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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang. Mltä. Em Genlrak-Hrgan für das orLhodo^e Judentum. Begründet von Ak. Dehmanrr m l&atog. ii i i Dorrnerstag, den 5. Thebet 5664. 24. Dezember 1903. Der Weihnachts-Feiertage wegen erscheint unsere nächste Nummer/ eine Doppelrmrnmer, Mittwoch, Len 3V. Dezember. Da mit dem 1. Januar 1804 ein neues Quartal beginnt,- so erlauben wir. uns, die geehrten Monnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1804 eingetragen unter Nr. 3932. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. i;y : : Dir ethische» ÄrSmunze« der GeWmü md das Iadeatzllm. Von Dr. Hermantt Klein—Frankfurt a. M. Der siebente Gesellschaftstag der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur", welcher vom 9.—12. Oktober in München abgehalten wurde, lenkte wieder die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf diese Vereinigung, in der seit elf Fahren nunmehr die ethische Bewegung in Deutschland ihren Kristallisationspunkt i findet. Unverkennbar fand die Münchener Tagung höheres Interesse beim Publikum und in der Presse, als die Veranstaltungen der Gesellschaft in früheren Jahren gefunden hatten. Das hängt augenscheinlich damit zusammen, daß die Gesellschaft sich endlich darauf besann. Klarheit über ihre Grundprinzipien zu schaffen, daß in diesem Jahre das Verhältniß der ethischen Gesellschaft zu den verschiedenen Konfessionen verhandelt wurde. Dieses Verhältniß hatte vor zehn Jahren einer der Wortführer der ethischen Kultur, Prof. Jodl in folgenden Sätzen gekennzeichnet. „Im Religiösen liegt nicht das Gemeinsame, sondern das Trennende. Nicht, weil wir Katholiken, Protestanten, Juden sind, leben wir friedlich nebeneinander unter einerlei Gesetzen und in dem nämlichen Staate — soweit wir nur das sind, würden wir uns, wie vor 300 Jahren wechselseitig todtschlagen oder außer Landes treiben; — sondern weil wir endlich, endlich in der bittersten Schule gelernt haben, uns als Menschen, auf Grund gemeinsamer praktischer Ueberzeugungen zusammenzufindcn und zu erkennen, daß diese Ueber- Zcugungen vom religiösen Glauben unabhängig sind und als solche Werth haben. Und nichts anderes will die Gesellschaft für ethische Kultur, als dies Ereigniß einer dreihundertjährigen Entwickelung retten und mit dem Gedanken der allgemeinen Schulbildung auf's engste verknüpfen: den Begriff der Humanität, der für Alle gleichen Menschenpflicht. Den Zusammenhang mit unserer religiösen Vorgeschichte zu pflegen, dazu haben wir auf ethischem Standpunkte wenig Veranlassung. Gerade Deutschland hat durch die religiöse Spaltung vielleicht schwerer gelitten, als irgend ein anderes Land. Was uns noth thut, das ist vielmehr ein Lethetrank, der uns unsere theologischen Neigungen vergessen macht, als eine Schule, welche diesen giftigen Elferaeist imnrer auf's Neue belebt und stärkt." Dieser Grundtendenz der ethischen Kultur, der Bekämpfung aller religiösen Momente und aller religiösen Motive in dem ethischen Leben der Menschheit wurde in München mit einer Schärfe Ausdruck verliehen, daß es eine Unterlassungssünde unsererseits wäre, wollten wir nicht uns mit den Prinzipien auseinanderfetzen, auf die das Gebäude der modernen ethischen Strömung aufgesührt wurde. Wir wollen vor allen Dingen zu zeigen versuchen, wie morsch und wankend dieses ganze Gebäude ist,

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