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Der Israelit · 1903-12-21 · Heft 101 (21.12.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 101 (21.12.1903)
Date
1903-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ei» GenLrat-Grgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Idr. TÄftvrsmr in WAstr^ Montag, den 2. Thebet 5664. LI. Dezember 1903. Da mit dem 1. Januar 1904 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1904 eingetragen unter Nr. 3932. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Die Aischmewer^ustizkomödie?) Crwrt jv tTo'jö) Rechtsanwalt Karabtschewski hielt bei der Niederlegung der Vertretung der Beschädigten am 7. d. Mts. folgende Rede: „Meine Kollegen haben mich bevollmächtigt, dem hohen Gerichtshöfe die Erklärung abzugeben, daß wir uns vollkommen der Ansicht der Vertheidigung anschließen, indem wir in Anbetracht der im Laufe der Verhandlung zu Tage getretenen neuen Umstände es für unmöglich erachten, daß der Prozeß jetzt weiter geführt werde, und indem wir auf Grund des § 649 der Strafprozeßordnung das Verlangen stellen, daß die Angelegenheit im Interesse der allseitigen Erschließung der reinen Wahrheit an die Voruntersuchung zurückgeleitet werde. Ich kann noch hinzufügen, daß uns mehr als einmal, so oft im Laufe der Verhandlung ein neues, sensationelles Moment auftauchte, welches über den einen oder den anderen Punkt Licht zu verbreiten schien, der Gedanke kam, daß es unmöglich sei, den Prozeß innerhalb jenes Rahmens zu leiten, in welchem der Voruntersuchungsrichter, sowie der Staatsanwalt ihn einzuzwängen suchten. Wir haben zu wiederholten Malen die größte Krastanstrengung aufgewendet, um unsere innere Erregung zu bemeistern und den Ausdruck zurückzuhalten, der sich uns auf die Lippen drängte: „Das ist doch keine Justiz und hier ist nicht der Tempel der Gerechtigkeit." Dies geschah nament- *) Dar famose Urtheil im Prozeß Kischinew siehe Schluß dieser Nummer. Red. lich so oft, als durch die Zeugenaussagen bekannt wurde, daß die gegenwärtigen Angeklagten nur mißbrauchte Werkzeuge sind, zufällig herbeigeführtc, unwissende Leute, welche nicht einmal verstehen, wovon die Zeugen reden und wen sie meinen, indem sie die Anzeichen einer bestandenen Organisation und planmäßigen Vorbereitung der gräßlichen Blutthaten klarlegten. Wir haben unsererseits das neue Material gewissenhaft zur Kenntniß genommen und uns bei jeder Einzelheit gefreut, welche statt unbestimmte Vermuthungen, greifbare Beweise zu bieten geeignet war; nun sind derartige neue Thatsachen mehr als genügend vorhanden, aber wir befinden uns vor einer Mauer, die es uns unmöglich macht, weiter vorwärts zu schreiten. Wir sehen jetzt klar und deutlich das Faktum einer Organisation vor uns; um jedoch uns von diesem Faktum volle Rechenschaft geben zu können, müßten der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter mit ganzer Energie die Spuren der Beteiligung an dieser verbrecherischen Organisation weiter verfolgen. Vom juristischen Gesichtspunkte aus und streng auf dem Boden der gesetzlichen Prozeßordnung verbleibend, finde ich, daß schon ein ungeheuer wichtiges neues Faktum in dem hier vor dem Gerichtshöfe hervorgetretenen Umstande vorlkegt. daß die Krawalle der Qstertage in eine gewisse Beziehung zu angeblich in Vorbereitung gewesenen regierungsfeindlichen politischen Demonstrationen gebracht wurden; in unmittelbarem Zusammenhänge damit steht auch augenscheinlich die sehr komplizirte Vorbereitung des Ueberfalles auf die Juden, welcher seinen Höhepunkt am 20. April zu einer

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