Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1903)
- Date
- 1903-12-24
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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lichen Konfessionen angestellt werden, dann erhebt sich Sturm und Unwetter.— hie katholischer Strickstrumpf, hie protestantische Häkelarbeit — aber Juden, nun ja, Juden — denkt wenigstens die' Staatsbürgerzeitung. Glücklicherweise gibt es aber doch auch eine Staatsverfassung, und die besagt eben, daß die Konfession keinen Einfluß auf die Besetzung von Staatsämtern ausüben darf, trotz Staatsbürgerzeitung und Gesinnungsgenossen. Wir sind eben der Ansicht, daß bei Besetzung irgend eines Amtes nur einzig und allem die persönliche Tüchtigkeit und Befähigung maßgebend sei, kein wie immer berechneter Prozentsatz. Und so wenig wir verlangen werden, daß bei allen numerischen Vorbedingungen auch nur ein einziger Jude angestellt werde, wenn er nicht die nöthige Tüchtigkeit für sein Amt besitzt, so eindringlich müssen wir im Namen der Gerechtigkeit und Billigkeit darauf bestehen, daß Niemand deßhälb zurückgewiesen oder zurückgesetzt werde, weil er dieser oder jener Religion angehöre, also etwa weil er ein Jude sei. Das wagt ja auch die Staatsbürgerzeitung nicht, zu behaupten, daß die jüdischen Oberlehrer den Anforderungen ihres Amtes nicht genügten. Sie schreibt: „Gewiß können Juden auch tüchtige Lehrer sein, die im Stande sind, den Schülern die nöthigen Kenntnisse beizubringen und es soll gerne als möglich zugegeben werden, daß es nicht die schlechtesten Elemente des Judenthums sind, die sich dem Oberlehrerstande zuwenden, denn weder sind (bei aller Anerkennung des Fortschritts der letzten Jahre) die Gehaltsverhältnisse besonders glänzend, noch sind auch die äußeren Ehren, die dem Oberlehrerstande von der Allgemeinheit zugemeffen werden, in hervorragendem Matze verlockend, und eine gewisse Summe von Idealismus muß also auch dem Juden innewohnen, der Oberlehrer wird." Was aber, fragen wir, ist dann noch an den jüdischen Oberlehrern auszusetzen, wenn sie sogar nach dem Urtheil der Staatsbürgerzeitung, als Lehrer wie als Menschen, an wissenschaftlicher Befähigung wie an idealem Charakter ausgezeichnet sind? Der ..weltbürgerliche Jude" könne kein rechter Erzieher deutscher Jugend sein, meint das „rettende" Blatt: Es hieße wohl Eulen nach Athen tragen, wollten wir hier erörtern und erhärten, wie der Jude mit Herz und Geist, mit allen Fibern seines Daseins ein echter Patriot, ein treuer Sohn seines Landes ist. Das Märchen vom „Weltbürgerthum" bedarf keiner Widerlegung mehr. Gerade die Juden sind und warm stets die Pioniere und die Träger des Deutschthmns an den exponirtesten Punkten: haben durch hervorragende jüdische Männer bei den letzten Wahlen lieber sich in's Fleisch geschnitten, lieber für den Antisemiten gestimmt, als für eine Partei mit destruktiver Tendenz. Die Staatsbürgerzeitung tragt ferner Bedenken, wie ein jüdischer Lehrer der Jugend die Bedeutung der Reformation oder der Befreiungskriege darstellen könne. Der letzte Punkt erledigt sich mit dem eben Gesagten; bez. der Reformation aber möchten wir fragen, wie das ein katholischer Lehrer bei protestantischm Schülern j oder ein protestantischer Lehrer bei katholischen Schü- - kern machen werde? Unsere höheren Schulen sind doch j nun einmal simultan! Doch, hierzu eine kleine Episode , aus meiner Praxis! Gelegmtlich einer Schulvisitation j wünschte der Schulaufsichtsbeamte, nebenbei gesagt i ein höherer Geistlicher, ich möchte doch die Geschichte - der Reformation mit meinen Schülern — es war eine j jüdische Anstalt — behandeln. Ich erwiderte, daß ich I mich hierbei nur auf die einfache Mitteilung der ge-; schicht lichen Thatsachen beschränkt habe, ohne eingehen- ' dere Besprechungen und Betrachtungen. Er aber erwiderte, das thue ihm leid, denn gerade ich als Unparl leiischer oder über den Parteien stehender Unbetheilig- 1er könnte doch am besten die Materie sachlich und vom ' Standpunkte der geschichtlichen Wahrheit aus behan- : deln. Wer hat nun wohl Recht?! Die weiteren Behauptungen, daß der Jude nicht : in das Wesen der deutschen Sprache und Litterarur; begeisternd einführen könne, oder daß der jüdische Neu- : Philologe den starken Hang des deutschen Volkes zum ' Ausländischen nähre oder endlich, daß der Mische! Naturwissenschaftler dem Materialismus Vorschub leiste, der besonders im Reformjudenthum herrsche, , sind leere Phrasen. Hat nicht ein Engländer die beste? Goethe-Biographie geschrieben? Gibt es nicht auch; orthodoxe, jüdische Oberlehrer? käÜÄgogiDe Lrravgsvfebsst eines Mische» Lehrers. Der hauptstädtische Lehrer in Budapest und Redakteur der unaar. Israel. Wochenschrift „Politikai Magyar Helitav", Herr Julius Gabel. hat mit einer neuen Lehrmethode, namentlich im Unterrichte des Schreibens und Lesens in der ersten Elementarklasse, glänzende Erfolge erzielt, die in pädagogischen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregen? Diese neue Lehrmethode beschäftigt selbst hervorragende Pädagogen des Auslandes in so ernstem Matze, daß man mit Recht erwarten kann, daß die Erfindung Gabels eine heilsame Umwälzung auf dem Gebiete des Unterrichtswesens bedeutet. Man hat es hier mit einer auf langjährigen