Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1904)
- Date
- 1904-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1445 es im Wesen desselben, daß sic uns Probleme gibt. Denn das Leben ist ein Problem. Es sage aber keiner, daß. wenn wir uns mit Problemen befassen, wir uns vom Iudenthum entfernen, nein und abermals nein, wir tragen jüd. Lebensanschauung in's Problem hinein. Unser Glauben und Fühlen ist darum stärker als das Denken. Wir als Vertreter des gesetzestreucn Iudenthums. wir fühlen es. daß die Gesetzestreue nicht in der Herrlichkeit dasteht, wie es sein sollte. Ich freue mich, wenn unsere osteuropäischen Brüder zu uns kommen und über das jüdische Leben in den wenigen deutschen Gemeinden sich lebhaft befriedigt äußerten. Aber wenn sie längere Zeit sich aufhielten, erkaltete ihre Begeisterung für das Wahrgenommene. Es feblt eben so manches, es ist ein Niedergang mit den Sabbaten und Festtagen, den Uebungen religiöser Handlungen etc.*) Und Ihr, Ihr osteuropäischen Brüder, Ihr wiffet es nur zu gut, bei Euch ist es nicht mehr so bestellt, wie es sein soll. Auch bei Euch dringt die Kälte durch die versteckten Ritzen ein. Die große Gefahr besteht eben darin. die Kultur auf Umwegen und Schleichwegen eindringen zu lasten wo sonst noch alles bei dem guten Alten ist. Es ist darum unsere Aufgabe, daß nicht die Einsicht fehle, daß das Alte, und uns so theuere. mit der uns umgebenden Kultur in Einklang gebracht werde. Das ist aber der Punkt, worin wir uns mit unseren Brüdern nicht vereinigen können. Die Kulturfrage ist eben eine Differenz. Wir müssen zeigen, daß es keine ne"77i rnn gibt, daß wir unsere alte, heilige Thora haben. Wollen wir ein wenig die Augen offen halten, wollen wir nur zurückblicken auf die Zeiten, so müssen wir eingestehen, daß wir wirklich von einer Besserung sprechen können. In Stuttgart war es an einem Tischobeaw, in einem bellerleuchteten Tcmvel. der Prediger oder Geistliche bestieg die Kanzel: Ter 9. Ab war ein Trauertag. Er sei von nun ab ein Frevdentag. Israel hat um seine Mission zu erfüllen, sein Land verlieren müssen. Vom 9. Ab angefangen, beginnt die Größe des Iudenthuwes. seiner Mission. lLanganhaltende Pfuirufe aus allen Ecken des Saales.) Nun denken sie sich den freisinnigen Zionisten, wird der sprechen: ..Wir brauchen kein Jerusalem. Stuttgart ist unser Jerusalem". (Die Pfuirufe wiederholen sich.) (Wir sind nun wirklich neugierig, welcher Prozentsatz d:r Zionisten am 9. Aw gefastet, in Frankfurt und Mainz haben sie wie an jedem anderen Tag fauch r*v) in ihren Bureaus gesessen und verbotene Speisen gefriihstückt. Red. d. I.) Wer es ernst meint mit dem Iudenthum, mit der Thora, der das Golus emvfindet, weil es niedergebt mit Schabbes und Jomtoff, der es so empfindet und nicht erst am Ende einer *) Unb dehhald Verbrüderung mit den <Heletzesveräck»tern r Red. d. >2sr." Deraschah. tvenn er mit »zr endet, der wird sich der Bewegung anschließen. Wir empfinden das Gokus. weil es niedergeht mit Schabbes und Jomtof. wir empfinden es. weil es in Vielem was mit mm w:2 zusammenhängt, niedergeht. Ein großer Dichter Denker, der da glaubte, daß der Tag. an dem er sich in der Umgebung seiner Getreuen befand, eine neue Periode der Weltgeschichte einleite, sagte zu seiner Umgebung: Von heute beginnt eine neue Epoche in der Geschichte und ihr seid dabei gewesen. Auch ich wünsche, daß der Segen Gottes in diesen Hallen walte, daß die Berathung eine neue Epoche einleitc, die das moderne national: Empfinden mit den alten, uns heiligen Traditioncn harmonisch verbinde und daß Sie sagen können, Sie sind auch dabei gewesen. Vizepräsident Landau dankt dem berühmten Nietzsche-Forscher für seinen Vortrag, glaubt aber daß man die Debatte nicht eröffnen solle, weil das Referat zu schwierig sei. um gleich meritorisch behandelt zu werden. iAngenommen.) Schluß der Vormittagssitzung. Die Landmannschaften werden zu Konferenzen cinberufen behufs Nominirung der Kandidaten für drei zu wählende Kommissionen. Die Konferenz beginnt vier Uhr Nachmittags. Tagesordnung' Besprechung des Referats Nobels. Das Programm der MiSrachi. Der zur Annahme gelangte deutsche Wortlaut des Misrackn-Programms ist folgender: 1. Der ..Misrachi" ist eine Organisation gesehestreuer Juden, die. auf der Bafis des Baseler Programms stehend, das Bestreben haben zu schaffen und zu wirken für die Erhaltung der jüdischen Nation im Geiste des geschriebenen und überlieferten Gesetzes. Der MiSrachi sieht die Aufgabe und Lebensmöglichkeit der jüd. Nation im Festhalten der Thora und der Tradition und in der Uebung der Gebote und in seinem Bestreben, das Land der Väter zu erreichen. 2. Der Misrachi wacht über die Gesammtorganisation der Zionisten, auf ihre Ideen und Gesichts; punkte, ist dabei unabhängig in seinem Wirken zur Erreichung des religiösen Zieles. 9. Ausgabe des Misrachi ist. mit allen legalen Mitteln die Erreichung seines Zieles durchzusehen. Zu diesem Zwecke wird er seine Ideen erklären und vertreten, damit sie in allen Schichten der Bevölkerung Wurzel fassen und bei allen Parteien Anklang und Anhang finden: dies sucht er zu erreichen durch intensives Wirten, durch Verbreitung einer guten jüdischen Litteratur und die Jugenderziehung in seinem Geiste. (Fortsetzung folgt.) .