng auf den Abonnementspreis. -^J| Me Expedition des «Israelit." Um was sollen wir beten? Neujahrspredigt von A. H. Schwarz, Rabbiner und Prediger in K l a d u o. So bringe ich Dir denn, gel. Gemeinde! aus des Herzens tiefster Tiefe den innigsten, aufrichtigsten Neujahrswunsch und Neujahrsgruß. So ist es mir denn Gott Lob wieder gegönnt. Euch Alle mit mir vereint vor dem Angesichte Gottes die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres begrüßen zu sehen. Wir mächtig ist doch die Wirkung, die der Flügelschlag der Zeit auf dos gläubige Gemüth ausübtl Wie verschiedenartig auch die Wege im Leben der Menschen auseinandergchen; welch' tiefe Kluft sich auch zwischen den Lebenswegen des Einen und des Andern vor uns öffnet: mag die Zeit den Einen auf ihre« Schwingen aufwärts, immer hoher auf den Gipfel seiner Wünsche emportragen und den Andern mit Sturmesgewalt rückwärts schleudern in den Abgrund der Trostlosigkeit — mag der Eine Kränze des Glückes und der irdischen Seligleit um seine Schläfen gewunden haben, während der Andere die Dornenkrone des Mißgeschicks trägt und die Stirne ihm wund drückt. — wenn das Jahr seinen Kreislauf geschlossen und die Morgenröthe des neuen Jahres dämmernd heraufzieht, da gehen sie A l l e einen gleichen Weg, den Weg m's Gotteshaus! Und sehet! Es ist dies doch nur ein Morgen, wie jeder andere; es ist ja dies nur ein gewöhnlicher Schritt des großen Planeten, der dem göttlichen Machtspruche gehorcht. Nicht herrlicher als je geht an diesem Tage die Sonne auf; nicht glänzender als je leuchten die Sterne der Nacht;*) es ist ein Morgen, ein Tag. wie jeder andere. — Und doch, und doch! So mächtig ist die Stimme der Gott suchenden Seele, so gewaltig die Macht des Gottvertrauens, so enge sind die Fasern unseres Herzens mit den Banden des Glaubens an den Himmel gekettet, daß wir Alle. Alle, Groß und Klein, an diesem Tage mit von Andacht geschwellter Brust,, mit von heiligen Empfindungen glühendem Herzen zu Gott uns wenden. Was wir wünschen, was wir hoffen, unser Lächeln, unsere Thränen, unsere Lust und unser Weh' — wir legen es heute an den Stufen des Allares als Neujahrsopscr betend nieder. Und unwillkürlich, ob in Worten, ob in Gedanken, drängt sich uns Allen der fromme Dankes- und Segensspruch aus dem Herzen auf die Lippen: „Gepriesen feist Du. Gott und Herr! vw der Du uns hast erleben lassen, uns erhalten. und uns hast erreichen lassen diesen Zeitpunkt!" Leben, uns erhalten und die Gegenwart erreicht haben, für diese dreifache Gnade des Himmels danken wir dem Herrn. Und wenn auch dieser Spruch oft genug rasch und gedankenlos uns über die Lippen geht — so wollen wir doch am heutigen, der Andacht und der •) Nicht mn eine Minute hat sich der gestrige Abend verspätet und nicht um eine Sekunde früher dielt der heutige Morgen lewe» lkinzug.