Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1903)
- Date
- 1903-12-10
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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über dreißig Jahre lang betrieb, erwarb er sich eine enorme Menschenkenntniß und ein starkes Mitgefühl und Verständniß für menschliche Noth und Gebrechlichkeit. Trotz des ihm persönlich arg zusetzenden Mangels war er immer frohen Muthes, denn er glaubte an die göttliche Vorsehung. Im Grunde genommen, war er nach seiner Art ein ganz braver Mensch. Gar manchmal, wenn er eine Thräne im Auge eines Dürftigen sah, gab er ihm seinen Groschen, und war' überzeugt, daß Gott es ihm vergeben werde. Trotz großer Durstigkeit und dieses Lebens von Tag zu Tag, welches nicht einmal ihm die Begräbniskosten zurückzulegen ermöglichte, lächelte Schmu! stets stillvergnügt. Dies gehörte zu den Attributen seines Handwerks. Ein trauriges Gesicht erweckt kein Vertrauen, zieht die Menschen nicht an. Dem Traurigen mußte er Muth einftößen, den von seinem Kleidungsstücke — oft dem letzten — sich Trennenden beruhigen mit einem Strahle hinreißender Heiterkeit. . Schmul also machte, obschon es ihm nur zu oft dürr und leer war in der Seele, immer seinen Scherz. Und diese Scherze, anfangs nur gezwungen, wurden ihm allmählich zur zweiten Natur. Auf den Lippen schwebte ihm schon beständig ein Lächeln. Mit ihm kehrte er heim, mit ihm erheiterte und tröstete er sein Weib und seine Töchter, mit ihm betrog er sich selbst, obschon er oft mitten in diesen Scherzen so tief aufscufzte, als wälze man ihm einen Stein auf die Brust. Nichts ist so lehrreich, wie solch Herumtreiben. Man begegnet stets neuen Menschen und Gesichtern; man sammelt die wichtigsten Erfahrungen. Denn, indem man so viele und so verschiedene Menschen sieht, lernt man erkennen, was ihnen Allen gemeinsam, was Wahrheit im Menschen ist, und was Verstellung. Ucbcrall trifft man in verschiedenen Formen fast eins und dasselbe. Der menschliche Charakter tritt hervor aus seinen sonderbaren Verhüllungen. Man lernt Menschen kennen. Man weiß dann, daß auch unter der noch so künstlich übergeworfenen Hülle der alte Adam sitzt; den man unter htm Maskenanzug hervorlocken kann. Niemand war heiterer, als Schmul, obschon er bei einem Talglichte und im engen Stübchen den Schabbos beging. Niemand sang lauter das Lied Salomons. Und Niemand' verzehrte mit besserem Appetit sekn weißes Vrödchen. Und doch ging es ihm, trotz Jakob's Unterstützung. herzlich schlecht. Er lief immer munter umher und schrie, so laut er konnte. Er wußte ganz genau, in welchen Häusern die Hafenselk am billigsten zu haben lvaren. Die Jüngeren zogen ihn zu Nathe. Er selbst aber wußte sich gar manchmal kaum mehr zu rathen. Er dachte schon an einen emdern Handel, an einen kleinen Laden mit Stiefelwichse, Schwefelfäden und kurzen Waaren neben dem Althandel. Aber es ging eben nicht. Trotzdem ließ er sich nicht abschreckew. Er spielte schon längst ein Viertel m der Lotterie und war fest überzeugt, dieses Glückspförtchen werde ihn früher oder später zum reichen Manne machen. Seine Frau machte ihm oft Vorwürfe über diese Kinderei; er ließ sie aber schelten und erneuerte sein Loos^ Um die Wahrheit zu sagen, das, was dieser Paplerstreifen kostete, wäre ihm im Hause sehr zu Statten gekommen. Schmul wohnte seit langer Zeit auf der N.. straße in irgend einem Winkel, einem Loche, auf einem Kehrichthaufen, möchte man fast sagen. Das Häuschen, welches außer ihm, mehr als zehn gleich arme Familien bewohnten, sah aus, wie rin nicht allzu reinlicher Bienenstock. Der Eigentümer hatte es niemals restauriren lassen, und die Miethcr säuberten es nur, wenn sie dazu gezwungen wurden. Vorn hatte das Haus nur einige Fenster, aber in die Tiefe streckte es sich lang hin. Es war im rechten Winkel erbaut, und den Hofraum umringten hölzerne Galerien, die nicht selten von oben bis unten mit Wäsche zum Trocknen und mit Lumpen behängt waren. (Fortsetzung folgt.) t 9 e rr . Für den solgcndc» Theil ist die Redaclion nicht verantivortlich. Die Dcdartiov mitrrnimmt ni'intcls dar Prüfung in ßrjng auf die rituelle Invcriässikiiirit der angepriesenrn wahren, ffie Äegrher haben, nmin sie In dieser Hinsicht prstchrrt sei» wöllru. die Äuprrisungrn. prferrrizen etc. selbst einer Cantrote jk uulerwrrfen. Schluß der 3nfrrninK.ur.al|inr i!; stets: lür dir Mv,.te.ysnummrr, SomitonTyviil)!» Mir, fnr die Donnrrstagsnmmner, Mittwoch Mittag >2 Uhr. ßlnstr Statt g, taugt rrpriiröftip Uoutag und roi nnjlori in den Äl-rndlinudtN {um versandt, vrclamationeu wegen j* späten Eiutrrtsrn» beliebe inan bei der betreffruden postaristaU?u leaoin. Merten auf Chisserrrunourrn werden täglich, mit Ausnahur von Samstag weit erbe fördert. LiS Rasern*. Nestes Enthaarungsmittel. 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