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Der Israelit · 1904-08-22 · Heft 67 (22.8.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 67 (22.8.1904)
Date
1904-08-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgang. weite Anlage zu Jf& 67 des „Israelit?" ÄWk Wkl — »litt vW-ll>U? von A. Mannheimer—Dettelbach. < Lcktlnß.) Wir scheuen uns aber auch nicht, der „freien Vereinigung" für die Interessen des orthodoxen Judenthums den Vorwurf inkorrekten oder mindestens unverständlichen Verhaltens zu machen gegenüber den Lehrern. Gerade diese Vereinigung, welche für Thora. Awoda und GemiluS chaffodim geschaffen und auch segensreich wirkt, gerade sie sollte wissen, daß sie m den weiten Streifen de6 Judenthums in Stadt und Land an keinem andern eine solche Stütze hat und haben kann als an den Lehrern. An wen anders wendet man sich in all diesen fragen, besonders auf kleinen Plätzen, als an den Lehrer? Durch wen pulsirt hier das geistige und religiöse Leben? Wer vertritt da die heiligsten Interessen des Judenthums, die vor allen von der „Freien Vereinigung" gepflegt werden sollen? Also sollte die „Freie Vereinigung" auch wissen, dass für ibre idealen Bestrebungen die Lehrer nicht nur die rechte, sondern auch die linke Hand, oder sagen wir sogar, daß sie Hand und Fuß dabei sind, und in dem Vorstand der Vereinigung sollten neben den Rabbinern in erster Linie Lehrer sitzen, von denen seit Jahren eine ansehnliche Zahl der ..Freien Vereinigung" angehört. Wir sind nicht blind gegen die Gebrechen der Zeit, und am allerwenigsten wollen wir es sein gegen die uns nahe Stehenden. Wie geben auch zu, daß die Rabbiner im allgemeinen sich herzlich wenig.um unsere Lage und deren Besserung gekümmert, darin stehen die Orthodoxen nicht höher oder tiefer als die Reformer oder „Liberalen". Ausnahmen natürlich abgerechnet. Die Geschichte der einzelnen Lehrer Vereine im deutschen Reich dürfte dies beweisen. Die Geschichte dieser Vereine beweist aber auch, daß unsere Bestrebungen stets wackere Gönner und Förderer unter den Rabbinen fanden. Und wenn beispielsweise Herr Dr. Breuer nicht in der Oeffentlichkeit als ein solcher Förderer hervortrat, so berechtigt dies noch nicht dazu, ihn als Feind zu bezeichnen. Es sollte doch wohl bekannt sein, daß die „Freie Vereinigung", der Herr Dr. B. vorsteht, alljährlich Subventionen entrichtet zur Erhaltung geeigneter Lehrer und Schächter, Stipendien zur Ausbildung zum Rabbiner- und Lehrerberufe. lSiebe S. 28 des diesj. Berichtes, wo die betr. Quoten mit 955 und 610 Mk. angegeben.) Unter einem Feind des Lehrerstandes versiebe ich doch ganz anderes. Oder ist vielleicht Herr Dr. Eahn ein Lehrer feind, den doch .Kollege Steinhardt selbst in seiner Broschüre „Der Unterricht unserer Jugend" rühmend hervorhebt zum Muster und Beispiel für andere? In Nr. 8 d. Bl. f. Erz. u. U. 1901 lesen tvir: Als vor einigen Jahren Herr Rabbiner Tr. Eahn in Fulda die dortige Religionsschule in eine Volksschule umwandeln wollte, hatte er aus den oben angeführten Vorurtbeilen fast die ganze Gemeinde als Gegner. Herr Dr. Cabn wandte sich darauf an die Kreisschulinspettoren des Regierungsbezirks, um von ihnen ein Urtheil über die Leistungen der ihnen unterstellten jüdischen Schulen zu erlangen. Die Gutachten fielen derartig günstig aus. daß die Gemeinde Fulda nun bereitwilligst der Errichtung einer jüdischen Volksschule zustimmte. — Handelt so ein Lehrer feind? Der freundschaftliche kordiale Verkehr, den Herr Dr. C. allezeit mit den Lehrern seines Bezirks gepflogen, deren ideelle und — materielle Interessen er zu heben gesucht. sichern ihm die Achtung und Liebe aller redlich Denkenden. Als Rabbiner, als orthodoxer Rabbiner war aber Herr Dr. E. wahlberechtigt zu dem famosen Fortbildungsprogramm Stellung zu nehmen, dessen einseitige Behandlung besonders in Bezug auf Gut- Köln — gezeigt, daß gerade nicht immer bei den Gesctzestreucn der „Ueberfanatismus" und die „Intoleranz" zu. finden sind. Mag man aber zu dem Expose und zu dem Verband so oder so sich stellen, eines sollte auf beiden Seiten unterbleiben, d. i.. dem Gegner unlautere Motive unterzuschieben! Wir zweifeln keinen Moment daran, daß sowohl Kollege Steinhardt wie auch Dr. G.. daß der Verband wie dessen Leitung nicht in übelwollender Absicht gehandelt, trotz der scharfen Gegnerschaft, die wir gezeigt. Wir sind aber auch innig überzeugt, daß Herr Dr. E. jede Zeile mit seinem Herzblut gesch'.ieben. nach der lauten Stimme seines Gewissens, nach seiner innersten orthodoxen Ueberzeugung. welche auch die-vieler Lehrer ist. Wenn Herr Kollege Schweiher-Glogau aber von der Lust am Streite, von der Lust an der Opposition spricht, von dem rar crb-Mäntelchen. das man der um hängen möchte, so .ist das seine Sache. Er schließt ja mit den Worten “terra, unb muß es am besten wissen. Mehr wundern muß ich mich über die leichthin ausgesprochene Empfehlung jener bibelkririschen Werke, da mir noch das treffliche und objektiv vorzüglich gehaltene Elaborat Schweitzers „Jungisrael und seine Apologetik" im Gedachtniß ist. das einen anderen Geist athmet, gerade den gegentheiligen. Mit mir haben gewiß viele andere noch Herrn Schweitzer herzlich nr.ir gesagt für jene Darlegungen, die so ganz unser Streitobjekt berühren, daß ick nichts Besseres hier zum Schluffe ankühren

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