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Der Israelit · 1904-08-25 · Heft 68 (25.8.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 68 (25.8.1904)
Date
1904-08-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1454 der im Hause seiner Eltern so gut wie gar nicht? vom Judenthum wußte, aber doch war das. jüdische Bewußtsein latent in ihm vorhanden. Auf der Universität wird er zum begeisterten Juden. Auf der anderen Seite führt er uns ein junges Mädchen vor, das dem Judenthum feindlich gegenüberstand, dem das Judenthum. um mit Heine zu reden, ein Unglück schien, das dann auch begeisterte Jüdin wird. Die zwei dem Judenthum Neugewonnenen finden sich in Liebe zu einander und ..sie stürmen vorwärts auf der Ebene des Seins, die Hände gen Himmel gerichtet." Wer den vielversprechenden Titel liest, wird sicherlich etwas Anderes erwarten, als was ihm hier geboten wird. Er wird zumindest erwarten, daß ihm das „Räthsel" in seiner Räthselhaftigkeit vorgeführt und vielleicht gar cin Lösungsversuch geboten werden wird. Aber nichts von alldem. Hat man sich aber schon damit abgefunden, so wird man noch immerhin erwarten, daß einem der Umschwung in den Gefühlen und Gesinnungen der Helden psychologisch begründet werden wird, aber auch von Psychologie keine Spur. Nichts als Worte, und was für Worte!! „Sengende Strahlen lobten. Mittagssonncn-Gluthen brannten, üppige Lüfte wehten, schwere, schwüle Gier-Dünste, heiße Griecken- Schönheit betäubte. — Der Jude ward schwach, willenlos, freiheitsberaubt. — Das Judenthum blieb stark, willenskräftig felsenfest." ..Stürme thürmten Wellen, trieben, veitschten, prosten, hetzten seinen tausendjährigen Schmerzens- Nachen.. tosende Fluthen umringten, umrankten es —" Verfasser ist diesem Problem nicht gewachsen, er könnte cin guter Erzähler sein, wenn er nicht ein gar zu guter sein wollte. Wo er erzählt, da ist er verständlich.' aber wo er philosophirt, da wird er ungenießbar. Die wenigen guten Stellen aus seinem Buche brrechtigen aber doch zu der Hoffnung, daß mit der Zeit ein guter Erzähler aus ihm wird, aber er muß nur dieses Ziel anstreben. Kl. Efraim Irisch. ..Das Verlöbniß." Novelle. (S. Mischer. Berlins Geh. 2.50 Mk.. geb. 3.50 Mk. Es ist das Erstlingswerk eines jungen Dichters, das indessen nichts Anfängerhaftes verräth. Diese schlickte Erzählung baut sich, von einer ungewöhnlich seinen Komposition beherrscht, wie von selbst zur eckten Form der Novelle auf. Die Psychologie ist eindringlich und wahr, ohne je zur Analyse auszuarten. Mit Interesse. das sich bis zum innigsten Mitgefühl steigert, schaut der Leser das dargestellte Schicksal an: es ist dasjenige eines Knaben, dessen fein organisirte Natur an seiner seelisch starren Umwelt zu Grunde geht. Diese Welt ist die jüdische einer kleinen galizffchen Stadt; aber die Novelle ist so wenig eine Ghettogeschichte. wie sie eine Erziehungsgeschichte ist; keine anderen als dichterische, gestaltete Absichten sind in dem Werk des jungen Dichters, und so kann man auch verstehen, wenn auch nicht verzeihen, daß er'die Umgebung des überempfindlichen Knaben etwas zu schwarz geschildert. Wahre Frömmigkeit kann in solche Starrheit nicht ausarten. Und wenn trotzdem die in dem Werke geschilderten Typen wahrscheinlich aussehen, so liegt das nur an der hervorragenden Schilderungskunst des Verfassers. I. L. I üd. Kalender. Ter „Nnionkalendcr". Der neue Jahrgang 5665 (1904/5) des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" herausgegebenen ..Kalenders für Israeliten" ist soeben erschienen. Die Vorzüge dieses bewahrten Hilfs- und Hausbuches sind längst bekannt. Auch der neue Jahrgang weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Theile wurde die größte Sorgfalt gewidmet und im schematischen Theile war die Redaktion bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, betreffend die österreichischungarischen Kultusaemeinden. ihre Borstehungen, Funktionäre, und rituellen Institutionen, zu erreichen. Ebenso wurde auch diesmal d:m jüdischen Dereinswcsen die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Neu ausgenommen wurde ein Verzeichniß aller in Oesterreich erscheinenden jüdischen Zeitungen. Der litterarische Theil bringt eine fein empfundene Würdigung der dichterischen Persönlichkeit des im Vorjahre verstorbenen Schriftstellers Karl Emil Franzos aus der Feder des Rabbiners Dr. Simon Mandl, dann eine interessante Reminiszenz unter dem Titel „Die Juden und das Jahr 1809" von Dr. Tänzer, ferner eine spannende Erzählung aus dem modernen Wiener Leben von ,.Xam de guerre“. Die handliche Form und elegante Ausstattung des Kalenders werden auch diesmal gewiß große Anerkennung finden. Der billige Preis (1.60 K.) ermöglicht auch den Minderbemittelten die »Anschaffung. Der ..Unionkalender" ist zu beziehen vom Bureau der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union". Wien. IX., Universitätsstraße 8. sowie in allen jüdischen Buchhandlungen. Uru eingegangenr KLchrr. (Besprechung Vorbehalten.) Stettiner, Dr. Paul. Der Tnaeubbund. 57 S. Pr Mark 2—. KLnigsbera i. Pr. Wilhelm £*» 1904. * Bernstein, Eduard. Zur Theorie und Geschichte deS Sozialismus. Gesammelte Abhandlungen. 4. Aust. Theil I: Zur Theorie deS LobugesetzeS und Verwandtes. 13S S. The» H: Probleme de» Sozialismus. 147 S. Theil M: Sozialistische kontroversen. 160 S. Berlin 1904. Ferd. DämmlerS Verlagsbuchhandlung.

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