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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 21)
Language
German
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f? 0 Central-Organ für das orthodoxe JudenthLM. Aüiter für die israel. Schute. ZA. D.z. 1903.] M-KMziW KmlTM «A W. ML. lStr. 1». Die Milisedev Oberlehrer as>d die Aastsbürgerseitavg. Die statistischen Angaben des vor kurzem erschienenen neuen „Kunze-Kalenders" bez. des höheren Schulwesens in Preußen und anderen deutschen Staaten geben, soweit ste das jüdische Element berühren, der edlen Staatsbürgerin Veranlassung zu langathmigen Lamentationen (Staatbürgerzeitung vom 8. Dezember — Morgenausgabe). Es liegt uns ferne, auf die bekannten, antisemitischen Tiraden und Ausfälle des Blattes näher einzugehen, nur die mitgetheilten, statistischen Notizen und die daran geknüpften Schlußfolgerungen mögen einer kurzen, sachlichen Beleuchtung unterstellt werden. Um jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, was für ein Geistesprodukt die Staatsbürgerzeitung ihren Lesern auftischt, seien die einleitenden Sätze hier wiedergegeben: „Das Judenthum ist zähe in der Verfolgung seiner Pläne. In Folge der demokratisch gleichmachenden Richtung unserer Zeit ist es ihm gelungen, einen höheren Beruf nach dem anderen sich zu erobern und schon sieht Judäa triumphans den Tag heranziehen, an dem es durch die Macht des Kapitals in ihnen allen eine hervorragende Stellung einnimmt. Die freien Stande der Aerzte und Rechtsanwälte sind überwiegend, hier und da fast ausschließlich in jüdischen Händen, der Richterstand wird mehr und mehr angekränkelt, eine Apotheke nach der anderen fällt in die Hände der Kinder Israels, und der einst so judenreine Oberlehrerstand ist jetzt auch in Gefahr, von Juden überschwemmt zu werden. Man möchte, wenn man alle diese Tbatsachen der letzten Jahrzehnte überblickt, an einen fvstematischen Feldzugs- und Eroberungsplan des Judenthums glauben." — Nach den bekannten Vorgängen der letzten Jahre, den Richterdebatten und Notariatsanträgen etc. wirken solche Worte geradezu komisch und man weiß nicht, ist oas Blatt mehr zu bemitleiden oder zu beneiden, zu bemitleiden, daß es nichts anderes zu bringen weiß, — zu beneiden, ob der Anspruchslosigkeit seines Leserkreises, der mit solcher geistigen Nahrung zufrieden ist. ' Nun zur Sache! Weil unter den rund 7000 höheren Lehrern Preußens 88 Juden sind, ist das Vaterland in Gefahr, nicht allein wegen der 88 vorhandenen, sondern wegen der verhältnißentsprechend bis 1909 weiter zu erwartenden 70 neuen jüdischen Oberlehrer. Wer lacht da — nicht? Die edle Staatsbürgerin fühlt sich berufen, das Vaterland zu retten und gibt nun an der Hand statistischer Erhebungen Winke und Rathschläge zur Rettung, aber derart konfus, daß man sich versucht fühlt, zu glauben, sie wisse selbst nicht, was sie will, und sage etwas, um eben etwas gesagt zu haben. Da wird in einem Athemzuge behauptet, daß die verschiedenen Provinzen umsomehr jüdische Oberlehrer haben, als sic von Juden durchsetzt und zugleich, daß große, stark verjudete Städte keine Juden angestellt haben und dergleichen mehr. Es soll eben gehetzt, gegen die Anstellung jüdischer Oberlehrer „scharf" gernacht werden. Wir können es uns ersparen, die einzelnen Zahlen alle wiederzugeben. Das statistische Jahrbuch des Gemeindebundes hat das gesammte Material schon vor Monaten übersichtlicher und ausführlicher gebracht. Es ist ja in letzter Zeit eine vielbeliebte Maxime, nach dem Prozentsätze der Bevölkerungsklassen, bezw. der Konfessionen, auch deren Antheilnahme an den öffentlichen Aemtern regeln zu wollen. Ist jüdischerseits der Prozentsatz überschritten? Und wenn wir gar erst den Prozentsatz der Schüler der höheren Schulen als Richtschnur nehmen sollten, wie viele jüdische Oberlehrer müßten dann noch angestellt werden! Doch — Bauer, das ist ganz was anders! — Wenn die Handarbeitslehrerinnen an irgend einer Schule nicht genau nach dem Prozentsätze der verschiedenen christ-

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